Wissenschaftliche Studie, 2006
94 Seiten
0. Zum Verfasser
0.1 Der Verfasser als Zeitzeuge
0.2 Zum Verfasser selbst
0.3 Zu des Verfassers Erinnerung
1. Die persönliche Vorgeschichte von Arthur Rabich
1.1 Vorfahren und Kindheit sowie Jugend
1.2. Berufsausbildung zum Ingenieur.
2. Ingenieur im Leunawerk
2.1. Das Werk
2.2. Die Arbeitsstätte
2.2.1 Die Maschinentechnik im Werk, die Hauptwerkstätte
2.2.2 Das Personal, die Intelligenzler und der äußere Einfluß
2.3. Die übergeordnete Macht und Politische Gesinnung
2.3.1 Druck und Terror im Wandel der Zeit
2.3.2 Der zweite Weltkrieg, das Werk und die Werkssiedlung
2.3.3 Die Besetzung des Werkes
2.3.4 Die Reparation, Ab- und Aufbau der Werks- und Produktionsstätte
2.3.5 Die Umerziehung, die Partei-Nahme
2.3.6 Der „faschistische“ Putsch am 17. Juni 1953 im Werk, Intelligenz u. …
2.4. Hauptdaten und –ereignisse, Ingenieur Arthur Rabich im Leunawerk
2.4.1 als Maschineningenieur in einem Chemiewerk
2.4.2 Der Hochdruck- und Hydrierbereich
2.4.3 Der Reparatur-, Sanier- und Fertigungsbereich
3. Arbeiten als konstruierender und projektierender Maschineningenieur
3.1. Maschineningenieur in einem Chemiewerk mit Pioniergeist
3.2. Besondere Kapitel der Ingenieurarbeit
3.3. Das soziale Umfeld der Intelligenzler, der Ingenieure
3.3.1 Allgemeines
3.3.2 Der Krieg und die Folgen, die Entführung von Führungskräften
3.3.3 Schutz und Vertrauen gegenüber den Mächten, die Demontage
3.3.4 Die technische Information, Beschaffung und Beschränkung
3.3.5 Die Motivation, „Demokratie“, die Lebenssituation
3.3.6 Die Umstrukturierung von Kohle auf Öl, vom Ingenieur zum Rentner
4. Das Private – neben dem Beruf
4.1. Der Geist, das Motiv
4.2. Das Persönliche, Wohnen, Leben
5. Literatur, Quellen, Nachwort
6. Historische Folgerungen nach Meinung des Verfassers
7. Abbildungen, Verzeichnis
8. Anhang 1: Die Intelligenzler als Führungs-Gruppe
9. Anhang 2: Kreativitätsergebnisse als Beute der Sieger
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert das Leben und berufliche Wirken des Ingenieurs Arthur Rabich im Leunawerk zwischen 1927 und 1964. Ziel ist es, die technische Pionierarbeit sowie die sozialen und politischen Herausforderungen, denen sich eine technische Führungskraft (Intelligenzler) in einem Chemiewerk unter wechselnden politischen Systemen – von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus bis zur DDR – gegenübersah, anhand von Zeitzeugenberichten und historischem Material aufzuarbeiten.
2. Ingenieur im Leunawerk.
Das Entstehen des Werkes in Leuna fußt auf dem zum Patent angemeldeten Verfahren von 1909 (BASF, Ludwigshafen), Ammoniak aus Elementen durch Katalyse unter Drücken bis 250 Athmosphären bei erhöhter Temperatur darzustellen. Hierfür erhält der Professor für physikalische Chemie (Technische Hochschule Karlsruhe) Dr. Fritz Haber 1918 den Nobelpreis.
Das Verfahren wird großtechnisch erstmals 1913 bei der BASF erprobt. Man erfährt die Wirkung von Katalysatoren, muß aber in zahlreichen Versuchen erst herausfinden, daß Eisen als vorläufig bestes geeignet ist. Am 27. April 1917 wird in Leuna die Hochdrucksynthese-Anlage unter Einsatz eines eisenhaltigen Katalysators und bei einer Temperatur von über 400 °C angefahren. Im Dezember 1920 wird die Ammoniak-Fabrik Merseburg eine selbständige Gesellschaft, bleibt jedoch vielfach in Personalunion mit anderen chemischen Großbetrieben verbunden. Sie wird zur Keimzelle der Produktion von synthetischen Stoffen.
