Diplomarbeit, 2004
124 Seiten, Note: 2,0
EINLEITUNG
1. MIGRATION UND KRANKHEIT – THEORETISCHE ASPEKTE
1.1 Migration
1.2 Migranten
1.3 Gesundheit
1.4 Krankheit
1.4.1 Krankheit und Kultur
1.4.2 Krankheit und soziale Lage
1.4.3 Bedeutung von Krankheit in der Gesellschaft
1.5 Subjektive Krankheitstheorien
1.6 Ursachenvorstellungen bezüglich Krankheit
2. MIGRATION – EIN PATHOGENER FAKTOR?
2.1 Stand der Forschung
2.2 Medizin-soziologische Theorien
2.2.1 Selektionshypothese
2.2.2 Kulturschocktheorie
2.2.3 Akkulturationstheorie
2.2.4 Weitere medizin-soziologische Theorien
2.3 Fazit aus Kapitel 1 und 2
3. DIE TÜRKEI
3.1 Türkisch–deutsche Migration
3.1.1 Phasen der Arbeitsmigration
3.2 Soziale Lage türkischer Migranten in Deutschland
3.2.1 Bildungssituation
3.2.2 Arbeitssituation
3.2.3 Sprachsituation
3.2.4 Wohnsituation
3.2.5 Gesundheitliche Situation
3.3 Die drei Generationen
3.4 Fazit
4. GESUNDHEIT UND KRANKHEIT IN DER TÜRKEI
4.1 Formeller und informeller Sektor
4.2 Bedeutung von Krankheit
4.3 Aspekte traditioneller türkischer Krankheitsvorstellungen
4.3.1 ‚Nazar’- der böse Blick
4.3.2 ‚Cinler’- böse Geister
4.3.3 ‚Büyü’- schwarze Magie
4.3.4 Heilerpersönlichkeiten
4.3.4.1 ‚Hoca’- der Korankundige
4.3.5 Die Bedeutung von Blut
4.3.6 Die Bedeutung von Medikamenten
4.4 Fazit
5. INTERKULTURELLE IRRITATIONEN BEIM ARZT
6. DIE SPRACHBARRIERE
6.1 Folgen der Sprachbarriere
6.2 Folgen für die compliance
6.3 Dolmetschen in der ärztlichen Praxis
6.4 Fazit
7. KULTURELLE MISSVERSTÄNDNISSE
7.1 Unterschiedliche Krankheitsverständnisse im Sprechstundengespräch
7.1.2 Folgen unterschiedlicher Krankheitsverständnisse
7.1.3 Folgen für die compliance
7.2 Die Symptompräsentation
7.2.1 Irritationen im Bereich Symptompräsentation
7.3 Psychische Krankheiten
7.4 Kommunikation im Arzt-Patientengespräch
7.5 Erwartungen an den Arzt
7.5.1 Einverständnis im Missverständnis
7.6 Fazit
8. IRRITATIONEN AUFGRUND DER SOZIALEN LAGE
8.1 Das Arzt-Patientengespräch in Bezug zur sozialen Lage
8.2 Fazit
9. ERGEBNISSE
9.1 Folgen der Problemebenen
9.2 Gesamtfazit
9.3 Lösungswege
10. SPEZIFISCHE VERSORGUNGSANGEBOTE: DAS GESUNDHEITSZENTRUM FÜR MIGRANT/INN/EN IN KÖLN
Die Arbeit untersucht die Ursachen interkultureller Irritationen in der Arzt-Patienten-Beziehung zwischen deutschen Ärzten und türkischen Patienten. Ziel ist es, die spezifischen Bedürfnisse dieser Patientengruppe zu identifizieren, um durch besseres Verständnis und kultursensible Kommunikation die medizinische Versorgung zu optimieren.
4.3.1 ‚Nazar’- der böse Blick
Der böse Blick, in der Türkei ‚nazar’ genannt, ist in vielen europäischen, asiatischen, afrikanischen, zum Teil auch (süd-)amerikanischen Kulturen seit Jahrtausenden bekannt. In allen Schichten ist er in mehr oder weniger starker Intensität zu finden. In einem der ersten Berichte über ‚nazar’, schreibt STERN im Jahre 1903, dass ‚nazar’ insbesondere in ländlichen und sozial schlechter gestellten Regionen der Türkei häufig zu finden, die Verbreitung abhängig von Bildungsstand und Urbanisation sei.
Getroffen vom bösen Blick wird ein Mensch insbesondere dann, wenn ihm ein anderer neidisch, eifersüchtig oder auch übermäßig bewundernd gegenüber tritt. Der Neid bezieht sich zumeist auf die äußere Schönheit oder auf materiellen Erfolg. Besonders Fremde und Menschen mit blauen Augen und hellem Haar stehen im Verdacht, durch ‚nazar’ Schaden zufügen zu können. Der Grund hierfür ist sicherlich, dass blauäugige und blonde Menschen eher nicht dem türkischen Volk zugehörig und somit als Fremde leicht zu identifizieren sind.
