Magisterarbeit, 2002
93 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Adornos Ästhetik
2.1 Grundlagen der 'Dialektik der Aufklärung' - Aufklärung und Mythos
2.1.1 Mimesis
2.1.2 Der Odysseus-Mythos
2.1.3 Identitätszwang
2.1.4 Dialektik der Aufklärung
2.1.5 Natur und Individuum
2.1.6 Der universale "Verblendungszusammenhang"
2.2 Kunst
2.2.1 Der Doppelcharakter der Kunst
2.2.2 Kunst als Wahrheitsinstanz
2.2.3 Das Naturschöne - Rekurs auf Kant, Schiller und Hegel
2.2.4 Das Formgesetz
3. Bachmanns Ästhetik zwischen Autonomie und Litterature Engagée
3.1. Historische Bedingungen
3.2 Die Frankfurter Vorlesungen - Die Frage nach der Legitimation der Kunst
4. Die "Höllenmaschine" Geschichte: Kunst nach Auschwitz
4.1 Adorno
4.1.1 Der Tod des Individuums
4.1.2 Verlust von Erfahrung
4.1.3 Erinnerung als ästhetische Kategorie
4.2 Bachmann
4.2.1 Der Mangel an Erfahrung
4.2.2 "Jugend in einer österreichischen Stadt"
5. "Scharf von Erkenntnis und bitter von Sehnsucht": Erweckende Kunst
5.1 Adorno
5.1.1 Eine Theorie der Gesellschaft
5.1.2 Die Möglichkeit von Erkenntnis
5.1.3 Exkurs - Musikphilosophie
5.1.2.1 Diskursive oder ästhetische Erkenntnis?
5.1.3 Die Kategorie des Scheins
5.1.4 Versus Einfühlungsästhetik und Nominalismus
5.2 Bachmann
5.2.1 "Der Schweißer"
6. Das Idolatrieverbot in der Kunst: Die negative Utopie
6.1 Adorno
6.2 Bachmann
6.2.1 "Undine geht"
7. Theologische Aspekte
7.1 Adorno
7.1.1 Die Leidensästhetik Adornos
7.1.2 Der Antisemitismus des Christentums
7.1.3 Die strukturelle Negativität jüdischen Glaubens
7.1.4 Der Begriff der Versöhnung
7.1.5 Der "Standpunkt der Erlösung"
7.2 Bachmann
7.2.1 "Alles"
8. Schluß
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarischen Ästhetiken von Theodor W. Adorno und Ingeborg Bachmann, um Parallelen in ihrem theoretischen und künstlerischen Schaffen aufzuzeigen. Dabei steht insbesondere die Frage nach der Legitimation der Kunst nach der Zäsur von Auschwitz sowie die Rolle der Kunst als erkenntniskritische Instanz im Zentrum der Analyse.
2.2.1 Der Doppelcharakter der Kunst
Wesentliches Hauptmerkmal der Kunst ist laut Adorno ihr Doppelcharakter als „autonom und als fait social“. Dieser kennzeichnet die Beziehung zwischen Kunst und Gesellschaft. Einerseits muß Kunst autonom sein, um sich der ideologischen Verstrickung der Gesellschaft zu verweigern. Ihre Emanzipierung von der Gesellschaft darf jedoch nicht bedeuten, daß sie, zu einem harmlosen Beobachter gesellschaftlicher Realität degeneriert, affirmativ wird. Andererseits kann sie nicht nur Bestandteil gesellschaftlicher Realität, fait social sein, weil sie, in solcher Form integriert, zur Ware wird und auf diese Weise ebenso Affirmation betreibt. Kunstwerke sind Produkte menschlichen Schaffens, dürfen jedoch nicht Resultate instrumenteller Vernunft sein.
Die Beziehung der Kunst zur Gesellschaft resultiert nicht aus einer Kommunikationsfunktion, sondern aus dem Umstand, daß sie sich als Widerstand gegenüber der Gesellschaft konstituiert. Gerade deshalb muß sie sich der Kommunikation verweigern. Nachdem sich Kunst von feudalen und kultischen Zwecken emanzipiert hat, besteht die Möglichkeit authentischer Werke, d.h. solcher, die sich nicht mehr ideologischen Zwecken unterordnen lassen. Garant dieser Authentizität ist der Autonomiestatus, auf dem Adorno zufolge gerade in der Moderne zu insistieren sei. Die autonom gewordene Struktur des Ästhetischen ist vom Austragen der ihr innewohnenden Spannung gezeichnet: Ist Kunst stets von der Gefahr bedroht, ideologisch oder affirmativ zu sein, so ist Kunstautonomie aporetisch, weil in ihrer Praxisferne bereits eine Verstrickung in den allgemeinen Schuldzusammenhang liegt. Adorno denkt den Autonomiestatus der Kunst nicht als Selbstzweck, sondern als Fundament einer kritischen Haltung, die sich durch den Gestus der Verweigerung gegen jede Form der Affirmation absetzen will. Dies unterscheidet Adornos Konzept deutlich von zeitgenössischen Autonomieästhetiken und kennzeichnet seine Nähe zur Heteronomieästhetik, will man davon ausgehen, daß ein konsequentes autonomieästhetisches Programm die Befreiung von Referentialität bezüglich Bedeutung, Inhalt und Wirkungsabsicht realisieren müßte.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das vergleichende Projekt ein, Adornos Philosophie und Bachmanns literarisches Schaffen im Hinblick auf ästhetische Übereinstimmungen und historische Bedingungen zu untersuchen.