Der eine oder andere mag bei Benzin aus Braunkohle noch an die Geschichte des Leunawerkes oder die der Braunkohle-Hydrierung denken, vielleicht bei dem Damenstrumpf-„Perlon“ an die Schaffung der Voraussetzung zu deren Synthese über Caprolactam in Leuna, aber schon die 1942 in Betrieb genommene, weltweit erste Produktionsanlage zur Fertigung synthetischer Tenside ist kaum noch jemanden gegenwärtig. Die meisten werden nur ahnen können, daß der Weg zur Verfahrenstechnik, zur Technologie-Hochburg der Chemischen Großindustrie im wesentlichen im Leunawerk bereitet wird und zwar aus einem von Fehlschlägen begleitetem Experimentier-Stadium heraus, ständig mühevoll lernend im Querschnittswissen des Hochdruck-Apparatebaues, der Meß- und Regeltechnik, beim Vortasten zu neuen, korrosionsfesten Baustählen usw. Manchmal wird ein innerbetrieblicher Wettbewerb wie bei der Hydrier-Anlage angesetzt, der zeitige Gewinner gilt als erfolgreich. Der Werdegang der Verlierer ist kaum dokumentiert. Heute ist es Mahnung: die vielfältigen Erfahrungen dieser Pionierzeit gehen verloren, wenn man sich ihrer nicht erinnern kann. Letztlich rührt die Verfahrens-Methodik von heute von der einfachen Zielsetzung einer „Produktion" her und hat eine geschichtliche Vergangenheit.
0. Zum Verfasser: Ein persönlicher Abriss, der die Rolle des Autors als Zeitzeuge und Sohn des porträtierten Ingenieurs beleuchtet sowie die Bedeutung von Erinnerungen und Archivquellen diskutiert.
1. Die persönliche Vorgeschichte von Arthur Rabich: Beschreibt die familiäre Herkunft, die Ausbildung zum Ingenieur und die Erfahrungen während des Ersten Weltkriegs, die den Grundstein für seine spätere Laufbahn legten.
2. Ingenieur im Leunawerk: Analysiert die industrielle Entwicklung des Leunawerks, die Arbeitsbedingungen, das soziale Klima für Ingenieure (Intelligenzler) und die politischen Einflüsse unter verschiedenen Herrschaftssystemen.
3. Arbeiten als konstruierender und projektierender Maschineningenieur: Behandelt die spezifischen technischen Aufgaben, die Rolle als Führungskraft, die Improvisationskunst in Krisenzeiten und die technische Pionierarbeit im Hochdruckbereich.
4. Das Private – neben dem Beruf: Beleuchtet das Leben außerhalb des Werks, die politische Einstellung des Vaters und die täglichen Entbehrungen der Familie in Kriegs- und Nachkriegszeiten.
Leunawerk, Arthur Rabich, Ingenieurwesen, Hochdrucksynthese, Hydrierung, Chemische Industrie, Intelligenz, DDR, Sowjetische Besatzungszone, Reparaturbetrieb, Konstruktion, Zeitzeuge, IG Farben, Industriegeschichte, 17. Juni 1953.
Die Arbeit zeichnet den Lebensweg und die berufliche Karriere von Arthur Rabich nach, der als Maschineningenieur von 1927 bis 1964 im Leunawerk tätig war, eingebettet in die wechselvolle Geschichte des Werks.
Zentrale Themen sind die technische Entwicklung im Hochdruck-Apparatebau, die politische Beeinflussung der Wirtschaft, die soziale Schichtung im Werk sowie die Herausforderungen des Alltags unter dem Druck von Krieg, Demontage und Planwirtschaft.
Das Ziel ist die Bewahrung von technischem Wissen und persönlichen Erfahrungen einer Ingenieursgeneration im Leunawerk, um ihre Rolle in einer von großen politischen Umbrüchen geprägten Zeit zu dokumentieren.
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus eigenen Erinnerungen als Zeitzeuge, umfangreichen Archivstudien, zeitgenössischen Unterlagen und Dokumenten sowie biographischen Aufzeichnungen.
Der Fokus liegt auf der Rolle der "Intelligenzler" (Ingenieure), der ständigen Notwendigkeit zu improvisieren, um die Produktion unter Mangelbedingungen aufrechtzuerhalten, und der kritischen Auseinandersetzung mit dem SED-Regime.
Wichtige Begriffe sind Leunawerk, Hochdrucksynthese, Ingenieurskunst, DDR-Planwirtschaft, Intelligenz-Konflikt, politische Willkür und technischer Strukturwandel.
Viele Ingenieure blieben fachlich orientiert, verhielten sich jedoch oppositionell oder reserviert gegenüber den parteipolitischen Eingriffen der SED, was in einigen Fällen zur Flucht in den Westen führte.
Die Ereignisse im Leunawerk am 17. Juni 1953 waren Ausdruck des Unmuts über Normerhöhungen und politische Bevormundung, der jedoch durch staatliche Repressionen und das Eingreifen sowjetischer Truppen gewaltsam beendet wurde.
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