‚Nazar’ wird für verschiedenste Probleme und Krankheiten verantwortlich gemacht: für Probleme in Liebes- und sozialen Beziehungen, für Kopfschmerzen, Erkältungen, Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsschwierigkeiten, aber auch für schwerere Erkrankungen, Unfälle und Tod.
1. MIGRATION UND KRANKHEIT – THEORETISCHE ASPEKTE: Dieses Kapitel legt die begriffliche Basis, indem es Migration, Migranten, Gesundheit und Krankheit definiert und den Einfluss soziokultureller Faktoren auf das Krankheitserleben beleuchtet.
2. MIGRATION – EIN PATHOGENER FAKTOR?: Hier werden medizin-soziologische Theorien diskutiert, die den Zusammenhang zwischen Migrationserfahrungen und Gesundheitsbelastungen sowie gesundheitsfördernden Faktoren untersuchen.
3. DIE TÜRKEI: Das Kapitel liefert Hintergrundwissen zur türkisch-deutschen Migrationsgeschichte und analysiert die soziale Lebenssituation türkischer Migranten in Deutschland.
4. GESUNDHEIT UND KRANKHEIT IN DER TÜRKEI: Es beschreibt das türkische Gesundheitssystem sowie traditionelle Krankheitsvorstellungen und die Rolle von Heilern und magischen Konzepten.
5. INTERKULTURELLE IRRITATIONEN BEIM ARZT: Einleitendes Kapitel, das anhand von Praxisbeispielen die Diskrepanz zwischen Erwartungen von Arzt und Patient verdeutlicht.
6. DIE SPRACHBARRIERE: Fokus auf die Folgen mangelnder Sprachkenntnisse für die Kommunikation, die Compliance und die therapeutische Sicherheit.
7. KULTURELLE MISSVERSTÄNDNISSE: Analyse unterschiedlicher Krankheitskonzepte, Symptompräsentationen und der Auswirkungen auf die Arzt-Patienten-Interaktion.
8. IRRITATIONEN AUFGRUND DER SOZIALEN LAGE: Untersuchung, wie der soziale Status die Qualität des ärztlichen Gesprächs beeinflusst.
9. ERGEBNISSE: Zusammenführung der Erkenntnisse zu einem Gesamtfazit, das die Notwendigkeit ganzheitlicher, kultursensibler Ansätze unterstreicht.
10. SPEZIFISCHE VERSORGUNGSANGEBOTE: DAS GESUNDHEITSZENTRUM FÜR MIGRANT/INN/EN IN KÖLN: Vorstellung eines Praxismodells zur verbesserten Versorgung.
Migration, türkische Migranten, interkulturelle Kommunikation, Gesundheit, Krankheit, Krankheitsverständnis, soziale Lage, Arzt-Patienten-Beziehung, Sprachbarriere, Akkulturation, Compliance, traditionelle Heilkunde, Gesundheitsversorgung, interkulturelle Öffnung, psychosomatische Beschwerden.
Die Arbeit analysiert die interkulturellen Herausforderungen und Irritationen, die in der medizinischen Versorgung türkischer Migranten durch deutsche Ärzte entstehen.
Die zentralen Felder umfassen die Auswirkungen der Migration auf die Gesundheit, kulturell bedingte unterschiedliche Krankheitsvorstellungen, soziale Disparitäten sowie die Schwierigkeiten in der Kommunikation zwischen Arzt und Patient.
Die Forschungsfrage lautet: Haben Migranten besondere Bedürfnisse in der medizinischen Behandlung, die beachtet werden sollten, und worin begründen sich diese?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgreifenden Literaturrecherche und -analyse, um die verschiedenen Problem- und Theorieebenen zu erfassen.
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Ansätze (Soziologie, Medizinsoziologie) als auch die spezifische Migrationsgeschichte und traditionelle Krankheitsbilder der türkischen Bevölkerung analysiert und mit dem deutschen Gesundheitssystem kontrastiert.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Migration, interkulturelle Kommunikation, Krankheitsverständnis, soziale Lage, Compliance und Gesundheitsversorgung definiert.
Es handelt sich um eine Situation, in der sowohl Arzt als auch Patient das Ziel der Heilung verfolgen, aber unterschiedliche Erwartungen und Vorstellungen haben, was zu einer rein symptomorientierten Behandlung führt, anstatt die eigentlichen Ursachen (z. B. psychosoziale Probleme) zu adressieren.
Der Hoca fungiert als vertraute Autoritätsperson, die bei psychischen oder unklaren Problemen aufgesucht wird, da das traditionelle Krankheitsverständnis häufig exogene (äußere) Ursachen für Beschwerden sieht.
Die soziale Lage beeinflusst das Gesundheitsverhalten und den Zugang zum Gesundheitssystem. Die Arbeit argumentiert, dass eine niedrige soziale Lage oft mit Bildungslücken und Kommunikationsbarrieren einhergeht, die den therapeutischen Erfolg mindern können.
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