Diplomarbeit, 2006
125 Seiten, Note: 1
0 Einleitung
1 Mobbing
1.1 Herkunft, historische Entwicklung des Begriffs
1.2 Begriffsbestimmung nach Leymann
1.2.1 Kritische Analyse der Mobbing-Definition
1.3 Juristische Begriffseingrenzung
1.4 Abgrenzung: Konflikt versus Mobbing
1.5 Zusammenfassung
2 Mobbingausmaß und -ursachen
2.1 Branchen
2.2 Geschlecht
2.3 Hierarchien
2.4 Individuelle Aspekte
2.4.1 „Opfermerkmale“
2.4.2 „Tätermerkmale“
2.5 Team-Aspekte
2.6 Betriebliche Aspekte
2.7 Gesellschaftliche Aspekte
2.8 Zusammenfassung
3 Mobbingverlauf und -folgen
3.1 Die Mobbingphasen
3.1.1 Phase I
3.1.2 Phase II
3.1.3 Phase III
3.1.4 Phase IV
3.1.5 Phase V
3.2 Mobbing-Strategien
3.3 Zusammenfassung
4 Betriebliche Sozialarbeit
4.1 Begriffsbestimmungen
4.2 Gesetzliche Rahmenbedingungen
4.3 Anbindung der BSA an die Betriebsstrukturen
4.3.1 Anbindung als Stabsstelle an die Geschäftsleitung
4.3.2 Anbindung an den Betriebs-/Personalrat
4.3.3 Anbindung an den Betriebsärztlichen Dienst
4.3.4 Anbindung an die Personalabteilung
4.3.5 Externe BSA
4.4 Zusammenfassung
5 Arbeitsfelder und Methoden
5.1 Aufgabenfelder
5.2 Methoden
5.2.1 Einzelfallarbeit
5.2.1.1 Systemisch-lösungsorientierter Beratungsansatz
5.2.1.2 Case Management
5.2.2 Soziale Arbeit mit Gruppen
5.2.3 Gemeinwesenarbeit
5.3 Zusammenfassung
6 Mobbing-Prävention als Aufgabe der Betrieblichen Sozialarbeit
6.1 Begriffseingrenzung Mobbing-Prävention
6.2 Voraussetzungen und Bedingungen
6.3 Ansätze auf der betrieblichen Ebene
6.3.1 Netzwerkarbeit
6.3.2 Gesundheitsförderung
6.3.2.1 Gesundheitsmanagement
6.3.2.2 Gesundheitszirkel
6.3.3 Information und Aufklärung
6.3.4 Betriebsvereinbarungen
6.4 Ansätze auf der interpersonalen Ebene
6.4.1 Personal- und Teamentwicklung
6.4.2 Bewusster Umgang mit neuen Mitarbeitern
6.5 Ansätze auf der intrapersonalen Ebene
6.5.1 Führungskräfte
6.5.2 Einzelne Mitarbeiter
6.6 Zusammenfassung
7 Resümee und Ausblick
Die Diplomarbeit untersucht die Chancen und Möglichkeiten der Mobbing-Prävention innerhalb des Berufsfeldes der Betrieblichen Sozialarbeit (BSA). Ziel ist es, durch die Analyse der Ursachen von Mobbing und die Untersuchung bestehender BSA-Ansätze Handlungsmöglichkeiten abzuleiten, die eine Entstehung von Mobbing im betrieblichen Umfeld minimieren können.
1.1 Herkunft, historische Entwicklung des Begriffs
Der Begriff Mobbing wurde aus dem angelsächsischen Sprachgebrauch entwickelt (to mob = anpöbeln, angreifen, sich stürzen auf; the mob = Mafia, Meute; mob law = Lynchjustiz17). Im wissenschaftlichen Kontext wurde dieser Ausdruck erstmals im Jahr 1958 von LORENZ verwendet. Der österreichische Ethnologe benutzte diese Formulierung, um im Rahmen seiner vergleichenden Verhaltensforschung unter Tieren einen Vorgang zu beschreiben, bei dem eine Gruppe von Tieren zu ihrem Schutz ein einzelnes Tier angreift (z. B. Angriffsverhalten einer Gruppe: Enten gegen einen Fuchs)18.
Der schwedische Mediziner HEINEMANN übertrug den Begriff Ende der 60-er Jahre auf den Bereich der Humanbeziehungen, um ein von ihm beobachtetes Gruppenverhalten von Kindern auf dem Schulhof zu beschreiben, "... das sehr rohe Züge trug und so weit ging, daß es ein betroffenes Kind in eine soziale Situation stürzen konnte, die zuweilen mit einem Selbstmord endete."19
NIEDL zufolge wurde dieser von HEINEMANN verwendete Ausdruck „Mobbing“ nach der Publikation seines 1972 erschienenen Werkes „Mobbing – Gruppengewalt unter Kindern und Erwachsenen“ Bestandteil der schwedischen Alltagssprache und hat sich im schwedischen Sprachgebrauch für die Bezeichnung von Attacken unterschiedlichster Art etabliert20.
