Magisterarbeit, 2006
232 Seiten, Note: 1,1
Vorwort:
Einleitung
1. Historiographie
1.1. Die Kolonisierung durch die Zaren
1.2. Der erste Weltkrieg (1914 - 1918)
1.3. Die Oktoberrevolution
1.4. Der zweite Weltkrieg (1939 – 1945)
1.5. Das Ende der UDSSR
1.6. Der Beginn der Aussiedler-Migration in die Bundesrepublik
2. Moderne Gesellschaft und Modernisierung
2.1. Modernisierungstheoretische Definitionen
2.2. Ein Rückblick in die Geschichte der Modernisierungstheorie
2.3. Reformierte modernisierungstheoretische Konzeptionen
2.4. Modernisierung in Westdeutschland
3. Familiensoziologische theoretische Konzeptionen
3.1. Der Familiendiskurs und die These über die Krise der Familie
3.1.1. Thomas Meyer: Familialer Wandel im Spiegel der Demographie
3.1.2. Hartmann Tyrell: Die Deinstitutionalisierungsformel
3.1.3. Ulrich Beck/Elisabeth Beck-Gernsheim (1990): Die Individualisierungsthese
3.1.4. Rosemarie Nave-Herz: Zerfall oder strukturelle Verfestigung der Familie ?
3.1.5. Beurteilung der wissenschaftlich theoretischen Konzeptionen
3.2. Der Wandel der Geschlechterrollen
4. Empirische Untersuchung
4.1. Forschungsthemen, Hypothese:
4.2. Methodik
4.2.1. Qualitative Sozialforschung „theoretisch-methodische Aspekte“
4.2.2. Das qualitative Interview als Methode der Datenerhebung
4.2.3. Das problemzentrierte Interview
4.2.4. Die Gruppendiskussion
4.2.5. Die Erstellung des Kurzfragebogens/Interviewleitfadens
4.2.6. Die Durchführung der Interviews
4.2.6.1. Anmerkungen
4.2.6.2. Verlauf der Interviews
4.3. Auswertung
4.3.1. Transkription
4.3.2. Sozialprofil der Probandinnen
4.3.3. Zur Auswertung Qualitativer Interviews
4.3.4. Die qualitative Inhaltsanalyse
4.3.5. Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
4.4. Analyse und Interpretation
4.4.1. Relevanz und Zentriertheit der rußlanddeutschen Familie
4.4.1.1. Die Ursprünge des rußlanddeutschen Familienverständnisses
4.4.1.2. Das kollektivistisch ausgerichtete Familienkonzept
4.4.1.3. Die rußlanddeutsche Familie in der Situation der Einwanderung
4.4.1.4. Die geographische Nähe ihrer Mitglieder
4.4.1.5. Die rußlanddeutsche Familie und ihre Wertstellung
4.4.2. Das Eheverständnis innerhalb der rußlanddeutschen Ethnie
4.4.2.1. Die Bedeutung der Kinder
4.4.2.2. Scheidung – eine legitime Form der Konfliktlösung?
4.4.3. Neue Formen der Privatheit – eine Alternative zur Ehe ?
4.4.3.1. Nichteheliche Lebensgemeinschaft
4.4.3.2. Single-Dasein
4.4.3.3. Alleinerziehend
4.4.3.4. Kinderlosigkeit/Kinderlose Ehen
4.4.4. Erziehung und Sozialisation in der rußlanddeutschen Familie
4.4.5. Die Rolle der rußlanddeutschen Frau
4.4.5.1. Ihre berufliche Orientierung
4.4.5.2. Mutterschaftsvorstellungen
4.4.6. Die Arbeitsteilung in der rußlanddeutschen Familie
4.4.7. Die Wertvorstellungen innerhalb der rußlanddeutschen Familie
4.4.8. Die Bedeutung der Religion für die rußlanddeutsche Familie
5. Resümee
5.1. Die Bedeutung der rußlanddeutschen Familie im Migrationsprozeß
5.2. Die rußlanddeutsche Familie und die Pluralität der Privatheit
5.4. Der Binnenraum der rußlanddeutschen Familie
5.4.1. Der Grad ihrer Zentriertheit
5.4.2. Erziehung und Sozialisation
5.4.3. Der Rollenwandel der rußlanddeutschen Frau
5.4.4. Die Arbeitsteilung in der rußlanddeutschen Familie
5.4.5. Hypothesenprüfung
5.4.6. Schlußwort:
Die vorliegende Arbeit untersucht die rußlanddeutsche Familie als Träger ihres Kulturgutes im Spannungsfeld zwischen traditionellen Werten und den Modernisierungstendenzen der deutschen Aufnahmegesellschaft. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, inwieweit die familiale Struktur integrationsfördernd wirkt, welche binnenfamilialen Wandlungsprozesse unter dem Einfluss der Migration stattfinden und wie sich die Rollenbilder sowie Erziehungspraktiken in diesem Kontext verändern.
