Diplomarbeit, 2005
119 Seiten, Note: Sehr Gut
1 Kulturphilosophische Standortbestimmungen
1.1 Die Kunst der Kultur
1.1.1 Kulturbegriff, gesellschaftliche Kommunikation und symbolische Ordnung
1.1.2 Bildende Kunst und ihr Standort im Kulturgefüge
1.1.3 Situation der Gegenwartskunst im Zeitalter der Postmoderne
1.2 Der moderne Kunstbegriff und seine Problematik
1.2.1 Die kunstbegriffliche Problematik
1.2.2 Exkurs: Die Kommentarbedürftigkeit moderner Kunst
1.2.3 Das Problem der Interpretation des Emotionalen
1.2.4 Der Kommunikationsbegriff in Hinblick auf das Phänomen des modernen Kunstbegriffs
2 Der Künstler
2.1 Der Künstler im gesellschaftlichen Kontext
2.2 Der Künstler im medienspezifischen Kontext
2.2.1 Mißverständnisse im Kommunikationsprozess
2.2.2 Der mediengerechte Künstler
3 Der Kritiker
3.1 Der Kunstkritiker als Instanz
3.1.1 Modelle
3.2 Der Kunstkritiker als Journalist
3.2.1 Der Kunstkritiker als Multirollenspieler
4 Die Kritik
4.1 Kunstkritik im historischen Kontext
4.1.1 Kunstgeschichte vs. Kunsttheorie vs. Kunstkritik
4.1.2 Entstehung der Kunstkritik
4.1.3 Probleme der Kunstkritik heute
4.2 Kunstkritik im kommunikativen Kontext
4.2.1 Kunstkritik als Kommunikationsprozess
4.2.2 Werturteile in der Kunstkritik
4.3 Kunstkritik im massenmedialen Kontext
4.3.1 Fernsehen als Träger von Kunstkritik
4.3.2 Printmedien als Träger von Kunstkritik
5 Empirische Untersuchungen
5.1 Methodologische Überlegungen
5.1.1 Meinungen der Experten (Problemzentriertes Interview)
5.1.2 Vorgangsweise und Selektion
5.2 Diskurstheoretische Auswertung
5.2.1. Beschreibung der Interviewsituation
5.2.2 Gliederung der Sinnabschnitte
5.2.3 Weitere thematisierte Begriffe
5.2.4 Charakterisierung der „Künstler“/ Eigenschaften
5.2.5 Charakterisierung der „Kritiker“/ Eigenschaften
5.2.6 Narrative Strukturen
5.2.7 Schlussfolgerungen
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen Kunst und Kunstkritik sowie deren gegenseitige Beeinflussung. Das primäre Ziel ist es, die Kausalität dieser Beeinflussung zu ergründen und die Rolle der Kunstkritik im Kontext der modernen Massengesellschaft und Medienwelt zu analysieren.
1.1.2 Bildende Kunst und ihr Standort im Kulturgefüge
„(…) denn es läßt sich eine stetige Aufwärtsentwicklung des kulturellen Niveaus der Gesellschaft insgesamt feststellen, die sich mit großer Wahrscheinlichkeit fortsetzten wird. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass mit jedem Fortschritt dieser Art gleichzeitig jener Bevölkerungsanteil zunimmt, der wirklich Zugang zur Kultur bekommt, und dass parallel dazu jene weit größere Schicht anwächst, die das Niveau einer so genannten Pseudokultur erreicht, das immerhin eine Art Antichambre zur wahren Kultur ist“ (Goldmann 1973: 20)
In seinem Buch „Kultur in der Mediengesellschaft“ erkennt Lucien Goldmann die Notwendigkeit, den Gesamtzustand der Gesellschaft, in deren Rahmen ein Kunstwerk entsteht, miteinzubeziehen um die Entstehung, Bedeutung und Wirkung eines Kunstwerkes, insbesondere in der Bildenden Kunst, untersuchen zu können. Auf der einen Seite steht für ihn eine Art Status Quo als Grundlage für ein intellektuelles und ästhetisches Regelsystem, das von in einer Gesellschaft miteinander korrelierenden Kräften bestimmt wird. Vor diesem Hintergrund trifft der Künstler als symbolisch handelnder Mensch eine Selektion von Reizen, die ihm der Kulturzustand entgegenbringt. So generiert der Gesellschaftszustand selbst ästhetische Erregungen, welche Handlungen im Sinne von Auseinandersetzungen mit der Kulturumwelt hervorbringen. Diese ästhetischen Gefühle erhalten einen sozial bedeutsamen Charakter, sei es nun in Bezug auf das Individuum, das Kollektiv oder die gesamte Gesellschaft.
