Diplomarbeit, 2005
136 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Das Phänomen Al-Jazeera und Paradigmen der Forschung
1.2 Cultural Studies und die Globalisierung der Medien
1.3 Vergleichssemantik: Der Westen und die arabische Welt
1.4 Aufbau der Arbeit
2. Kommunikationsbegriffe im globalen Kontext
2.1 Internationale und interkulturelle Kommunikation
2.2 Die Nation als Referenz
2.3 Transnationale und transkulturelle Perspektiven
3. Globales Fernsehen und die arabische Welt
3.1 Fernsehen als nationale Institution
3.2 Verlust der nationalen Souveränität
3.3 Die mediale Macht des Westens
3.3.1 Globale Medien und westliche Nachrichten
3.3.2 Grenzen des Einflusses
3.3.3 Reform des arabischen Mediensystems: Reaktion auf globale Trends
3.4 Global und Lokal: Al-Jazeera als Hybrid
3.4.1 Globalisierung als Hybridbildung
3.4.2 Al-Jazeeras Produktionsstrukturen
3.4.2.1 Zwischen Pressefreiheit und Regierungssender
3.4.2.2 Transnationale Freiheiten?
3.4.3 Al-Jazeeras hybride Produkte
3.4.3.1 Übernahme westlicher Standards
3.4.3.2 Relokalisierung als Strategie
3.4.3.3 Das panarabische Potenzial
3.5 Al-Jazeera im Westen
3.5.1 Geokulturelle Märkte
3.5.2 Translokale Berichterstattung
3.6 Regionalisierung versus Globalisierung
4. Al-Jazeeras internationaler Durchbruch
4.1 Strukturen der Auslandsberichterstattung
4.1.1 Der Blick des Westens: Kriege und Krisen aus der arabischen Welt
4.1.2 Trends in der Nachrichtengeografie
4.1.3 Sparmaßnahme Auslandsbüro
4.1.4 Nachrichtengeografie nach Al-Jazeera – das Beispiel Afghanistan
4.2 Geopolotische Wende: Der Einfluss des 11. Septembers
4.2.1 Islam als neuer Feind des Westens
4.2.2 Bin Laden: Der Feind auf Al-Jazeera
4.3 Veränderungen im Nachrichtensektor
4.3.1 Konkurrenz für die Nachrichtenagenturen
4.3.2 Al-Jazeera als neue Quelle
4.4 Medienkulturen begegnen sich
4.4.1 Konfliktpotenzial der Kooperationen: Bin Ladens Nachrichtenwert
4.4.2 Bilder aus Afghanistan
4.4.2.1 Rivalität der News Frames
4.4.2.2 Kritik an den Kritikern
4.4.3 Herausforderungen für die internationale Zusammenarbeit
4.5 Globalität und neue Facetten internationaler Berichterstattung
5. Al-Jazeera im Dialog mit dem Westen
5.1 Kulturaustausch in Krisenzeiten
5.1.1 Der Einsturz des globalen Dorfes
5.1.2 Chancen interkultureller Krisenkommunikation im Irak-Krieg
5.2 Die Konstruktion von Kriegswirklichkeiten
5.2.1 Objektivität im kulturellen Kontext
5.2.2 Objektivität im Irak-Krieg
5.3 Rezeption und kulturelle Variablen
5.3.1 Medien und Bedeutungsproduktion
5.3.2 Interpretationsrahmen der arabischen Zuschauer
5.4 Die Abgrenzung des Fremden: Das Konzept der Kontextobjektivität
5.5 Wirkung in Westen
5.5.1 Die Glaubwürdigkeitsfalle: Objektivität versus Wertegemeinschaft
5.5.2 Relevanzgewinn für die Rezipienten
5.6 Themensetzung jenseits von Krieg und Krisen
5.6.1 Eine Stimme für die Araber: Die Politisierung von Al-Jazeera
5.6.2 Möglichkeiten von Abu Dhabi TV und Al-Arabiya
5.6.3 Die Öffnung westlicher Mediensysteme
5.7 Transnationales Fernsehen und eine neue Medienordnung
6. Chancen im Western: Al-Jazeera International
6.1 Going global: Möglichkeiten und Märkte
6.1.1 Glokalisierung als Marktstrategie
6.1.2 Internationale Medienkonzepte und ihre Unterschiede
6.2 Die internationale Zielgruppe
6.2.1 Nutzergruppen translokaler Nachrichtensender
6.2.2 Potenzielle Zuschauer von Al-Jazeera International
6.3 AJI oder das Ende von Al-Jazeera
6.3.1 Positionierung auf dem internationalen Markt
6.3.2 Arabisch oder international
6.3.3 Politische und kulturelle Themen
6.4 Zwänge des Medienkapitalismus
6.4.1 Der Kampf um die Werbeeinnahmen
6.4.2 AJI als Einnahmequelle
6.4.3 Gefährdete Unabhängigkeit: Plan zur Privatisierung
6.5 Das Medienprodukt AJI und sein Wirkungsspektrum
7. Schlussbetrachtung
Die Diplomarbeit untersucht das Potenzial des arabischen Satellitensenders Al-Jazeera, sich als globaler Akteur auf dem internationalen Nachrichtenmarkt zu etablieren, und analysiert dabei das komplexe Spannungsfeld zwischen der arabischen Herkunft des Senders und seiner internationalen Ausrichtung.
