Magisterarbeit, 2005
135 Seiten, Note: 2,5
1 Einleitung
1.1 Fragestellungen
1.2 Begriffserklärung
2 Forschungsstand
3 Verwendete Methoden zur Datenerhebung
3.1 Interview
3.2 Weitere Forschungseinflüsse
3.2.1 Beeinflussung der Interviewsituation durch den Forscher
3.2.2 Beeinflussung der Interviewsituation durch die Befragten
3.2.3 Herkunft des Lebenspartners
3.2.4 Alltag und Erinnerung
3.2.5 Transkription
3.2.6 Individuum und kulturelle Tendenzen
3.2.7 Beharrungsform
3.3 Zugang zum Feld
3.4 Auswahl der Befragten
4 Untersuchungsgruppe
4.1 Allgemeine Einführung zu der Interviewgruppe
4.2 Bildung der Befragten
4.3 Einflüsse auf die Befragten aus dem Ausland
4.4 Untersuchungsgruppe: eher bleibeorientiert
4.5 Homogenität der Gruppe
4.6 Staatsangehörigkeit
5 Vorstellung der Interviewpartner
5.1 Pavel N.
5.2 Josef R.
5.3 Marek P.
5.4 Hana S.
5.5 Radka V.
5.6 Jaroslava M.
5.7 Martin T.
5.8 Stanislav Z.
5.9 Karel D.
5.10 Erika T.
5.11 Lenka Z.
5.12 Anna F.
6 Allgemeine Einleitung zu den Untersuchungskategorien
6.1 Wichtigkeit der Sprache in der Fremde
7 Untersuchungskategorie A : Nahrung
7.1 Versorgung mit Nahrungsmitteln in Deutschland
7.1.1 Finanzielle Gründe
7.1.2 Örtliche Gründe
7.1.3 Zeitliche und gesellschaftliche Gründe
7.1.4 Gewohnheit/Tradition und Regionales
7.2 Schwierigkeiten, Unterschiede, Konflikte und Lösungsstrategien
7.2.1 Mehl - ein „großes Problem“ der Tschechen in Deutschland/München
7.2.2 Andere Nahrungsmittel und Komplikationen
7.3 Back- und Kochrezepte
7.3.1 Verwendung der Rezepte
7.3.2 Regionale Rezepte
7.3.3 Bewahren oder Wandel
7.4 Gäste
7.4.1 Einladungen bei der Endo-Küche
7.4.2 Einladungen bei der Exo-Küche
8 Untersuchungskategorie B: Arbeit
8.1 Verhältnis von Ausbildung und Arbeit
8.2 Arbeitskollegen/Kommilitonen
8.2.1 Kontakte/Freundschaften
8.2.2 Konflikte und Probleme vs. Harmonie
8.3 Ausländerbenachteiligung und deren Empfindung
8.3.1 Osteuropa - Ausländer
9 Untersuchungskategorie C: Freizeit
9.1 Klärung des Begriffs Freizeit
9.2 Sportliche Aktivitäten
9.2.1 Kontakte und Orte der Sportaktivitäten
9.3 Nichtsportliche Freizeitaktivitäten
9.4 Freizeitunterschiede zwischen Tschechien und Deutschland
9.4.1 Kontakte in der Freizeit
9.4.2 Konflikte bei der Freizeitgestaltung
10 Untersuchungskategorie D: Wohnung
10.1 Wohnraumvorstellungen
10.2 Nostalgie – Gegenstände in den Wohnungen/Zimmmern
10.3 Verhältnis zu Nachbarn
11 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Alltag tschechischer Migranten in München, um Unterschiede im täglichen Leben zwischen Flüchtlingen der Jahre 1968/69 und Migranten nach 1995 herauszuarbeiten. Im Fokus stehen dabei kulturbedingte Differenzen, die Anpassung an neue Gegebenheiten sowie die Bewältigung von Konflikten innerhalb zentraler Lebensbereiche.
7.2.1 Mehl - ein „großes Problem“ der Tschechen in Deutschland/München
Wie schon im Einführungskapitel erwähnt, geht es zwischen Tschechen und Deutschen eher um die kleineren Unterschiede des Alltags. Wie weit diese einander entsprechen, wird in diesem Kapitel analysiert.
Die verschiedenen Mehlarten36, welche in Deutschland in der Konsistenz, die vor allem zum Backen gebraucht wird, nicht vorhanden sind, gibt es in Tschechien in drei unterschiedlichen Arten: feines, halbgriffiges und griffiges Mehl. Alle drei Arten werden aus Weizen hergestellt. Die mittlere Art, also halbgriffiges Mehl (halb fein gemahlen) und griffiges Mehl (grob gemahlen), waren in Deutschland auf dem Markt nicht vorhanden. Mittlerweile gibt es auch griffiges Mehl in Deutschland zu kaufen. Ein konkretes Beispiel eines tschechischen Rezeptes ist: eine Tasse feines Mehl, eine Tasse halbgriffiges Mehl... . Dieses Phänomen ist sehr eindeutig, weil dies alle Befragten entweder als eine Schwierigkeit erzählten, die sie beim Kochen/Backen empfunden hatten oder sie haben es schon mal gehört.
