Diplomarbeit, 2002
115 Seiten, Note: 1,0
EINLEITUNG
1. BLOCKFLÖTENTYPEN IN DER ZEIT ZWISCHEN 1750 – 1900
1.1. Die Blockflöte
1.2. Nebentypen der Blockflöte: Das französische und das englische Flageolett
1.3. Csakan und Czakan
2. DIE RENAISSANCE DER BLOCKFLÖTE SEIT ENDE DES 19. JAHRHUNDERTS
2.1. Die Anfänge
2.2. Die Entwicklung in England: Arnold Dolmetsch
2.3. Die Entwicklung in Deutschland: Collegia musica
3. VORAUSSETZUNGEN FÜR DIE ENTWICKLUNG DER BLOCKFLÖTE ZUM INDUSTRIELLEN MASSENINSTRUMENT
3.1. Instrumentenbau
3.1.1. England
3.1.2. Deutschland
3.1.3. Ein Blockflötenbauer in Deutschland: Peter Harlan
3.2. Blockflötenbauer, Firmen und Verlage
3.3. Historische und moderne Griffweisen
3.4. Verschiedene Stimmungssysteme
EXKURS: Die Jugendmusikbewegung und die Blockflöte
a) Hausmusik kontra Konzertmusik
b) Laienmusik kontra Berufsmusiker
c) Musikanschauung der Jugendmusikbewegung
d) Instrumente der Jugendmusikbewegung
e) Jugendmusikbewegung und Faschismus
4. DIE BLOCKFLÖTE IN DER INSTRUMENTALPÄDAGOGIK
4.1. Die Blockflöte als „organisches“ Volks- und Hausmusikinstrument
4.1.1. Das organische Klangideal
4.1.2. Die „ideale“ Flötenform
4.2. Kindergarten und Schule
4.2.1. Die Blockflöte im Kindergarten
4.2.2. Die Blockflöte in der Schule
4.2.3. Die Blockflöte ein „multifunktionales Erziehungsmittel“
4.2.4. Die Blockflöte als Selbstbauinstrument
4.3. Gender-Aspekte der Blockflöte
4.4. Musikschulen und Privatunterricht
4.4.1. Blockflötenunterricht an Musikschulen
4.4.2. Privater Blockflötenunterricht
4.5. Musizierkreise, Singwochen und Instrumentalkurse
4.6. Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel
5. MUSIK FÜR DIE BLOCKFLÖTE IN DEN 30er UND 40er JAHREN
5.1. Neue Kompositionen aus England
5.2. Das Blockflötenrepertoire in Deutschland
5.2.1. Der improvisatorische Ansatz von Carl Orff und Gunhild Keetmann
5.2.1.1. Carl Orff und das „elementare Prinzip“
5.2.1.2. Kompositionen für Blockflöte von Gunhild Keetmann
5.2.2. „Spielmusik“
5.2.3. Anspruch und „Neue Sachlichkeit“
5.2.3.1. Ein Komponist: Helmut Bornefeld
6. SCHLUSSBEMERKUNGEN
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Wiederentdeckung der Blockflöte zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie deren Wandlung zum massenhaft verbreiteten Volks- und Erziehungsinstrument, insbesondere in Deutschland. Die Forschungsfrage widmet sich der Ursachenklärung für die Vorurteile gegenüber dem Instrument und beleuchtet die ideologischen Einflüsse, die den Blockflötenbau sowie die musikalische Praxis maßgeblich prägten.
1. BLOCKFLÖTENTYPEN IN DER ZEIT ZWISCHEN 1750-1900
Im Allgemeinen wird gesagt, dass die Blockflöte Anfang des 20. Jahrhunderts „wiederentdeckt“ wurde. Das impliziert genauso ein „Verschwinden“, welches gewöhnlich auf die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts datiert wird. Zum Ende des Barock wurde die Blockflöte tatsächlich weitestgehend von der klangstärkeren, dynamisch mit differenzierteren Möglichkeiten ausgestatteten Traversflöte aus der „Kunstmusik“ verdrängt (Moeck 1978, S. 14). Sie war baulich bedingt den „neuen Anforderungen des musikalischen Geschmacks“ (Kneihs 1994, S. 343) nicht mehr gewachsen. Sie passte weder in die neu entstandenen großen Konzertsäle noch konnte sie sich einen Platz in dem umgestalteten Orchester des späten Barock erobern. Die Wende zum galanten Stil und der Klassik Mitte des 18. Jahrhunderts gelang ihr nicht. Komponisten und Berufsmusiker hatten das Interesse an ihr verloren.