Dies war jedoch nicht schon immer der Fall. Noch vor dem 20. Jahrhundert hat die Gesellschaft gewisse Kulturnormen produziert und vorgegeben, nach welchen sich die Künstler richteten und teils auch zu richten hatten. Seit dem Aufkeimen des Expressionismus gilt jedoch ein umgekehrtes Verhältnis; die kulturelle Stimmungslage ist nicht mehr der Indikator für das Maß der künstlerischen Anpassung, sondern das genaue Gegenteil (Read 1957: 90). Für die verschiedenen Strömungen der Moderne gilt, dass jene Antinomien, die sie den latenten „Geschmacks-Postulaten“ entgegensetzten, Indikatoren für die Funktionsverflechtung zwischen Gesellschaft und Kunst sind. Diese Wechselwirkungen laufen auf kommunikativen Bahnen. Sie können als gesellschaftliche Kritik im Raum stehen, können aber auf die Gesellschaft wirken, in ihr Zustimmung oder Ablehnung erzeugen.
1 Kulturphilosophische Standortbestimmungen: Dieses Kapitel definiert Kultur und Kunst in ihrem gesellschaftlichen Kontext, beleuchtet das Problem des modernen Kunstbegriffs und die zunehmende Kommentarbedürftigkeit von Kunst.
2 Der Künstler: Der Fokus liegt auf dem Künstler im gesellschaftlichen und medienspezifischen Kontext, wobei Themen wie Identitätssuche, Selbstinszenierung und der Umgang mit Medien thematisiert werden.
3 Der Kritiker: Das Kapitel analysiert die Rolle des Kritikers als Instanz und Journalist, inklusive einer Untersuchung verschiedener Netzwerk-Modelle und der Problematik des „Multirollenspielers“.
4 Die Kritik: Hier werden die historische Entstehung der Kunstkritik, ihre Abgrenzung zu Kunstgeschichte und -theorie sowie ihre Rolle im massenmedialen Kontext (TV/Print) kritisch hinterfragt.
5 Empirische Untersuchungen: Dieser Teil beschreibt die methodologische Vorgangsweise der Experteninterviews und wertet die gewonnenen Erkenntnisse diskursanalytisch aus, um Schlussfolgerungen zur Kausalität zwischen Kritik und Kunstproduktion zu ziehen.
Kunstkritik, Kulturphilosophie, Kunstsoziologie, Diskursanalyse, Künstlerrolle, Medienkommunikation, Gatekeeper, Postmoderne, Trans-Avantgarde, ästhetische Kompetenz, Kommentarbedürftigkeit, Problemzentriertes Interview, Multirollenspieler, Kunstmarkt, Rezeption
Die Diplomarbeit untersucht die wechselseitige Beeinflussung zwischen Kunst und Kunstkritik, insbesondere wie Kritik das Kunstgeschehen in der Gegenwart beeinflusst und welche Rolle die Medien dabei spielen.
Zentrale Themen sind die gesellschaftliche Rolle des Künstlers, das Berufsbild und die Macht des Kunstkritikers, die Auswirkungen des massenmedialen Kontextes auf die Kunst sowie die diskursive Auswertung durch Experteninterviews.
Die forschungsleitende Frage lautet: „Wie beeinflusst Kunstkritik das aktuelle und zukünftige Kunstgeschehen?“.
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung und eine empirische Diskursanalyse, basierend auf problemzentrierten Experteninterviews mit Künstlern und Kritikern.
Der Hauptteil erörtert die theoretischen Grundlagen des Kultur- und Kunstbegriffs, untersucht das komplexe Geflecht zwischen Künstler, Kritiker und Medien und führt eine empirische Analyse der diskursiven Prozesse im österreichischen Kunstbetrieb durch.
Zu den Schlüsselbegriffen gehören Kunstkritik, Gatekeeper, Diskursanalyse, Künstlerrolle, Medienkommunikation, Postmoderne und Identitätssuche.
Die Arbeit thematisiert Arnold Gehlens These, wonach moderne Kunst zunehmend „textuelle Bekleidung“ durch Kritiker benötigt, um vom Publikum verstanden oder legitimiert zu werden.
Das Phänomen beschreibt die zunehmende Vermischung der Rollen von Künstlern, Kritikern und Kuratoren, bei der Akteure gleichzeitig mehrere Funktionen einnehmen, was zu potenziellen Interessenskonflikten und Glaubwürdigkeitsfragen führt.
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