Masterarbeit, 2019
179 Seiten, Note: 1,0
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
Zusammenfassung
1 Einleitung
2 Suizidalität
2.1 Definitionen suizidalen Verhaltens
2.2 Epidemiologie, Risikofaktoren und protektive Faktoren
2.3 Modelle zur Suizidalität
2.3.1 Die Todestriebtheorie nach Freud
2.3.2 Das Melancholiemodell nach Freud und Abraham
2.3.3 Die Objektbeziehungstheorie nach Kind
2.3.4 Das Krisenmodell
2.3.5 Das Präsuizidale Syndrom nach Ringel
2.3.6 Der Suizidwürfel
2.3.7 Das interpersonale Suizidmodell
2.4 Weibliche Suizidalität
3 Abweichende Lebenskontexte bei Migrierten
3.1 Kultur
3.1.1 Die Theorie der Kulturdimensionen nach Hofstede
3.1.2 Bikulturalität
3.2 Migration
3.2.1 Türkische Migrierte erster Generation
3.2.2 Türkische Migrierte zweiter Generation
3.2.3 Religion
3.2.3.1 Der Islam im historischen Kontext
3.2.3.2 Das integralistische Verständnis des Islams
3.2.3.3 Die Rolle der Frau
3.2.3.4 Religion in der Migration
3.2.4 Erziehungsstil & Familiendynamik
3.2.5 Schule
3.2.6 Diskriminierung
3.2.7 Migrationsspezifische Risikofaktoren psychischer Erkrankungen
4 Identität
4.1 Identitätsbildung und -konstruktion
4.2 Kulturelle Identität
4.3 Identität & Migration
5 Empirischer Teil
5.1 Methode
5.1.1 Rekrutierung & Stichprobe
5.1.2 Material
5.1.3 Versuchsaufbau und -durchführung
5.2 Auswertung & Ergebnisse
5.2.1 Frau G. – „Klassenfahrt, da war ich so frei.“
5.2.2 Frau K. – „Ich war so verloren“
6 Fazit
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Suizidalität türkischer Migrantinnen zweiter Generation und den Konflikten, die durch das Aufwachsen in zwei verschiedenen kulturellen Kontexten entstehen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie kulturspezifische Faktoren und abweichende Lebensumstände die Identitätsbildung beeinflussen und damit als zusätzlicher Risikofaktor für suizidale Krisen wirken können.
2.3.3 Die Objektbeziehungstheorie nach Kind
Die objektbeziehungstheoretische Perspektive der Suizidalität wurde von Kind (1992) postuliert. Laut Kind ist Suizidalität „nicht lediglich als Zeichen einer seelischen Dekompensation aufzufassen, sondern darüber hinaus als eine psychische Funktion. Diese wird als ultima ratio dann eingesetzt, wenn intrapsychische oder interpersonelle Krisen auf eine andere Weise nicht mehr handhabbar scheinen. Suizidalität wird von mir daher nicht als etwas Pathologisches per se betrachtet, sondern als Kürzel für einen komplexen psychischen Reorganisationsvorgang, welcher auf einen gestörten Umgang mit den inneren Objekten und Selbstimages hinweist, den bewußten und unbewußten Bildern, die wir von uns und von anderen Menschen haben. Suizidalität ist mehr als ein Indiz für unintegrierte Aggressivität. Sie hat, wie jedes andere Symptom auch, eine regulierende Funktion und, so merkwürdig es zunächst klingen mag, unter Umständen auch eine stabilisierende Funktion.“ (Kind, 1992, S. 13)
Im Gegensatz zu Freuds Theorien spielt in der Objektbeziehungstheorie besonders der beziehungserhaltende Aspekt der Suizidalität eine zentrale Rolle (Benecke, 2014). Hier liegen meist der Suche nach einem liebenden, fürsorglichen Objekt frühkindliche traumatische Erfahrungen zu Grunde (Gerisch, 2012). Kinds Modell zur Suizidalität ordnet den jeweiligen frühkindlichen Entwicklungsstadien charakteristische Funktionen von Suizidalität zu. Er differenziert zwischen den Übergangsbereichen I und II.
