Bachelorarbeit, 2018
99 Seiten, Note: 1,65
1 Einleitung
2 Theoretischer und empirischer Hintergrund
2.1 Prostitution und Sexarbeit
2.2 Konzepte über „Den Freier“
2.3 Das Machtungleichgewicht zwischen den Geschlechtern
2.3.1 Geschlecht als Identitätskategorie
2.3.2 Männliche und weibliche Sexualität
2.3.3 Geschlechtergerechtigkeit
2.4 Beratungskonzepte für Kunden
2.4.1 „John Schools“ in den Vereinigten Staaten
2.4.2 Prostitutionsverbot durch Freierbestrafung
2.4.3 Deutschlands Freierarbeit
3 Methodische Herangehensweise
3.1 Forschungsinteresse
3.2 Sampling
3.3 Leitfadeninterview
3.4 Transkription
3.5 Der reziproke Einfluss von Interviewerin und Interviewten
3.6 Qualitative Evaluation
4 Ergebnisse
4.1 Soziokultureller Hintergrund
4.2 Erfahrung mit dem Feld Prostitution
4.3 Präsenz in der Öffentlichkeit
4.4 Definitionen von Prostituierten und Freier
4.5 Annahmen über Prostitution
5 Schlussfolgerung
6 Ausblick
Diese Bachelorarbeit untersucht explorativ die Perspektive männlicher Kunden auf Prostitution, um ein tieferes Verständnis für deren Motive, Wissensstände und moralische Selbstverortung zu gewinnen, mit dem übergeordneten Ziel, Ansatzpunkte für präventive Freierarbeit und die Soziale Arbeit zu identifizieren.
2.1 Prostitution und Sexarbeit
P. leitet sich vom griechischen Wort „prostituere“ ab, welches so viel bedeutet wie „sich zur Schau stellen, öffentlich anbieten“. Seit jeher bezeichnet dieser Begriff ein Feld, dessen Kern sich um das Tauschgeschäft Sex/sexuelles Kapital gegen Geld/monetäres Kapital dreht. Das Angebot der sexuellen Praktiken erfolgt hauptsächlich von Frauen, während überwiegend Männer dieses in Anspruch nehmen. Nach der deutschen Gesetzgebung ist Prostitution legal und wird durch das ProstG 2002 und das ProstSchG 2017 geregelt. Weiterhin differenziert sich die Art der Ausübung in Straßen-, Wohnungs- und Bordellprostitution. Es gibt Clubs und Massagesalons, Haus- und Hotelbesuche, sowie Escort Services. Pornographie ist ebenfalls ein Teilbereich. Menschenhandel, Zuhälterei, Zwangsprostitution sind Begriffe, die sich in diesem Diskurs immer wieder abzeichnen und die eine Unterteilung der Prostitution gemessen an ihrer Freiwilligkeit und ihren Abhängigkeiten mit sich brachte.
Dahingegen ist der Terminus „Sexarbeit“ ein recht neuer und entstammt - angelehnt an die Haushaltsdebatte - der politischen Arbeiterperspektive aus den 70er Jahren. In dieser ging es um die damalige Rollenverteilung, in der Frau die Rolle als Hausfrau, Pflegerin und Erzieherin zugeschrieben wurde. Die Frauen kämpften um die Anerkennung ihrer Arbeit als gleichwertige Arbeit der des Mannes. Da viele Frauen sich nicht als in der „sex use industry“ Arbeitende bloßstellen wollten, führte die Prostituierte Carol Leigh schließlich den Begriff des „Sexwork“ ein. Hier sei angemerkt, dass im Diskurs meist von Frauen als Prostituierten die Rede ist, weitere sexuelle Geschlechterrollen sind eher als Minderheiten vertreten und finden daher wenig Erwähnung. Die Übernahme des Begriffes erfolgte in Deutschland erst in den letzten Jahren und findet vor allem Verwendung im politischen Diskurs. Kennzeichnend für die Sexarbeiter*innen ist ihre Selbstbestimmtheit und Freiwilligkeit.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die politische und moralische Umstrittenheit der Prostitution und begründet das wissenschaftliche Interesse an der bisher vernachlässigten Perspektive der Freier.
