Magisterarbeit, 2004
107 Seiten, Note: 2,0
1) Einleitung
1.1) Die Aufgabenstellung und ihre Bearbeitung
1.2) Begriffsdefinitionen
1.3) Historische Einordnung
1.3.1) Das Ende des Osmanischen Reiches und die Gründung der Republik
1.3.2) Die post-Atatürk-Ära
1.3.3) Die politische und wirtschaftliche Entwicklung ab den 80er Jahren
2) Die Debatte um das Kopftuch an den türkischen Hochschulen
2.1) Der Beginn und Verlauf einer politischen Auseinandersetzung
2.1.1) Der Streit vor Ort und die Auswirkungen des Kopftuch-Verbotes auf der Hochschulebene
2.1.2) Beginn der Auseinandersetzungen um das türban
2.1.3) Die Kopftuch-Frage auf politischer Ebene
2.2) Im Mittelpunkt der Debatte: Die Kopftuch-Studentinnen
2.2.1) Sozialer Hintergrund der Studentinnen
2.2.2) Erste Kontakte mit dem Kopftuch
2.2.3) Tradition und Religiosität
2.2.4) Vorurteile im Umfeld der Kopftuch-Studentinnen
2.2.5) Einstellungen der türban-Studentinnen zu Studium und Beruf
2.2.6) Arbeitsmarktsituation für bedeckte Akademikerinnen
2.2.7) Beweggründe für das Tragen eines türban
2.2.8) Grad der Politisierung
2.2.9) Ausländischer Einfluss auf die Kopftuch-Studentinnen
2.2.10) Die verschiedenen Aktionsmuster der Studentinnen
2.2.11) Bedeutungs- und Identitätswandel
2.3) Die Hauptströmungen im Streit um das türban
2.4) türban und Tendenzen zur Re-Islamisierung – gibt es einen Zusammenhang?
2.5) Was bedeutet der Kopftuch-Streit und was sagt er über die Beziehungen zwischen türkischem Staat und Religion aus?
3) Der aktuelle Stand der Kopftuchdebatte – ein Exkurs
4) Schlussbemerkung
5) Anhang
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische und gesellschaftliche Debatte um das Kopftuch (türban) in der Türkei, mit einem besonderen Fokus auf die Studentinnen ab den 1980er Jahren. Das primäre Ziel ist es, die Beweggründe der kopftuchtragenden Studentinnen zu analysieren, die Spannungsfelder zwischen staatlichem Laizismus und individueller Religionsausübung aufzuzeigen und die Auswirkungen dieses Streits auf Politik und Gesellschaft zu erörtern.
2.2.1) Sozialer Hintergrund der Studentinnen
Bezüglich des sozialen Hintergrundes der jungen Frauen wird ein heterogenes Bild gezeichnet. Es wird deutlich, dass sie nicht zur Oberschicht der Gesellschaft gehören. Vielmehr kommt dieser neue Typ Muslima in der Regel aus mittleren bzw. sozial-schwachen Gesellschaftsschichten. Die Frauen stammen häufig aus den Provinzstädten oder den ländlichen Regionen Anatoliens. Meist verlassen sie ihre Familien, um in den Metropolen zu studieren. Wenn sie aus der Großstadt stammen, so sind die Familien in der Regel ursprünglich vom Land in die urbanen Zentren migriert175. Aktaş versucht in ihrer Feldstudie nachzuweisen, dass in den Elternhäusern sehr unterschiedliche Berufe ausgeübt werden. 36 von insgesamt 76 Frauen gaben an, dass ihre Väter im öffentlichen Dienst tätig sind; darunter auch Lehrer und Offiziere. Elf Befragte erklärten, dass ihre Väter mittel- bis großständische Kaufleute seien; 13 Frauen kommen aus Familien mit kleinständischen Handwerkerbetrieben oder anderweitiger Gewerbetreibender. Von kleinen Bauernhöfen stammen sechs Studentinnen, acht kommen aus Arbeiterfamilien. Zwei Befragte gaben an, dass ihre Väter arbeitslos sind176.
