Examensarbeit, 2005
95 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. Michael Endes Kunstverständnis
1.1 Der Magier und das Kind
1.2 Künstlerische Prägung durch den Vater Edgar Ende
1.3 Die Suche nach einer Utopie
2. Literarische Vorbilder und Quellen
2.1 Elemente der griechischen Mythologie
2.2 Rückgriffe auf den Heldenepos
2.3 Bilder und Motive der phantastischen Literatur des 20. Jahrhunderts
2.4 Einflüsse östlicher Philosophien und Religionen
2.5 Einflüsse des Christentums
2.6 Parallelen zu Kinder- und Jugenderzählungen des 20. Jahrhunderts
3. Die Aktualität der Romantik
3.1 Gründe für die Wiederkehr der Romantik
3.1.1 Kritik am Erbe der Aufklärung
3.1.2 Kompensation des Ungenügens an der Normalität
3.2 Der Märchenroman
3.2.1 Märchen als Genre
3.2.2 Märchen in der Romantik und in der Moderne
Die Märchen der Romantik
Die Märchen der Moderne
3.3 Parallelen zu Novalis und E.T.A. Hoffmann
3.3.1 Der Weg der Wünsche in der Phantasiewelt
3.3.2 Erzählweise
3.3.3 Anti-Helden
3.3.4 Das Kind als Retter
3.3.5 Die Naturpoesie
3.3.6 Blumensymbolik
3.3.7 Die Figur des ‚weisen Alten‘
3.3.8 Atlantis und Phantásien
Diese Arbeit untersucht die Aktualität der Romantik in den 1970er Jahren am Beispiel von Michael Endes Roman "Die unendliche Geschichte". Die zentrale Forschungsfrage ist, inwiefern Endes Werk als eine Neuauflage romantischer Traditionen und als Antwort auf eine als entzaubert empfundene, moderne Gesellschaft zu verstehen ist.
1.1 Der Magier und das Kind
Der Anfang der Untersuchung von Michael Endes Unendlicher Geschichte erfolgt anhand des Auszugs einer Traumerzählung in Der Spiegel im Spiegel, welche den Schlüssel zu Michael Endes Kunstverständnis und zu seinen Geschichten liefert. Dieser Auszug beschreibt die Begegnung des Pagads mit einem Kind:
„‚Wer bist du denn?‘ fragt das Kind. ‚Der Pagad‘, antwortet der Mann, setzt sich auf die Rampe und baumelt mit den Beinen. ‚Und was bist du?‘ will das Kind wissen. ‚Ein Magier‘, antwortet der Mann, ‚und ein Gaukler. Beides.‘ ‚Und wie heißt du?‘ will das Kind wissen. ‚Ich habe eine Menge Namen‘, antwortet der Pagad, ‚aber am Anfang heiße ich Ende.‘ ‚Das ist ein komischer Name‘, meint das Kind und lacht. ‚Ja‘, sagt der Pagad, ‚und wie heißt du?‘ ‚Ich heiße bloß Kind‘, sagt das Kind verlegen. (...) ‚Und was machen wir jetzt?‘ ‚Jetzt‘, antwortet der Mann auf der Rampe und schlägt die Beine übereinander, ‚jetzt fangen wir etwas an.‘ ‚Kann ich bei dir bleiben?‘ fragt das Kind. ‚Man wird nach dir fragen‘, meint der Pagad ernst. Das Kind schüttelt den Kopf. ‚Wo wohnst du denn?‘ erkundigt sich der Pagad. ‚Man kann nirgends mehr wohnen‘, antwortet das Kind. ‚Ich jedenfalls nicht.‘ ‚Dann kann ich es auch nicht‘, meint der Pagad nachdenklich. ‚Was machen wir da?‘ ‚Wir können zusammen losgehen‘, schlägt das Kind vor, ‚und eine neue Welt suchen, wo wir beide wohnen können.‘ ‚Eine gute Idee!‘ sagt der Pagad und setzt seinen großen, sonderbaren Hut auf. ‚Und wenn wir keine finden, dann zaubern wir uns eine.‘ ‚Kannst du das denn?‘ fragt das Kind. ‚Ich hab's noch nicht versucht‘, antwortet der Pagad ‚aber wenn du mir dabei hilfst ... Übrigens finde ich, du solltest doch einen richtigen Namen haben. Ich werde dich Michael nennen.‘ ‚Danke‘ sagt das Kind und lächelt (...). Dann verlassen sie die Bude, den Jahrmarkt, die Stadt (...). Sie halten sich gegenseitig an der Hand, und man weiß nicht genau: Wer führt wen?‘“ 1
