Bachelorarbeit, 2019
47 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Ausgangslage
1.2. Ziel der Arbeit
2. Grundlagen
2.1. Gesellschaftliche Transformationen im postmodernen Zeitalter
2.1.1. Sozio-ökonomische Dimension: Gewandelte Erwerbsarbeit
2.1.2. Sozio-kulturelle Dimension: Die Bedrohung der kulturellen Identität
2.1.3. Sozio-politische Dimension: Die „Krise politischer Repräsentation“
2.2. Der neue Rechtspopulismus
2.2.1. Die „Alternative für Deutschland“
2.2.2. Politisch-ideologische Einordnung der AfD
2.2.3. Wahlprogramm: Was sagt die AfD zur sozialen Frage?
3. Wissenschaftliche Debatte: Wer sind die Wähler*innen der AfD?
4. Analyse des AfD-Elektorats
4.1. Sozialstruktur und Einstellung
4.2. Weitere Forschungsergebnisse
4.3. Auswertung: Aus welchen (Des-)Integrationszonen der Arbeitsgesellschaft rekrutiert sich das Elektorat der AfD?
5. Fazit und Ausblick
Diese Arbeit untersucht, inwieweit die wachsende Zustimmung für die „Alternative für Deutschland“ (AfD) als Folge gesellschaftlicher Desintegrationsprozesse und zunehmender Prekarisierung der Erwerbsarbeit verstanden werden kann. Dabei wird analysiert, in welchen Zonen der Arbeitsgesellschaft nach Robert Castel sich das Elektorat der AfD verorten lässt und welche Rolle subjektive Verarbeitungsformen ökonomischer Unsicherheit sowie kulturelle Identitätsfragen spielen.
Subjektive Verarbeitung prekärer Beschäftigung
Diese expandierende Desintegration lässt sich vor allem mit der Betrachtung der subjektiven Verarbeitung der ökonomischen Situation begründen.
Als prekär lässt sich ein Arbeitsverhältnis nämlich auch dann bezeichnen, wenn es zusätzlich zum atypischen Charakter „subjektiv mit Sinnverlusten, Anerkennungsdefiziten und Planungsunsicherheiten [...] verbunden ist“ (Brinkmann et al. 2006, S. 17). Diese Erfahrungen speisen sich aus der sogenannten „Re-Kommodifizierung des Arbeitsvermögens“ (Dörre 2009, S. 292), aufgrund derer Lohnarbeit ihre integrationsstiftende Funktion zunehmend einbüßt und sich das Band, welches soziale Sicherheit und Lohnarbeit einst verknüpfte, zu lösen scheint (vgl. ebd.).
Dörre et al. haben anhand der Ergebnisse ihrer Studie fünf subjektive Verarbeitungsformen prekärer Beschäftigung formuliert, welche sich im Zuge der Befragung von Arbeiter*innen herauskristallisiert haben (vgl. Dörre et al. 2006).
Die „sinnhaft-subjektbezogene Dimension“ beschreibt die Wichtigkeit der Identifikation mit der auszuführenden Tätigkeit. So können einfache, monotone Tätigkeiten, sowie die Unsicherheit in Bezug auf die Dauer des Arbeitsverhältnisses den Beschäftigten zusetzen. Aufgrund einer fachlichen Qualifikation wird ein gewisser Anspruch an die Tätigkeit gestellt. Es sollen Würde, Stolz und das Selbstwertgefühl bewahrt werden und ein gewisses Maß an Sinnproduktion garantiert sein. Ein befristeter Leiharbeitsvertrag beispielsweise genügt diesen Ansprüchen nicht (vgl. Dörre 2005, S. 190 f.).
Die „sozialkommunikative Dimension“ beleuchtet die Schattenseiten der innerbetrieblichen positiv anmutenden Integration von Leiharbeitern in die Stammbelegschaft. Wird die Integration zwar überwiegend positiv wahrgenommen, so liegt genau in dieser positiven Integration eine umso höhere Fallhöhe beim Wechsel der Abteilung oder des Betriebs. So muss Anerkennung in Bezug auf fachliche und soziale Kompetenz stets von neuem erworben werden. Hinzu kommt die geringe Wertschätzung von Seiten der Stammbelegschaft. Im Extremfall kann es aufgrund einer großen Entfernung zwischen Arbeitsplatz und Familie, Freunden oder Vereinen zu einer starken Beeinträchtigung des Sozial- und Freizeitlebens kommen (vgl. ebd., S. 191 f.).
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, der Relevanz des „Phänomens AfD“ und der zentralen Forschungsfrage im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen.
2. Grundlagen: Erläuterung der sozio-ökonomischen, kulturellen und politischen Transformationen sowie Einordnung des neuen Rechtspopulismus und der AfD.
3. Wissenschaftliche Debatte: Wer sind die Wähler*innen der AfD?: Diskussion der Kontroversen in der Forschung zur Modernisierungsverliererthese und zu den Merkmalen der AfD-Wählerschaft.
4. Analyse des AfD-Elektorats: Empirische Untersuchung sozialstruktureller Daten und Verortung der Wählerschaft in den (Des-)Integrationszonen.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Forschungsergebnisse sowie kritische Reflexion und Ausblick auf zukünftige Untersuchungsansätze.
Alternative für Deutschland, AfD, Rechtspopulismus, Prekarisierung, Erwerbsarbeit, (Des-)Integrationszonen, Gesellschaftlicher Wandel, Soziale Desintegration, Moderne Arbeitswelt, Wahlmotive, Modernisierungsverlierer, Politische Repräsentation, Soziale Frage, Soziologie, Wähleranalyse.
Die Arbeit untersucht die Hintergründe für den Erfolg der AfD in Deutschland und analysiert, inwieweit prekäre Lebens- und Arbeitsverhältnisse zu einer Hinwendung zum Rechtspopulismus führen.
Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen von Modernisierungs- und Globalisierungsprozessen, die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses sowie die kulturellen und politischen Identitätskrisen in der Gesellschaft.
Das Ziel ist es, das Elektorat der AfD mithilfe des Modells der (Des-)Integrationszonen nach Robert Castel zu verorten und die kausalen Zusammenhänge zwischen Prekarisierung und Wahlverhalten zu prüfen.
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Analyse, die auf der Auswertung aktueller wissenschaftlicher Studien, Wahlstatistiken von Instituten wie infratest dimap und der inhaltsanalytischen Betrachtung des AfD-Grundsatzprogramms basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Diskussion der aktuellen wissenschaftlichen Debatte sowie eine eigene empirische Analyse des AfD-Elektorats anhand sozialstruktureller Daten und Meinungsbilder.
Zentrale Begriffe sind Prekarisierung, Rechtspopulismus, (Des-)Integrationszonen, Modernisierungsverlierer, soziale Desintegration und die „Krise politischer Repräsentation“.
Das Modell ermöglicht es, nicht nur die objektiven ökonomischen Daten zu betrachten, sondern auch die subjektive Verarbeitung von Unsicherheit und das Gefühl der Abkopplung von der Arbeitsgesellschaft, was eine wichtige Triebfeder für rechtspopulistische Einstellungen darstellt.
Die Arbeit bestätigt weitgehend, dass sich das Elektorat vornehmlich aus der „Zone der Entkopplung“ und der „Zone der Prekarität“ rekrutiert, betont jedoch, dass auch in der „Zone der Integration“ aufgrund krisenhafter Transformationen eine erhöhte Anfälligkeit für die AfD besteht.
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