Entsprechend ihrer sozialen Zugehörigkeit verfügen die Familien in der Regel über ein niedriges bis mittleres Einkommen. Das Studium der Tochter bedeutet daher oft eine finanzielle Mehrbelastung, zumal es in der Türkei gebührenpflichtig ist177. Da sich die Familien durch den Hochschulbesuch der jungen Frauen einen gesellschaftlichen Aufstieg erhoffen, werden – soweit es die finanziellen Mittel erlauben – die Ausbildungsvorhaben der Töchter unterstützt178. Die Kopftuch-Studentinnen sind im Durchschnitt oftmals besser ausgebildet als der übrige Teil ihrer Verwandtschaft. Dennoch wird nicht deutlich, wie die Bildung vor dem Studium aussah. Während einige Forscher davon ausgehen, dass der Großteil der Kopftuch-Studentinnen städtische Schulen besuchte179, vertreten andere Wissenschaftler die Meinung, dass ein erheblicher Teil der Frauen an den so genannten Imam Hatip Gymnasien, den Prediger- und Priesterschulen, ihre Schulbildung genossen haben180.
1) Einleitung: Die Einleitung führt in die Kopftuchdebatte ein, erläutert die Forschungsfrage sowie die hermeneutische Vorgehensweise und den historischen Kontext der Laizismus-Debatte in der Türkei.
2) Die Debatte um das Kopftuch an den türkischen Hochschulen: Dieses umfangreiche Hauptkapitel analysiert den Beginn des Kopftuch-Streits an Universitäten, die Rolle der Studentinnen, ihre sozialen Hintergründe, politische Motivationen und die Reaktionen des Staates sowie des Lehrkörpers.
3) Der aktuelle Stand der Kopftuchdebatte – ein Exkurs: Dieses Kapitel blickt auf die 1990er Jahre und die Zeit um die Parlamentswahl 2002, in der das Thema weiterhin politisch relevant blieb, jedoch mit neuen Nuancen und rechtlichen Herausforderungen.
4) Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass die Studentinnen keine homogene Gruppe von Extremistinnen sind, sondern ein neues, selbstbewusstes städtisches muslimisches Identitätsmodell repräsentieren.
5) Anhang: Der Anhang enthält das Literaturverzeichnis, das Abkürzungsverzeichnis und das Glossar, die zur Einordnung der verwendeten Begriffe und Quellen dienen.
Kopftuchdebatte, Türkei, türban, başörtü, Laizismus, Studentinnen, Islam, soziale Bewegung, Identitätswandel, Hochschule, Re-Islamisierung, Säkularismus, Gesellschaft, Politik, Islamismus.
Die Arbeit analysiert die Kopftuchdebatte in der Türkei seit den 1980er Jahren, insbesondere mit Fokus auf Studentinnen, die das türban tragen, und deren Konflikte im Spannungsfeld zwischen Laizismus und religiöser Identität.
Thematisiert werden die Rolle des Laizismus, die Bedeutung verschiedener Arten der weiblichen Kopfbedeckung, die soziale Herkunft der Studentinnen sowie der Einfluss politischer Reformen und gesellschaftlicher Umbrüche.
Das Ziel ist die Erforschung der Motive, des Verhaltens und der Identitätsbildung kopftuchtragender Studentinnen und die Einordnung dieses Phänomens in den türkischen politischen Kontext.
Die Autorin verwendet die hermeneutische Methode und stützt sich dabei auf eine breite Analyse vorhandener Sekundärliteratur, Feldstudien von Wissenschaftlern sowie zeitgenössische Erfahrungsberichte.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Verlauf der Auseinandersetzungen an Hochschulen, der Rolle des Lehrkörpers, den individuellen Hintergründen der Frauen sowie den verschiedenen Strömungen und juristischen Entwicklungen im Streit.
Kopftuchdebatte, türban, Laizismus, Identität, Studentinnen, Türkei, Islam, Säkularismus.
Die Unterscheidung ist zentral, da die Begriffe unterschiedliche soziale Konnotationen haben: Während başörtü oft mit traditioneller, ländlicher Herkunft assoziiert wird, symbolisiert das türban häufig eine politisch aktivere, urban-moderne Identität.
Diese Schulen gelten als Bildungsstätten, die den Zugang zur Universität für junge Frauen aus konservativen, bildungsfernen Schichten ermöglichten, was wesentlich zum vermehrten Auftreten von kopftuchtragenden Studentinnen an den Universitäten beitrug.
Das türban fungiert als Katalysator für tiefgreifendere gesellschaftliche Konflikte über die Identität des türkischen Staates – zwischen westlich orientierten Laizisten und den Kräften einer islamisch geprägten gesellschaftlichen Erneuerung.
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