2 Theoretischer und empirischer Hintergrund: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Stand der Forschung zu Prostitution, Freiertypen, geschlechtsspezifischen Machtstrukturen sowie internationalen und nationalen Beratungskonzepten.
3 Methodische Herangehensweise: Die Autorin legt ihr Forschungsdesign dar, welches auf qualitativen Leitfadeninterviews mit Freiern basiert, und erläutert die Kriterien der Sampling-Strategie, Transkription und Auswertung.
4 Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren die Analyse der Interviews bezüglich des soziokulturellen Hintergrunds der Freier, ihrer Erfahrungen, ihrer Sichtbarkeit sowie ihrer Definitionen von Prostituierten und Freiern.
5 Schlussfolgerung: Die Arbeit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und diskutiert die Bedeutung für die Soziale Arbeit sowie Möglichkeiten zur wirksameren Präventions- und Beratungsarbeit.
6 Ausblick: Der Ausblick formuliert Empfehlungen zur Professionalisierung und Entstigmatisierung im Prostitutionskontext und identifiziert weiteren Forschungsbedarf.
Prostitution, Sexarbeit, Freier, Männlichkeit, Geschlechtergerechtigkeit, Patriachat, Qualitative Sozialforschung, Leitfadeninterview, John Schools, Prävention, Soziale Arbeit, Stigmatisierung, Sexkauf, Machtverhältnisse, Gender Studies.
Die Arbeit befasst sich mit dem männlichen Blick auf Prostitution. Ziel ist es, die Sichtweisen, Motive und das Wissen von Männern, die sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen, empirisch zu erforschen.
Zentrale Themen sind die Typologie von Freiern, die soziokulturelle Einbettung von Prostitution, Machtungleichgewichte zwischen den Geschlechtern sowie der Vergleich von Regulierungsansätzen in verschiedenen Ländern.
Das Ziel ist es, aus der Perspektive der Kunden neue Ansatzpunkte für den Diskurs zu gewinnen und zu prüfen, inwiefern Freier als bisher vernachlässigte Zielgruppe der Sozialen Arbeit fungieren können.
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt. Die Datenbasis bilden vier leitfadenorientierte Telefoninterviews mit Männern, die Erfahrungen im Bereich der Prostitution haben.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Forschungsstandes zu Freiern und Geschlechtergerechtigkeit, eine detaillierte methodische Erläuterung sowie die Darstellung und Analyse der empirischen Ergebnisse.
Neben Begriffen wie Prostitution, Sexarbeit und Freier sind Geschlechtergerechtigkeit, Patriachat, Stigmatisierung und Prävention prägend für die Argumentationsstruktur.
Die Arbeit lehnt sich an die "Jedermann-Hypothese" an und stellt fest, dass sich die befragten Freier soziodemographisch kaum von der männlichen Gesamtbevölkerung unterscheiden, jedoch unterschiedliche Motive und Typisierungen aufweisen.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass höher gebildete Probanden eher über ein kritisches Verständnis und Hintergrundwissen verfügen, während andere Freier weniger reflektiert mit den Strukturen der Branche umgehen.
Die Kenntnisse über Gesetze wie das ProstG oder ProstSchG variierten stark; die Befragten äußerten sich skeptisch gegenüber einer Illegalisierung, da sie dies als kontraproduktiv für den Schutz der Frauen und als Grund für eine Zunahme von Kriminalität ansahen.
Basierend auf der Literaturanalyse und den Interviews wird Prostitution als Ausdruck einer gesellschaftlichen Ordnung verstanden, in der Männer über den Körper von Frauen verfügen und die das Machtungleichgewicht zwischen den Geschlechtern reproduziert.
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