Im Anschluss an HEINEMANNs Arbeiten ist die Erforschung des Mobbings im Schulbereich primär in den skandinavischen, aber auch in anderen europäischen Staaten stark vorangetrieben worden. Abweichend von der bisherigen Verwendung des Begriffs „Mobbing“, benutzte der schwedische Sozialwissenschaftler Dan OLWEUS im weiteren Verlauf diesen Ausdruck, um damit sowohl Einzel- als auch Gruppengewalt gegen eine bestimmte Person zu charakterisieren. In der wissenschaftlichen Diskussion werden seitdem beide Formen unter dem selben Begriff subsumiert.21
Anfang der 80-er Jahre stellte der deutschstämmige und in Schweden beheimatete Arbeitswissenschaftler Heinz LEYMANN den Begriff „Mobbing“ in einen neuen Zusammenhang. Er benutzte ihn zur Beschreibung eines eskalierten Konfliktes in der Arbeitswelt, bei dem Einzelpersonen oder eine Gruppe von Personen einen Kollegen angreifen und dieser am Ende aus dem Arbeitsverhältnis/-leben ausscheidet22 (vgl. 1.2, S. 9).
0 Einleitung: Vorstellung der Thematik Mobbing im beruflichen Kontext und Definition der Zielsetzung und Fragestellungen der Diplomarbeit.
1 Mobbing: Herleitung des Mobbing-Begriffs, Auseinandersetzung mit verschiedenen Definitionen (insbesondere nach Leymann) und Abgrenzung von allgemeinen Konflikten.
2 Mobbingausmaß und -ursachen: Analyse des Ausmaßes von Mobbing in verschiedenen Branchen und Untersuchung multikausaler Ursachenzusammenhänge.
3 Mobbingverlauf und -folgen: Detaillierte Darstellung der fünf Mobbingphasen und Analyse der eingesetzten Mobbing-Strategien sowie deren Folgen.
4 Betriebliche Sozialarbeit: Historischer Rückblick, gesetzliche Rahmenbedingungen und Darstellung der Anbindungen der BSA an betriebliche Strukturen.
5 Arbeitsfelder und Methoden: Vorstellung der klassischen Methoden der Sozialen Arbeit (Einzelfall, Gruppe, Gemeinwesen) und deren Anwendung in der BSA.
6 Mobbing-Prävention als Aufgabe der Betrieblichen Sozialarbeit: Strategische Ansätze zur Prävention auf organisatorischer, interpersonaler und intrapersonaler Ebene.
7 Resümee und Ausblick: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen und Reflexion der Chancen der BSA für die Mobbing-Prävention.
Mobbing, Betriebliche Sozialarbeit, BSA, Mobbing-Prävention, Konfliktmanagement, Arbeitsplatz, Gesundheitsmanagement, Unternehmenskultur, Case Management, Empowerment, Arbeitsbedingungen, Führungskräfte, psychosoziale Belastung.
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen Mobbing im beruflichen Umfeld und untersucht, welchen Beitrag die Betriebliche Sozialarbeit (BSA) zur Prävention leisten kann.
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Phasenlehre von Mobbing, die Ursachenforschung in Betrieben sowie die Methoden und Strukturen der Betrieblichen Sozialarbeit.
Das Hauptziel ist die Ableitung von Handlungsmöglichkeiten für die Betriebliche Sozialarbeit, um Mobbing-Prozesse in Betrieben frühzeitig zu erkennen und präventiv entgegenzuwirken.
Die Arbeit basiert primär auf einer intensiven Literaturrecherche und der Synthese aktueller Forschungsergebnisse sowie der Anwendung systemischer und sozialarbeitswissenschaftlicher Methoden.
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zu Mobbing die betrieblichen Anbindungsformen der BSA sowie spezifische präventive Arbeitsansätze (z.B. Netzwerkarbeit, Gesundheitszirkel) analysiert.
Mobbing, Prävention, Betriebliche Sozialarbeit, Konfliktlösung und Empowerment sind die zentralen Begriffe.
Die Anbindung bestimmt den Handlungsspielraum des Sozialarbeiters und beeinflusst das Vertrauensverhältnis der Mitarbeiter, da eine zu enge Kopplung an die Geschäftsführung als „verlängerter Arm“ wahrgenommen werden kann.
Betriebe fürchten oft den Imageschaden und sehen Mobbing als Indikator für Führungsversagen, weshalb das Thema häufig ignoriert oder verharmlost wird.
Sie tragen eine zentrale Verantwortung durch ihr Führungsverhalten und können durch kooperatives Handeln mobbinghemmende Strukturen fördern oder durch Inaktivität den Prozess begünstigen.
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