2. Adornos Ästhetik: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen von Adornos Ästhetischer Theorie, insbesondere die Kritik an der Dialektik der Aufklärung und den spezifischen Doppelcharakter der Kunst.
3. Bachmanns Ästhetik zwischen Autonomie und Litterature Engagée: Hier wird untersucht, wie Bachmann ihre poetologische Position im Spannungsfeld von historischer Bedingtheit und dem Bedürfnis nach einer neuen Sprache verortet.
4. Die "Höllenmaschine" Geschichte: Kunst nach Auschwitz: Dieses Kapitel analysiert, wie beide Autoren die Katastrophe von Auschwitz als Nullpunkt für die Legitimation und Funktion der Kunst begreifen.
5. "Scharf von Erkenntnis und bitter von Sehnsucht": Erweckende Kunst: Der Fokus liegt hier auf der Kunst als Medium schockhafter Erkenntnis und der Auseinandersetzung mit Diskursivierung.
6. Das Idolatrieverbot in der Kunst: Die negative Utopie: Dieses Kapitel behandelt das Verbot positiver Utopien und die Notwendigkeit einer negativen Utopie als Wahrheitsinstanz.
7. Theologische Aspekte: Hier werden die religiösen und theologischen Motive analysiert, die Adornos und Bachmanns Ästhetik untergründig prägen.
8. Schluß: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Fruchtbarkeit einer vergleichenden Lektüre von Adorno und Bachmann.
Theodor W. Adorno, Ingeborg Bachmann, Ästhetik, Dialektik der Aufklärung, Kunst nach Auschwitz, negative Utopie, Autonomie der Kunst, Kritische Theorie, Mimesis, Sprachkritik, Erfahrungsschwund, Idolatrieverbot, Leidensästhetik, Versöhnung, Erkenntnistheorie.
Die Arbeit bietet eine vergleichende Analyse der literarischen Ästhetik von Theodor W. Adorno und Ingeborg Bachmann und untersucht, wie beide Autoren auf die philosophischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Nachkriegszeit reagieren.
Die Arbeit behandelt schwerpunktmäßig das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft, die Problematik der Legitimation der Kunst nach Auschwitz sowie die Rolle der Negation und der Sprache in einem "ewigen Kriegszustand" der Moderne.
Ziel ist es, das von Ingeborg Bachmann realisierte poetologische Konzept zu erschließen und mit der Theorie Adornos zu vergleichen, um aufzuzeigen, inwieweit eine "gleichwertige" Ästhetik bei Bachmann deduziert werden kann.
Die Untersuchung folgt einem hermeneutischen Ansatz, der theoretische Schriften mit narrativen Texten amalgamiert, um die Kompositionsmethode Bachmanns und Adornos Philosophie in Bezug zueinander zu setzen.
Der Hauptteil analysiert die historischen Bedingungen von Bachmanns Schreiben, das Motiv der "Höllenmaschine" Geschichte, die Funktion der Kunst als "erweckende" Erkenntnisinstanz sowie theologische Aspekte der negativen Utopie.
Wichtige Begriffe sind Adornos "Dialektik der Aufklärung", der "Doppelcharakter der Kunst", "Sprachskepsis", "Idolatrieverbot" sowie "Leidensästhetik".
Die Arbeit verdeutlicht, dass Bachmann sich zwar von einer schematischen "Gesinnungsästhetik" abgrenzt, aber dennoch eine moralisch verantwortungsvolle Kunst fordert, die das Leiden der Menschen thematisiert und zur Reflexion anregt.
Das Idolatrieverbot dient als Metapher für die Forderung, dass Kunst keine einfache, positive oder falsche Lösung/Erlösung anbieten darf, da dies eine affirmative Lüge wäre. Wahrheit kann sich nur durch Schweigen oder Negation entfalten.
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