Diplomarbeit, 1996
148 Seiten, Note: 2
Vorwort
Einleitung
I. Muttermythos und Realität.
I.1. Das Frauen- und Mutterbild, das vermittelt wird
I.2. Die Realität - was von Müttern erwartet wird.
I.3. Mütter heute - zwischen unbeschreiblichem Zustand des Glücks und tiefen Selbstzweifeln und Schuldgefühlen
II. Behinderung und Gesellschaft
II.1. Das Bild behinderter Menschen in der Gesellschaft
II.1.1. aus der Perspektive nichtbehinderter Menschen
II.1.2.. aus der Perspektive behinderter Menschen
II.2. Verschiedene Definitionen zu Behinderung
II.3. Ideal, Normal, Anders - Definitionen
II.4. Situation behinderter Frauen - weiblich, nebenbei -
II.5. Situation behinderter Mütter - „keine Arme, keine Kekse“ -
III. Die Lebenssituation und die Charakterisierung von contergangeschädigten Menschen
III. 1. Geschichtlicher Abriß von Contergan
III. 2. Kindheit von „Contergan - Kindern“
III.2.1. Mädchenerziehung
III.3. Von der Presse beobachtet
III.4. Ehrgeiz, Stolz, stark für sich und andere
III.5. Alltag - „Danke, ich mache das alleine!“ -Wie lange noch?
III.6. Partnerschaft
IV. Empirischer Teil
IV.1. Die theoretischen Grundlagen
IV.2. Die Hypothesen zur Auseinandersetzung mit der Mutterrolle
IV.3. Das Interview
IV.3.1. Die Fragen
IV.4.Die Durchführung
IV.5. Die Auswertung
IV.5.1. Kategorien zur systematischen Erfassung der Interviewaussagen:
V. Ergebnisse
V.1.Frau A
V.1.1. Vorbemerkungen zu Interview A
V.1.2. Deskriptive Analyse des Interviews A
V.1.3. Interpretative Analyse des Interviews A
V.2. Frau B
V.2.1. Vorbemerkungen zu Interview B
V.2.2 Deskriptive Analyse des Interviews B
V.2.3. Interpretative Analyse des Interviews B
V.3. Frau C
V.3.1. Vorbemerkungen zu Interview C
V.3.2. Deskriptive Analyse des Interviews C
V.3.3. Interpretative Analyse des Interviews C
V.4. Frau D
V.4.1. Vorbemerkungen zu Interview D
V.4.2. Deskriptive Analyse des Interviews D
V.4.3. Interpretative Analyse des Interviews D
V.5.Frau E
V.5.1. Vorbemerkungen zu Interview E
V.5.2. Deskriptive Analyse des Interviews E
V.5.3. Interpretative Analyse des Interviews E
V.6. Auswertung
V.6.1. Schematischer Überblick der zusammenfassenden Auswertung
V 6.2. Zusammenfassende Auswertung
VI. Schlußwort
Die Diplomarbeit untersucht die Auseinandersetzung behinderter Frauen – konkret Contergan-geschädigter Mütter – mit dem gesellschaftlich konstruierten Müttermythos. Ziel der Arbeit ist es, die Herausforderungen, den hohen Leistungsdruck und die Auswirkungen der gesellschaftlichen Normierung auf die Lebensrealität dieser Mütter aufzuzeigen und durch narrative Interviews zu ergründen, wie sie ihre Mutterrolle zwischen eigenen Ansprüchen und äußeren Erwartungen bewältigen.
I.1. Das Frauen- und Mutterbild, das vermittelt wird
Für mich stellte sich die Frage: wie kann ich diese Bilder beschreiben, ohne dabei in Klischees zu verfallen? Bei den Vorbereitungen bemerkte ich, daß ich nicht umhin komme, mich mit scheinbar oberflächlichen Zuschreibungen der Frauen zu befassen.