3.4.2.1 Zwischen Pressefreiheit und Regierungssender
Al-Jazeera gilt als der einzige nicht zensierte Nachrichtensender in der arabischen Welt. Dass der Sender diese Freiheiten genießt, hat er dem Scheich von Katar zu verdanken, der die Gründung eines freien Mediums ermöglichte. Er schaffte das Informationsministerium, welches für die Zensur zuständig war, ab. Sheikh Hamid bin Thamer al Thani, Vorsitzender des Board of Al-Jazeera erklärt das Offensichtliche: „[…] we looked to the Western world which has very advanced media, and find that there are no ministries of information. We don’t see that a Ministry of Information has any positive role to play in future media projects.” (Al Thani zitiert in Schleifer/ Sullivan 2001: Online)
Nach dem Aufstieg der Satellitentechnologie hat auch die Regierung von Katar die Notwendigkeit zur Medienliberalisierung erkannt (vgl. Helal 2004: Online.). Die globalen Trends haben hier lokale Reaktionen hervorgerufen. Die Gründung von Al-Jazeera geht dabei parallel mit weiteren Demokratisierungstendenzen in Katar einher. „Al-Jazeera is going the same direction as the state of Qatar in its recent developments, starting with the elections for a chamber of commerce in Qatar, and also municipal elections with women’s participation, as candidates and voters. […] I think this direction corresponds with the direction of the media, be it Al-Jazeera, or lifting censorship to local Qatari newspapers. The two go together in this stage, and I think the direction of Al-Jazeera is a natural one that corresponds with the strategy Qatar is taking at this phase.” (Al Thani in Schleifer/Sullivan 2001a: Online)
Diese Freiheit muss als Teil der spezifischen Produktionsbedingungen des Senders in der arabischen Welt gesehen werden, ist Al-Jazeera doch der einzige Sender dieser Art. Dabei gilt es zu bedenken, dass diese Freiheit nur eine ‚Erlaubnis von oben’ ist.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Al-Jazeera als Herausforderer westlicher Informationsmonopole ein und definiert die zentrale Forschungsfrage sowie die wissenschaftlichen Thesen der Arbeit.
2. Kommunikationsbegriffe im globalen Kontext: Dieses Kapitel differenziert zwischen internationaler und interkultureller Kommunikation und ordnet diese im Kontext der Globalisierung ein.
3. Globales Fernsehen und die arabische Welt: Das Kapitel beschreibt die Entstehung von Al-Jazeera aus den traditionell geschlossenen arabischen Mediensystemen und dessen Entwicklung zu einem hybriden, transnationalen Sender.
4. Al-Jazeeras internationaler Durchbruch: Hier wird analysiert, wie die Berichterstattung über den Afghanistan-Krieg Al-Jazeera zu einem bedeutenden globalen Nachrichtenlieferanten und Kooperationspartner westlicher Medien machte.
5. Al-Jazeera im Dialog mit dem Westen: Dieses Kapitel untersucht die Berichterstattung über den Irak-Krieg und beleuchtet die Spannungen um Objektivität, mediale Kontextualisierung und das Vertrauen der Zuschauer.
6. Chancen im Western: Al-Jazeera International: Das Kapitel analysiert die Strategien und Hürden für den englischsprachigen Ableger des Senders im Kontext von Medienkapitalismus und globaler Marktpositionierung.
7. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die zukünftigen Herausforderungen des Senders in einem sich wandelnden globalen Mediensystem.
Al-Jazeera, internationale Kommunikation, Globalisierung, Hybridität, arabische Welt, Nachrichtengeografie, Medienimperialismus, Objektivität, Irak-Krieg, Afghanistan, kulturelle Kontexte, transnationale Sender, Medienökonomie, journalistische Professionalisierung, Kontextobjektivität.
Die Arbeit analysiert den Aufstieg des arabischen Satellitensenders Al-Jazeera von einem lokalen Phänomen zu einem globalen Medienakteur.
Die Schwerpunkte liegen auf der Globalisierung der Medien, den Unterschieden zwischen westlichen und arabischen Medienkulturen sowie der Rolle der Information in globalen Konflikten.
Das Ziel ist die Analyse des Potenzials von Al-Jazeera als globaler "Player" und die Untersuchung der Frage, ob der Sender die Definitionsmacht westlicher Medien in der internationalen Berichterstattung herausfordern kann.
Die Autorin stützt sich auf eine multiperspektivische Analyse, die soziologische, kommunikationswissenschaftliche (insbesondere Cultural Studies) und politisch-ökonomische Theorien kombiniert.
Es werden der Marktaufbau, der Durchbruch durch die Kriegsberichterstattung (Afghanistan/Irak), die Auswirkungen auf die internationale Medienordnung und die Strategien für eine globale Expansion untersucht.
Zentrale Begriffe sind Hybridisierung, Kontextobjektivität, transnationale Kommunikation, panarabische Identität und die mediale Berichterstattung in Krisenzeiten.
Die Terroranschläge und die darauf folgenden Kriege katapultierten Al-Jazeera ins Zentrum der Weltöffentlichkeit, da westliche Medien exklusiv auf das Material des Senders angewiesen waren.
Der Begriff beschreibt die Notwendigkeit, Nachrichten in einem kulturell sensiblen und situationsbezogenen Rahmen zu präsentieren, der den Bedürfnissen des lokalen Publikums gerecht wird, während gleichzeitig journalistische Qualitätsansprüche angestrebt werden.
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