Ein Magier und ein Kind auf der Suche nach einer neuen Welt, in einer Zeit, in der sich ‚das Kind‘ oder ‚das Kindliche‘ nicht heimisch fühlt. Michael Ende verbindet mit dem Kindlichen in uns den Teil, der uns schöpferisch und kreativ macht, den Teil, der nie die Fähigkeit verloren hat zu staunen, zu fragen, sich zu begeistern, und es ist auch der Teil, der Trost verlangt und hofft.2
1. Michael Endes Kunstverständnis: Dieses Kapitel erläutert Michael Endes künstlerische Prägung durch seinen Vater Edgar Ende und seine Suche nach einer bewohnbaren Welt und einem neuen Mythos.
2. Literarische Vorbilder und Quellen: Hier wird die Komplexität der Bezüge des Romans zu antiken Mythen, dem Heldenepos, ostasiatischer Philosophie sowie dem Christentum und anderen Kinder- und Jugenderzählungen detailliert analysiert.
3. Die Aktualität der Romantik: Dieser Hauptteil beleuchtet die Gründe für die Wiederkehr der Romantik als Kritik an der Aufklärung und als Kompensation für ein als mangelhaft empfundenes Alltagsleben, ergänzt durch spezifische Vergleiche mit Novalis und E.T.A. Hoffmann.
Michael Ende, Die unendliche Geschichte, Romantik, Phantasie, Märchenroman, Aufklärungskritik, Mythen, Symbolik, E.T.A. Hoffmann, Novalis, Kindlichkeit, Identitätsfigur, Weltbild, Wirklichkeit, Phantásien
Die Arbeit untersucht die Wiederkehr romantischer Traditionen im Roman "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Situation der 1970er Jahre.
Die Themen umfassen Michael Endes Kunstverständnis, die Verwendung von Mythen und Symbolen, den Einfluss östlicher Philosophien sowie den Vergleich mit der deutschen Romantik und anderen Fantasy-Autoren wie Tolkien.
Ziel ist es, die literarische Besonderheit und die Aktualität der Romantik im Werk von Michael Ende herauszuarbeiten und die Bezüge zu den Romantikern, insbesondere zu Novalis und E.T.A. Hoffmann, zu verdeutlichen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Motive, Symbole und philosophische Bezüge innerhalb des Romans mit den historischen Vorbildern der Romantik vergleicht und in den Kontext der Zeit einordnet.
Der Hauptteil befasst sich explizit mit der Kritik am Erbe der Aufklärung, der Analyse des Märchenromans als Genre sowie den spezifischen Parallelen zwischen Endes Erzählweise und den Werken von Novalis und Hoffmann.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Michael Ende, Die unendliche Geschichte, Romantik, Phantasie, Märchenroman, Mythen, Symbolik, E.T.A. Hoffmann, Novalis und Realitätsbezug.
Michael Ende ererbte die Nähe zu surrealistischen Techniken und die visuelle Vorstellungskraft seines Vaters, was sich besonders in der bildhaften Darstellung und den Traumlandschaften der "Unendlichen Geschichte" widerspiegelt.
Die "Blaue Blume" ist ein zentrales Symbol der Romantik für Sehnsucht und Poesie; Michael Ende greift dieses Symbol auf, um den Weg zu einer poetisierten Wirklichkeit zu verdeutlichen und einen bewussten Bezug zur Tradition herzustellen.
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