Bachelorarbeit, 2006
83 Seiten, Note: 9/9
1. Das Apallische Syndrom
1.1. Ätiologie und Pathogene
1.2. Differentialdiagnostische Abgrenzung
1.3. Ursachen, Inzidenz, Prävalenz und Verlauf
1.4. Wahrnehmung im Wachkoma: Defektorientierte vs. Beziehungsmedizin
1.5 Patientenautonomie und Selbstbestimmungsrecht
2. Scores und Messinstrumente für physiotherapeutische Interventionen in der Neurologie
2.1 Bio-medizinische und Psycho-soziale Modelle
2.2 ICF- Behinderungs- und Beeinträchtigungsmodell der WHO
2.3 Rehabilitationsskalen in der Neurologie
2.4 Anwendbarkeit von Rehabilitationsskalen bei Apallikern in Phase F
2.5 Sensitivität der angewendeten Messinstrumente
2.6 Objektivierbarkeit von Therapieerfolgen
3. Die Rehabilitationskette in Deutschland
3.1 Neurologische Rehabilitations-Phasen A bis G
3.2 Schnittstelle intensiv Medizin und Frührehabilitation
3.3 Interdisziplinäres Arbeiten in Phase F
3.4 Eigene Erfahrungen mit Rehabilitationsskalen
3.5 Ergebnisse und Interpretationen
4. Diskussion
5. Konklusion
6. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht, inwiefern Menschen mit Apallischem Durchgangssyndrom in der Phase F durch den Einsatz neurologischer Verlaufsdokumentationen und Rehabilitationsskalen professioneller eingeschätzt werden können, um die therapeutische Zieldefinition in einem durch Kosten-Nutzen-Denken geprägten medizinischen Umfeld zu verbessern.
1.1 Ätiologie und Pathogene
In einer Abhandlung von Kretschmer aus dem Jahre 1940 wurde die Symptomatik des Apallischen Syndroms erstmals zusammenfassend dargestellt.
„Der Patient liegt wach da mit offenen Augen. Der Blick starrt geradeaus oder gleitet ohne Fixationspunkt verständnislos hin und her. Auch der Versuch, die Aufmerksamkeit hinzulenken, gelingt nicht oder höchstens spurweise. Ansprechen, Anfassen, Vorhalten von Gegenständen erweckt keinen sinnvollen Widerhall;….Im Gegensatz dazu kann das elementare Irradieren unverarbeiteter und ungebremster Außenreize außergewöhnlich gesteigert sein, so dass sensible Reize mit Zuckungen beantwortet werden können.“ (Kretschmer 1940 S. 577-578).
Über die psychischen Funktionen führt Kretschmer weiter aus:
„Trotz Wachsein ist der Patient unfähig zu sprechen, zu erkennen, sinnvolle Handlungsformen erlernter Art durchzuführen. Dagegen sind bestimmte vegetative Elementarfunktionen, wie etwa das Schlucken erhalten. Daneben treten die bekannten frühen Tiefenreflexe, wie Saugreflex, Greifreflex hervor.“ (Kretschmer 1949 S. 578).
1. Das Apallische Syndrom: Einführung in das klinische Bild, die Entstehungsgeschichte sowie die ethischen Dimensionen der Bewusstseinsstörung.
2. Scores und Messinstrumente für physiotherapeutische Interventionen in der Neurologie: Darstellung der theoretischen Modelle (Biomedizin vs. ICF) und Analyse gängiger neurologischer Skalen zur Verlaufsmessung.
3. Die Rehabilitationskette in Deutschland: Erläuterung der Rehabilitationsphasen A bis G sowie der spezifischen Herausforderungen und Arbeitsweisen in der Phase F.
4. Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit der Aussagekraft und den Grenzen von Rehabilitationsskalen in der Phase F sowie der Rolle interdisziplinärer Teams.
5. Konklusion: Zusammenführende Betrachtung der Forschungsergebnisse bezüglich einer empathischen und biopsychosozialen Patientenversorgung.
6. Zusammenfassung: Kurze Reprise des gesamten Inhalts der Arbeit von der Einleitung bis zur abschließenden Diskussion.
Apallisches Syndrom, Wachkoma, Neurologische Rehabilitation, ICF, Phase F, Glasgow Coma Scale, Koma-Remissions-Skala, Patientenautonomie, Biopsychosoziales Modell, Frührehabilitation, Interdisziplinäres Arbeiten, Outcome-Messung, Ethik, Selbstbestimmung, Physiotherapie.
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Verlaufsdokumentation bei Patienten mit Apallischem Syndrom in der Rehabilitationsphase F mithilfe standardisierter neurologischer Skalen.
Die zentralen Themen sind die Verbesserung der therapeutischen Zieldefinition, die Anwendung von Scores in der Neurorehabilitation sowie die ethischen Implikationen des "Austherapiert"-Seins in der Phase F.
Das Ziel ist es, den professionellen Wert neurologischer Dokumentationsmöglichkeiten für Menschen im Wachkoma zu hinterfragen und Wege für eine individuellere, am Patienten orientierte Förderung aufzuzeigen.
Der Autor führt eine Verlaufsstudie mit vier Patienten durch, dokumentiert diese über acht Wochen mit vier gängigen Komaskalen und wertet die Ergebnisse kritisch vor dem Hintergrund des aktuellen wissenschaftlichen Diskurses aus.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des Apallischen Syndroms, dem Vergleich zwischen biomedizinischen und biopsychosozialen Denkmodellen, der Vorstellung von Rehabilitationsskalen und der Analyse der Rehabilitationskette in Deutschland.
Wichtige Begriffe sind Apallisches Syndrom, Phase F, ICF, neurologische Skalen, Biopsychosoziales Modell und Patientenautonomie.
Da es keine spezifischen, validierten Skalen für das Apallische Syndrom gibt, müssen Skalen verwendet werden, die für andere Pathologien entwickelt wurden, was oft zu einer Untererfassung der tatsächlichen, minimalen Fortschritte führt.
Der Autor kritisiert diesen Status als ein rein defektmedizinisches Etikett und plädiert stattdessen für eine lebensbegleitende Förderung, da auch bei Langzeitpatienten basale Kompetenzen existieren und entwickelbar sind.
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