Examensarbeit, 2006
72 Seiten, Note: 2,7
0. EINLEITUNG
0.1 Aufbau der Arbeit
1. NORMALITÄT
1.1. Etymologie
1.1.1 Normal, Normalität
1.2. Normativität
1.3 Normenkonzepte
1.3.1 Die Statistische Norm
1.3.2 Technische Normen
1.3.3 Biologische/funktionelle Normen
1.3.4 Idealnorm
1.3.5 Soziale Norm
1.3.5.1 Bestandteile der sozialen Norm
1.3.5.3 Normverbindlichkeiten
1.4 Normalismus
1.4.1 Protonormalismus
1.4.2 Der Flexible Normalismus
1.5 Zusammenfassung - 1.Kapitel
2. NORMALITÄT und GEISTIGE BEHINDERUNG
2.1 Behinderung
2.1.1 WHO-Klassifikationen
2.1.2 Sozialpolitische Definition
2.1.3 Soziologische Definition
2.1.4 Definition: geistige Behinderung (behindertenpädagogisch)
2.1.4.1 Medizinische Sichtweise
2.1.4.2 Psychologische Sichtweise
2.1.4.3 Soziologische Sichtweise
2.1.5 Statistische Häufigkeit
2.2 Behinderungen als Abweichung
2.3 Zusammenfassung - 2.Kapitel
3. BEHINDERUNG als NORMALITÄT
3.1 Behinderung auf dem Weg zur Normalität
3.2 Verschiedenheit als neue Normalität
3.3 Integration als Aussonderungsabsage
3.4 Zusammenfassung – 3.Kapitel
4.FAZIT/ STELLUNGNAHME zur FRAGESTELLUNG
5. LITERATUR
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch den Normalitätsbegriff im Kontext der Behindertenpädagogik und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob Menschen mit geistiger Behinderung als „normal“ bezeichnet werden können. Dabei wird aufgezeigt, dass Normalität kein natürliches Gegebenes, sondern ein durch gesellschaftliche Prozesse und Strategien hergestelltes Konstrukt ist, das stark mit Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung verknüpft bleibt.
1.1. Etymologie
Der Begriff der Normalität und der Norm geht etymologisch auf den lateinischen Begriff ‘norma’ zurück, der so viel bedeutet wie ‘Winkelmaß’ und in der antiken Architekturlehre das rechtwinklige Werkzeug eines römischen Baumeisters bezeichnete. Der Ausdruck des Winkelmaßes hat sich im Laufe der Zeit auch auf das menschliche Denken und Handeln übertragen; die „Natur als Baumeisterin, die das rechte Maß und den Maßstab für jegliches menschliches Handeln vorgibt“ (Gröschke 2002, 185) und im übertragenen Sinne wurde daraus die „Regel“ oder „Vorschrift“ (vgl. Weinmann 2001, 427).
Etwa 1050-1350 entstand aus dem lateinischen ‘norma’ das deutsche Substantiv ‘Norm’, das viele Bedeutungen enthielt (und teilweise bis heute enthält): Richtschnur, Regel, Maßstab, sittliches Gebot oder Verbot, Rechtsvorschrift als Grundlage der Rechtsordnung, Leistungssoll, Arbeitsleistung, Richtwert (für Arbeitsaufwand, Materialeinsatz), Größenanweisung für die Technik.
Im Laufe der Jahrhunderte leiteten sich mehrere Begriffe aus dem Terminus ‘Norm’ ab: Anfang des 18. Jahrhunderts das Adjektiv normal: „der Norm entsprechend, regelrecht, vorschriftsmäßig, allgemein üblich, gewöhnlich, durschnittlich, geistig gesund“ (vgl. Ritter 1984). Anfang des 19. Jahrhunderts: das Verb normieren, das so viel bedeutete wie ‘nach dem Winkelmaß abmessen’, ‘so wie es angenehm ist, einrichten, vereinheitlichen’.
0. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik des vieldeutigen Normalitätsbegriffs ein und stellt die Forschungsfrage nach der Normalität von Menschen mit geistiger Behinderung.
1. NORMALITÄT: Dieses Kapitel arbeitet den Normalitätsbegriff historisch und theoretisch auf, differenziert zwischen Normativität und deskriptiver Normalität und erläutert den Normalismus.
2. NORMALITÄT und GEISTIGE BEHINDERUNG: Der zweite Teil beleuchtet verschiedene Definitionen von Behinderung (WHO, sozialpolitisch, soziologisch) und deren Verhältnis zum Normalitätsbegriff.
3. BEHINDERUNG als NORMALITÄT: Das dritte Kapitel diskutiert Integrationsansätze sowie den Übergang von flexiblen Normalisierungsstrategien hin zu einem Transnormalismus, der Verschiedenheit als neue Normalität begreift.
4.FAZIT/ STELLUNGNAHME zur FRAGESTELLUNG: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Frage nach der Normalität bei Anerkennung von Verschiedenheit als neue Normalität an Bedeutung verliert.
5. LITERATUR: Das Literaturverzeichnis listet die für die Arbeit herangezogenen Quellen auf.
Normalität, Normativität, Normalismus, Behinderung, geistige Behinderung, Behindertenpädagogik, Integration, Stigmatisierung, Normalverteilung, Transnormalismus, soziale Norm, Normalisierungsprinzip, Verschiedenheit, Abweichung, Teilhabe.
Die Arbeit untersucht kritisch, wie der Begriff „normal“ konstruiert wird und inwieweit er auf Menschen mit geistiger Behinderung anwendbar ist.
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Klärung von Normalität und Normativität, der Analyse von Normalisierungsstrategien in modernen Gesellschaften sowie der theoretischen Einbettung von Behinderung als soziale Konstruktion.
Das Hauptziel ist es, die Frage zu beantworten, ob Menschen mit geistiger Behinderung „normal“ sind, und dabei die Machtmechanismen hinter dieser Kategorisierung aufzudecken.
Die Autorin wählt einen wissenschaftstheoretischen Ansatz, der auf der Diskursanalyse (insbesondere angelehnt an Jürgen Link) basiert, um den Normalitätsbegriff kritisch zu dekonstruieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung von Normalität, eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Behinderungsdefinitionen und eine Diskussion über Integration und Transnormalismus.
Zentrale Begriffe sind Normalität, Normalismus, Behinderung, Stigmatisierung, Integration, soziale Norm und der Transnormalismus als Vision einer inklusiven Gesellschaft.
Der Protonormalismus wird als starre, „harte“ Form mit engen Grenzen definiert, während der flexible Normalismus als „weiche“ Strategie gilt, die Grenzen verschiebt, um eine breitere Inklusion zu ermöglichen.
Transnormalismus bezeichnet das Ziel, die Grenzen zwischen „normal“ und „anormal“ vollständig aufzulösen, sodass Verschiedenheit als eine akzeptierte, normale menschliche Daseinsform gilt.
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