Diplomarbeit, 1995
89 Seiten, Note: Gut
1) Titelblatt
2) Inhaltsverzeichnis
3) Vorwort
4) Hauptteil:
4.1) 1. Kapitel: "Kontext und Inhalt des Untertan"
4.1.1) Heinrich Mann
4.1.2) Die Wilhelminische Ära
4.1.2.1) Der Vorabend der Reichsgründung
4.1.2.2) Reichsgründung und Gründerjahre
4.1.2.3) Ideologische Strömungen
4.1.2.4) Der Fortschritt
4.1.2.5) Die Politik des Kaiserreichs
4.1.2.6) Die Figur des Kaisers
4.1.3) Der Untertan
4.1.3.1) Die Sozialisation
4.1.3.2) Politik und Liebe
4.1.3.3) Rückkehr nach Netzig
4.1.3.4) Der politische Kampf
4.1.3.5) Entwicklungen
4.1.3.6) Das Denkmal
4.2) 2. Kapitel: "Die Sozialisation zum Untertan"
4.2.1) Autorität und Charakter
4.2.1.1) Autorität
4.2.1.2) Charakter
4.2.1.3) Der autoritäre Charakter
4.2.2) Die Sozialisation und Karriere von Diederich Heßling
4.2.3) Die literarische Konstruktion des Untertan
4.2.4) Zusammenfassung
5) Schlußbemerkungen: "Narzißmus: ein Ausblick"
5.1) Narzißmus
5.1.1) Entwicklungsmodelle von Narzißmus
5.1.2) Narzißmus, der neue Sozialisationstyp
5.2) Vom autoritären zum narzißtischen Charakter
6) Anhang:
6.1) Zeittafel zu Leben von Heinrich Mann
6.2) Merkmale des autoritären Charakter
Die Arbeit untersucht die Entstehung und Genese des autoritären Charakters in der Gesellschaft unter Rückgriff auf Heinrich Manns Roman "Der Untertan" sowie sozialwissenschaftliche Theorien von Horkheimer, Adorno und Freud. Das Ziel ist es, den Sozialisationsprozess von Diederich Heßling als Prototyp einer "gelungenen" Sozialisation zum Untertanen anhand theoretischer Modelle zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen.
Die Sozialisation
Diederich Heßling unterliegt den verschiedenen Kräften, die ihn formen. Zuerst wirkt die Familie auf ihn ein. Hier repräsentiert der Vater das Autoritätsprinzip, während die Mutter, die nascht und tratscht, das Lustprinzip symbolisiert. Beide Seiten vereinigen sich in Diederich. Diese Konstellation ist parallel zu dem Modell von Freud (Es, Ich und Überich) aufgebaut. Diederich wächst auf mit einer Reihe von Schreckgestalten, wie das Gespenst vom Schloß, dem Polizisten, dem Doktor oder dem Schornsteinfeger, die alle eins gemeinsam haben, sie vermitteln dem Jungen Angst. Aber "(n)ach so vielen furchtbaren Gewalten, ... geriet nun Diederich unter eine noch furchtbarere, den Menschen auf einmal ganz verschlingende: die Schule." (MANN, S.7) Hier lernt Diederich ein bestimmtes System, wie er sich der Macht (Lehrer) unterzuordnen hat, aber auch wie er die Macht manipulieren kann. Meiner Meinung nach spiegeln sich in dieser Passage auch persönliche Schulerfahrungen von Heinrich Mann.
Als Diederich Heßling nach Berlin zum Studium geht, ist er zunächst von Unsicherheit und Angst geplagt, findet jedoch Halt in einer Studentenverbindung. Davor trifft Diederich auf ein junges Mädchen, das ihm sympathisch ist. Diesem Mädchen, Agnes, gelingt es, gelegentlich sein eigentliches Ich zu wecken. Allerdings läßt sich Diederich durch einen älteren Studenten, der bei den Eltern von Agnes zu Untermiete wohnt, abschrecken. Aus Angst vor einer Konfrontation mit dieser Macht bricht er den Kontakt zu Agnes ab.
1. Kapitel: "Kontext und Inhalt des Untertan": Dieses Kapitel beleuchtet den Autor Heinrich Mann, die historische Wilhelminische Ära und bietet einen Überblick über den Romaninhalt.
2. Kapitel: "Die Sozialisation zum Untertan": Hier findet eine theoretische Fundierung durch sozialwissenschaftliche Ansätze statt, um die Entstehung von Autorität und Charakter bei der Hauptfigur zu erklären.
Autoritärer Charakter, Sozialisation, Heinrich Mann, Der Untertan, Wilhelminische Ära, Frankfurter Schule, Max Horkheimer, Theodor Adorno, Narzissmus, Untertanengeist, Charakterstruktur, Ich-Schwäche, Gehorsam, Macht, Sozialwissenschaftliche Theorie
Die Arbeit analysiert die Entstehung des autoritären Charakters am Beispiel von Diederich Heßling, der Hauptfigur aus Heinrich Manns Roman "Der Untertan".
Die zentralen Felder sind die Sozialisation des Individuums, der historische Kontext der Wilhelminischen Ära sowie die theoretische Aufarbeitung des autoritären Charakters.
Ziel ist es, die Genese des autoritären Charakters als gesellschaftliches Konstrukt zu untersuchen und die Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen Institutionen und individueller Persönlichkeitsentwicklung zu verstehen.
Die Arbeit nutzt eine hermeneutische Analyse, die soziologische und psychologische Theorien (u.a. von Adorno, Horkheimer, Freud) mit der literarischen Textanalyse verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Kontextes des Romans und die detaillierte sozialwissenschaftliche Analyse der Sozialisationsinstanzen, die Heßling zum Untertanen formen.
Besonders prägend sind die Begriffe Autorität, Sozialisation, Untertanenmentalität, Ich-Schwäche und Charakterstruktur.
Der Kaiser dient im Roman als zentrales Symbol für absolute Macht und als Strukturprinzip, an dem Diederich Heßling seine eigene Entwicklung und Machtausübung spiegelt.
Der Narzissmus wird als moderner Sozialisationstypus eingeführt, um Parallelen zum autoritären Charakter aufzuzeigen und einen Ausblick auf die aktuelle Gesellschaft zu ermöglichen.
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