Was eine Frau mit Kindern an Erwartungen zu erfüllen hat, kann man manchmal schon fast als unmenschlich bezeichnen, doch was eine Frau leisten muß, um zu rechtfertigen, daß sie bewußt keine Kinder bekommen will, ist auf anderer Ebene ebenso hoch. Sie sollte dann wenigstens erfolgreich im Beruf sein, denn sonst hätte sie auch Mutter werden können. Frauen ohne Kinder stellen eine Besonderheit dar, obwohl sich aus verschiedenen Gründen immer Frauen bewußt gegen Kinder entscheiden. Sie sind keine Minderheit mehr, werden aber als solche behandelt. Müttern wird in dem Buch „Wieviel Mutter braucht der Mensch“ folgendes gesagt:
„Haben sie sich einmal für die Mutterschaft entschieden, dürfen sie sich über die damit verbundenen Probleme nicht laut beklagen. Denn sie haben diese Rolle ja frei gewählt - niemand hat sie gezwungen, ein Kind zu bekommen. Wenn sie zu den damit verbundenen Verzichtleistungen nicht bereit waren, hätten sie eben nicht Mutter werden dürfen. Nun müssen sie auch die Verantwortung für diesen Schritt übernehmen. Das Wunschkind hat ein Recht auf eine gute Mutter. Depressive, unglückliche, aber auch hektische und überforderte Frauen sind keine guten Mütter - das weiß heute jede Frau. (H. Schenk, 1996, S.192)
Als ich in verschiedenen Büchern nach dem Mutterbild suchte, fand ich fast nur die Realität der Mütter. In manchen Nebensätzen verbarg sich der Mythos, was von einer Mutter erwartet wird.
I. Muttermythos und Realität.: Dieses Kapitel analysiert die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen und Mütter und dekonstruiert den Mythos der "perfekten Mutter".
II. Behinderung und Gesellschaft: Hier wird das soziale Bild behinderter Menschen, die Situation behinderter Frauen und die spezifische Lage behinderter Mütter thematisiert.
III. Die Lebenssituation und die Charakterisierung von contergangeschädigten Menschen: Ein historischer Abriss der Contergan-Katastrophe sowie eine detaillierte Betrachtung der Kindheit, Erziehung und Lebensrealität dieser Betroffenen.
IV. Empirischer Teil: Darlegung der wissenschaftlichen Vorgehensweise, der theoretischen Grundlagen und der methodischen Durchführung der narrativen Interviews.
V. Ergebnisse: Ausführliche deskriptive und interpretative Analyse der fünf geführten Interviews (Frau A bis E) sowie eine zusammenfassende Auswertung der Hypothesen.
VI. Schlußwort: Ein abschließendes Resümee, das die Hypothesen bestätigt und die Notwendigkeit einer größeren gesellschaftlichen Akzeptanz betont.
Contergan, Mutterrolle, Behinderung, Müttermythos, Sozialisation, Lebenssituation, Frauenbild, Identität, Diskriminierung, Erziehung, Leistungsdruck, Bewältigungsstrategien, Qualitative Sozialforschung, Muttermythos, Selbstbild.
Die Arbeit untersucht die Lebensrealität von Contergan-geschädigten Frauen, die Mütter geworden sind, und ihre spezifischen Herausforderungen bei der Bewältigung der Mutterrolle in einer Gesellschaft, die bestimmte Normen an Mütter stellt.
Zu den zentralen Themen gehören der gesellschaftliche Muttermythos, die Lebenssituation behinderter Frauen, die historische Aufarbeitung der Contergan-Katastrophe und die psychischen wie physischen Auswirkungen der Behinderung auf das tägliche Leben als Mutter.
Das primäre Ziel ist es, wissenschaftlich zu beleuchten, wie diese Frauen ihre Doppelbelastung – Behinderung einerseits und die Anforderungen an eine "perfekte Mutter" andererseits – verarbeiten und welche Strategien sie entwickeln.
Die Autorin wählte einen qualitativen Forschungsansatz und führte problemzentrierte, narrativ aufgeklärte Interviews mit fünf betroffenen Frauen durch, deren Aussagen im Anschluss deskriptiv und interpretativ ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Mutterbildes und der Situation behinderter Frauen, eine Beschreibung der Lebensumstände Contergan-Geschädigter sowie den empirischen Teil, in dem die Interviews einzeln analysiert werden.
Wesentliche Begriffe sind Contergan, Mutterrolle, Behinderung, gesellschaftliche Diskriminierung, Leistungsdruck und die Auseinandersetzung mit dem Bild der "perfekten Mutter".
Die Mütter berichten von einem hohen Beweisdruck; sie fühlen sich oft genötigt, über ihre körperlichen Grenzen hinauszugehen, um der Außenwelt zu zeigen, dass sie ihre Rolle ebenso gut ausfüllen können wie nicht-behinderte Frauen.
Die Kinder fungieren für viele der befragten Frauen als Spiegel ihrer Erziehungserfolge; die Mütter setzen oft strengere Regeln und Grenzen, um Sicherheit und Ordnung trotz körperlicher Einschränkungen zu gewährleisten.
Das Fazit lautet, dass die betroffenen Frauen unter einem überdurchschnittlichen psychischen Druck stehen, dem Müttermythos gerecht zu werden, wobei sie jedoch im Laufe der Zeit individuelle Bewältigungswege finden und ihre Grenzen neu definieren.
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