„Das einzige Produkt, das mir hier in Deutschland fehlt, ist Mehl. Hier ist nur eine Sorte vom Mehl, die man üblicherweise benutzt [...] aber backen von Mehlspeisen jeweils nach der Sorte des Mehles, das hat mir ein wenig gefehlt, aber heutzutage löse ich das Problem dadurch, dass ich mir das Mehl aus Tschechien mitbringe.“ (Interview Hana S. 07.03.2005)
Bei den jungen Migranten, die uneingeschränkt von Deutschland nach Tschechien reisen können, wurde immer die Möglichkeit genutzt, sich selbst oder durch Freunde etwas mitzubringen. Es handelt sich um keinen Einzelfall, sowohl alle meine Probanden als auch die Personen aus den Vorinterviews sprachen über diese Lösungsstrategie. Sie ist meistens leicht durchzuführen, wenn man mit dem Auto fahren kann. Es ist nicht weit und mit dem Auto kann man mehr mitbringen als z.B. mit der Bahn oder dem Bus.
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die persönliche Motivation der Autorin sowie die wissenschaftliche Relevanz der Untersuchung des tschechischen Alltags in München.
2 Forschungsstand: Dieser Abschnitt bietet einen volkskundlichen Überblick über Migrationsmodelle und ordnet die Arbeit in bestehende wissenschaftliche Diskurse ein.
3 Verwendete Methoden zur Datenerhebung: Es wird die Entscheidung für qualitative, halbnarrative Leitfadeninterviews begründet und die Rolle des Forschers im Feld reflektiert.
4 Untersuchungsgruppe: Die demografische Zusammensetzung der zwölf Interviewpartner wird dargelegt und deren sozioökonomischer Hintergrund charakterisiert.
5 Vorstellung der Interviewpartner: Dieses Kapitel liefert biographische Kurzporträts aller zwölf Befragten.
6 Allgemeine Einleitung zu den Untersuchungskategorien: Der Fokus liegt hier auf der Sprache als essenziellem Faktor für das alltägliche Zurechtfinden in der Fremde.
7 Untersuchungskategorie A : Nahrung: Die Analyse konzentriert sich auf Einkaufsgewohnheiten, Rezepte und die Bedeutung von Nahrung für soziale Kontakte und Identität.
8 Untersuchungskategorie B: Arbeit: Es wird das Verhältnis zwischen Qualifikation und beruflicher Tätigkeit sowie der Umgang mit Arbeitskonflikten beleuchtet.
9 Untersuchungskategorie C: Freizeit: Dieses Kapitel befasst sich mit sportlichen und kulturellen Aktivitäten sowie deren Funktion bei der sozialen Integration.
10 Untersuchungskategorie D: Wohnung: Die Wohnraumsituation, Nostalgie durch Gegenstände und das Verhältnis zur Nachbarschaft werden hier untersucht.
11 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die empirischen Ergebnisse zusammen und bewertet die Integration der untersuchten Gruppen anhand modifizierter Modelle.
Tschechische Migranten, Alltagskultur, Migration, München, Ethnologie, Interkulturelle Kommunikation, Akkulturation, Identität, Sozialstruktur, Nahrungskultur, Arbeitswelt, Freizeitgestaltung, Wohnen, Integration, Qualitative Sozialforschung.
Die Arbeit untersucht den Alltag tschechischer Migranten in München unter Einbeziehung von vier zentralen Untersuchungskategorien: Nahrung, Arbeit, Freizeit und Wohnung.
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf kulturellen Unterschieden, Strategien der Alltagsbewältigung, Integrationsprozessen sowie der Bedeutung von Sprache und sozialen Netzwerken.
Die Arbeit fragt nach den Unterschieden im Alltag zwischen der Generation der Emigranten von 1968/69 und den nach 1995 eingewanderten Migranten sowie nach der Rolle kultureller Werte und Normen.
Die Autorin nutzt qualitative Methoden, insbesondere halbnarrative, themenzentrierte Leitfadeninterviews mit zwölf Probanden, ergänzt durch unstrukturierte teilnehmende Beobachtungen.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Bereiche Nahrung (Einkauf, Kochen), Arbeit (Arbeitsverhältnis, Konflikte), Freizeit (Sport, Vereine) und Wohnen (Wohnraum, Nostalgie, Nachbarschaft).
Neben dem zentralen Begriff der Migration prägen Konzepte wie "kleine Unterschiede", "kulturelle Identität", "Akkulturation" und "Alltagskultur" die Untersuchung.
Die ältere Gruppe der Emigranten (1968/69) zeichnet sich durch eine deutlichere Bleibeorientierung und stärkere Nostalgie aus, während die jüngeren Migranten flexibler sind und oft durch andere soziale Milieus sowie die Globalisierung geprägt wurden.
Die Nahrungskategorie erweist sich als besonders ergiebig für die Analyse alltäglicher kulturbedingter Missverständnisse, was die Autorin auf die hohe emotionale Besetzung und die Relevanz für das private wie öffentliche Handeln zurückführt.
Das Fehlen spezifischer tschechischer Mehlkonsistenzen in Deutschland fungiert als greifbares Beispiel für die "kleinen Unterschiede", die den Alltag der Migranten beim Backen erschweren und Lösungsstrategien, wie das Mitbringen aus Tschechien, provozieren.
Die Autorin stellt fest, dass tschechische Migranten aufgrund historischer und kultureller Ähnlichkeiten eine relativ gute Integrationsposition einnehmen, wobei Sprachkenntnisse der entscheidende Schlüssel für den Erfolg in Beruf und sozialem Leben sind.
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