Der Übergangsbereich I beschreibt Suizidalität zwischen einer präpsychotischen Entwicklungsphase und einem Borderline-Funktionsniveau.
Zusammenfassung: Die Arbeit beleuchtet den Zusammenhang zwischen der Suizidalität türkischer Migrantinnen zweiter Generation, ihrem Aufwachsen in zwei kulturellen Kontexten und Identitätskonflikten.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Migrationsgeschichte und die besondere Relevanz der psychischen Versorgung sowie der erhöhten Suizidraten bei türkischen Migrantinnen in Deutschland ein.
2 Suizidalität: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Definitionen suizidalen Verhaltens, Epidemiologie und verschiedene psychologische Modelle zur Suizidalität, inklusive einer speziellen Betrachtung weiblicher Suizidalität.
3 Abweichende Lebenskontexte bei Migrierten: Es werden kulturelle und migrationsspezifische Einflüsse analysiert, darunter die Theorie der Kulturdimensionen, Religion, Erziehungsstile und Diskriminierungserfahrungen.
4 Identität: Dieses Kapitel diskutiert verschiedene Identitätstheorien und deren Anwendung auf Prozesse der kulturellen Identität sowie die Herausforderungen bei der Migration.
5 Empirischer Teil: Der empirische Teil präsentiert zwei qualitative Interviews mit türkischen Migrantinnen zweiter Generation, die tiefenhermeneutisch ausgewertet werden.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, die darauf hindeuten, dass der Misserfolg der Integration zwischen zwei Kulturen ein signifikanter Risikofaktor für Suizidalität darstellt.
Suizidalität, türkische Migrantinnen, Identitätsbildung, Migration, kulturelle Identität, Bikulturalität, Akkulturation, tiefenhermeneutische Interviews, psychische Gesundheit, Integrationsprozesse, Kulturdimensionen, Islam, Geschlechterrollen, Adoleszenz, Traumata.
Die Arbeit untersucht, warum türkische Migrantinnen zweiter Generation in Deutschland ein erhöhtes Risiko für Suizidalität aufweisen und welche Rolle dabei ihr Aufwachsen in zwei kulturellen Kontexten spielt.
Die Arbeit verknüpft Theorien zur Suizidalität mit soziologischen und psychologischen Konzepten zu Kultur, Identität, Migration, Religion und dem spezifischen Erziehungsstil in türkischen Familien.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Konflikte in der Identitätsbildung – bedingt durch den Kontakt zu zwei Kulturen – bei dieser Zielgruppe als zusätzlicher Risikofaktor für suizidale Krisen wirken können.
Die Autoren nutzen einen theoretischen Teil zur Fundierung und einen empirischen Teil, in dem zwei qualitative Interviews mit betroffenen Migrantinnen durchgeführt und tiefenhermeneutisch ausgewertet werden.
Der Hauptteil analysiert zum einen die theoretischen Erklärungsmodelle für Suizidalität und Weiblichkeit und stellt zum anderen detailliert die Lebensumstände, Identitätskonstruktionen und Akkulturationsstrategien von türkischen Migrantinnen in Deutschland dar.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Suizidalität, Bikulturalität, Identitätsdiffusion, kulturelle Zwischenwelt und Akkulturation definiert.
Die zweite Generation wächst bereits in Deutschland auf, ist jedoch durch das Elternhaus und dessen traditionelle Normen sowie die Erwartungen der Mehrheitsgesellschaft einem ständigen, oft belastenden Spannungsfeld ausgesetzt, das die Identitätsbildung erschwert.
Die kulturelle Zwischenwelt beschreibt einen Zustand, in dem sich Migrierte bewegen, wenn sie keine Balance zwischen den Eigenschaften der Herkunfts- und Aufnahmekultur finden können, was häufig mit Stress und Identitätsproblemen einhergeht.
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