4.4.1.2. Das kollektivistisch ausgerichtete Familienkonzept der rußlanddeutschen Ethnie
Das primär kollektivistisch ausgerichtete Familienkonzept der rußlanddeutschen Ethnie, welches sich durch stark ausgeprägte Solidaritätsimperative kennzeichnet, spiegelt sich auch darin wieder, daß die pflegebedürftige ältere Generation sowohl im Herkunftsland als auch mehrheitlich im Aufnahmeland im familialen Verband verbleibt, selbst unter der Prämisse, daß die pflegenden Personen in einer beruflichen Verpflichtung stehen, wie die nachfolgend aufgeführte Schilderung von Frau S. veranschaulicht (Seite 21, Zeile 660-680; Zeile 681-690) und nicht wie vielfach in Deutschland üblich, pflegebedürftige Familienangehörige in einer vergleichbaren Situation kurzum in dafür vorgesehene Institutionen eingewiesen werden.
I.: „Wie wird das eigentlich praktiziert in rußlanddeutschen Familien? Bleiben die (pflegebedürftigen) Alten überwiegend in der Familie?
S.: Ja, so lange es geht ja. Ich hab selber einen Opa gehabt, der hat an Alzheimer gehabt und da war er schon vierundachtzig Jahre alt und das fing dann an. Und zuerst/er hat eigentlich immer bei meiner Tante gelebt, zusammen mit meiner Tante und hat dann so ein bißchen mit den Cousin großgezogen und meine Tante und mein Onkel sind auch eigentlich beide berufstätig, das ist eigentlich bei mir bei allen Verwandten so, ich kenn’s gar nicht anders, daß jemand zu Hause bleibt und … ja, dann ging´s einfach nicht mehr vom Pflegeaufwand, daß er bei ihnen wohnt.
Dann haben wir ein Haus gekauft und dann ist er zu uns gekommen. Hat bei uns gelebt, ja, meine Eltern haben sich beide da drum gekümmert und meine Tante noch zusätzlich, die hat damals noch von zwei bis zehn gearbeitet, so daß sie vormittags sich um meinen Opa kümmern konnte und wir dann nachmittags sozusagen (die Eltern von Frau S. sind ebenfalls beide berufstätig – ihre Mutter allerdings nur vormittags).
1. Historiographie: Überblick über die historische Entwicklung der rußlanddeutschen Minderheit von der Kolonisierung unter den Zaren bis zur Migration in die Bundesrepublik.
2. Moderne Gesellschaft und Modernisierung: Einbettung der Thematik in den theoretischen Diskurs der Modernisierung unter Berücksichtigung soziologischer Definitionen.
3. Familiensoziologische theoretische Konzeptionen: Auseinandersetzung mit dem Diskurs "Zerfall oder Wandel der Familie" sowie modernen familientheoretischen Ansätzen.
4. Empirische Untersuchung: Darstellung der methodischen Vorgehensweise und detaillierte Analyse der Ergebnisse zur rußlanddeutschen Familie.
5. Resümee: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse hinsichtlich der Bedeutung der Familie im Migrationsprozess und der Stabilität familiensoziologischer Strukturen.
Rußlanddeutsche, Aussiedlerfamilien, Modernisierung, Migration, Familiensoziologie, Tradition, Geschlechterrollen, Erziehung, Sozialisation, Wertewandel, Säkularisierung, Identität, Kohäsion, qualitative Sozialforschung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der rußlanddeutschen Familie und deren Wandel sowie Beständigkeit im Kontext der Migration in die Bundesrepublik Deutschland.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Familienmodellen, dem Einfluss der Moderne auf die Privatheit, sowie der Analyse von Erziehung, Arbeitsteilung und Wertvorstellungen innerhalb dieser spezifischen Ethnie.
Ziel ist es, die Bedeutung der rußlanddeutschen Familie im Migrationsprozess zu erhellen und zu untersuchen, ob diese Familie Stabilität und Kontinuität bewahrt oder sich westlichen Modernisierungstendenzen angleicht.
Es handelt sich um eine empirische Untersuchung, die auf dem qualitativen Forschungsparadigma basiert, insbesondere unter Verwendung von problemzentrierten Interviews und Gruppendiskussionen.
Im Hauptteil werden der theoretische Rahmen zur Modernisierung und zu familiensoziologischen Konzepten erörtert sowie die empirische Analyse der befragten rußlanddeutschen Frauen durchgeführt und interpretiert.
Wichtige Begriffe sind Rußlanddeutsche, Migration, Familiensoziologie, Tradition, Moderne, Identität und Integration.
Die Arbeit zeigt, dass Religiosität – insbesondere in pietistisch geprägten Gruppen – oft als identitätsstiftend fungiert und die Familienzentriertheit sowie den Zusammenhalt stärken kann.
Obwohl die Erwerbsarbeit der Frau im Herkunftsland üblich war, führt die Migrationssituation oft zu einer kurzzeitigen Reduktion auf die Hausfrauenrolle, wobei die befragten Frauen jedoch langfristig an der Berufstätigkeit als Teil ihrer Lebensplanung festhalten.
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