„Der Strom der Musikgeschichte zog an der Blockflöte vorüber.“ (Thieme 1993, S.30). Ihr bisheriger Vorteil gegenüber der Traversflöte, auch in schwierigeren chromatischen Tonfolgen eine saubere Intonation über mehr als zwei Oktaven zu ermöglichen, verschwand durch das neu entwickelte Klappensystem für die Flöte (vgl. Puffer 2001, S. 11). Die besonders große Popularität der Blockflöte während des 17./18. Jahrhunderts, die sich über weite Teile Europas erstreckte (Deutschland, Italien, Frankreich, die Niederlande, Spanien und besonders England) war anscheinend eine Modeerscheinung.
Ein ähnliches Beispiel dafür ist die flûte traversière, die später von der Flöte mit Boehmklappensystem verdrängt wurde. „Das Industriezeitalter verstand diese Umgestaltung des Instrumentariums, die Anpassung an neue Vorstellungen von Ausdruck und Klang, zugleich als Verbesserung der alten Instrumente ...“ (Thieme 1993, S. 30). Leider wurde im 19. Jahrhundert kein „Nachfolge-Instrument für die barocke Blockflöte, wie es die zylindrische Boehmflöte oder der konische Ringklappentraverso für die barocke Querflöte darstellen“ entwickelt (Thieme 1993, S. 31).
1. BLOCKFLÖTENTYPEN IN DER ZEIT ZWISCHEN 1750 – 1900: Das Kapitel behandelt den Rückgang der Blockflöte während des Barock und ihre Nischenexistenz im 19. Jahrhundert sowie verwandte Instrumente.
2. DIE RENAISSANCE DER BLOCKFLÖTE SEIT ENDE DES 19. JAHRHUNDERTS: Fokus auf die Anfänge der Wiederbelebung durch Pioniere wie Arnold Dolmetsch und die frühe Forschung an den Collegia musica.
3. VORAUSSETZUNGEN FÜR DIE ENTWICKLUNG DER BLOCKFLÖTE ZUM INDUSTRIELLEN MASSENINSTRUMENT: Untersuchung technischer und wirtschaftlicher Aspekte, die den industriellen Nachbau und die Etablierung des Instruments ermöglichten.
4. DIE BLOCKFLÖTE IN DER INSTRUMENTALPÄDAGOGIK: Dieses Kapitel widmet sich der pädagogischen Nutzung, insbesondere im Kontext der Jugendmusikbewegung, des Kindergartens und der Schule.
5. MUSIK FÜR DIE BLOCKFLÖTE IN DEN 30er UND 40er JAHREN: Analyse der zeitgenössischen Kompositionen und des Strebens nach „Neuer Sachlichkeit“ in der Literatur für das Instrument.
6. SCHLUSSBEMERKUNGEN: Ein Resümee über die historische Entwicklung und die daraus resultierende moderne Wahrnehmung der Blockflöte.
Blockflöte, Jugendmusikbewegung, Musikerziehung, Instrumentenbau, Musikgeschichte, Neue Sachlichkeit, Carl Orff, Arnold Dolmetsch, Peter Harlan, Volksinstrument, Hausmusik, Griffweisen, Stimmungssysteme, Instrumentalpädagogik, 20. Jahrhundert
Die Arbeit analysiert die Geschichte der Blockflöte im 20. Jahrhundert, mit einem besonderen Schwerpunkt darauf, wie sie zu einem Masseninstrument wurde.
Zentrale Felder sind der Wandel des Instrumentenbaus, die Rolle der pädagogischen Reformbewegungen und die ideologische Einbettung in die Jugendmusikbewegung.
Das Ziel ist es, die historischen Ursachen für die Entstehung von Vorurteilen gegenüber der Blockflöte sowie deren Wandel zum pädagogischen "Standardinstrument" zu ergründen.
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf Literaturrecherche, der Auswertung historischer Dokumente, Katalogen und musikpädagogischer Schriften basiert.
Der Hauptteil befasst sich mit dem Instrumentenbau, der Rolle der Musikschulen, der Bedeutung der Jugendmusikbewegung und der Entwicklung neuer Literatur.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Blockflöte, Jugendmusikbewegung, Musikerziehung, Volksinstrument und Neue Sachlichkeit charakterisiert.
Sie galt als "organisches" und preiswertes Instrument, das ideal zu den Idealen von Gemeinschaftsmusik und einfacher Erlernbarkeit für Laien passte.
Die NS-Erziehungspolitik übernahm die Blockflöte als ideologisch passendes "Volksinstrument", um die Jugend zu formen und in den Dienst des Staates zu stellen.
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