Doktorarbeit / Dissertation, 2000
208 Seiten, Note: sehr gut
I. EINLEITUNG
II. NICHTENTFREMDUNG
1. Theoretisches
1.1. Allgemeines zur Nichtentfremdung
1.2. Allgemeines zur Dialektik von Natur, Gesellschaft und Individuum
1.3. Nichtentfremdete Arbeit
1.4. Zur Einheit von Individuum, Gesellschaft und Natur
III. ENTFREMDUNG
1. Allgemeines
1.1. Allgemeines zur Entfremdung
1.2. Allgemeines zur entfremdeten Arbeit in der bürgerlichen Gesellschaft
2. Besonderes zur entfremdeten Arbeit
2.1. Lohnarbeit und Kapital
2.2. Allgemeines zur Frauenarbeit in der bürgerlichen Gesellschaft
2.2.1. Exkurs: Die Entstehung des „Geschlechtscharakters“
2.3. Allgemeines zu den Tätigkeiten proletarischer und kleinbürgerlicher Frauen
2.3.1. Tätigkeiten kleinbürgerlicher Frauen
2.3.1.1. Allgemeines zu Hausarbeit, Repräsentation und Sozialisation
2.3.1.2. Sozialisation
2.3.1.3. Repräsentation
2.3.1.4. Hausarbeit
2.3.2. Tätigkeiten proletarischer Frauen
2.3.2.1. Allgemeines zu Sozialisation, Haus- und Lohnarbeit
2.3.2.2. Sozialisation
2.3.2.3. Hausarbeit
2.3.2.4. Lohnarbeit
2.3.3. Exkurs: Frauenarbeit in der Textilindustrie
3. Bedürfnis, Geld, Genuß
3.1. Allgemeines zur Vermittlung von Bedürfnissen und Genüssen in der bürgerlichen Gesellschaft
3.2. Allgemeines zur Bedürfnisbefriedigung im Kleinbürgertum und im Proletariat
3.3. Allgemeines zur Bedürfnisbefriedigung im Kleinbürgertum
3.3.1. Wohnung
3.3.2. Sexualität
3.4. Allgemeines zur Bedürfnisbefriedigung im Proletariat
3.4.1. Wohnung
3.4.2. Sexualität
4. Individuum, Gesellschaft, Natur
4.1. Allgemeines zum Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und Natur in der bürgerlichen Gesellschaft
4.2. Allgemeines zur gesellschaftlichen Lage des Kleinbürgertums und des Proletariats
4.3. Allgemeines zum Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und Natur im Kleinbürgertum und im Proletariat
4.3.1. Besonderes zum Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und Natur bei Kleinbürgerinnen
4.3.2. Besonderes zum Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und Natur bei Proletarierinnen
IV. EMANZIPATION
1. Allgemeines
1.1. Emanzipation in der Marxschen Entfremdungstheorie
1.2. Allgemeines zur Frauenbewegung
2. Besonderes
2.1. Bürgerliche und proletarische Frauenbewegung
2.2. Allgemeines zum Verhältnis von Natur, Gesellschaft und Individuum bei Gertrud Bäumer und Clara Zetkin
2.3. Gertrud Bäumer
2.3.1. Frauenarbeit
2.3.2. Bedürfnisse und Genüsse
2.3.3. Individuum, Gesellschaft und Natur
2.3.4. Emanzipation
2.4. Clara Zetkin
2.4.1. Frauenarbeit
2.4.2. Bedürfnisse und Genüsse
2.4.3. Individuum, Gesellschaft und Natur
2.4.4. Emanzipation
V. ERGEBNISSE
1. Nichtentfremdung
2. Entfremdete Arbeit
3. Bedürfnisse und Genüsse
4. Individuum, Gesellschaft und Natur
5. Emanzipation
6. Abschließende Bemerkungen
Die vorliegende Dissertation analysiert die Marxsche Entfremdungstheorie und wendet sie auf die spezifische Lebens- und Arbeitssituation von kleinbürgerlichen und proletarischen Frauen im deutschen Kaiserreich um 1900 an. Ziel ist es, auf Basis der theoretischen Grundlagen von Entfremdung und Nichtentfremdung zu untersuchen, wie sich soziale Bedingungen, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und materielle Existenzweisen auf das Verhältnis dieser Individuen zur Gesellschaft und zur Natur auswirken und welche emanzipatorischen Potenziale daraus entstehen.
Exkurs: Die Entstehung des „Geschlechtscharakters“
Den Geschlechterverhältnissen der bürgerlichen Gesellschaft liegt eine ideologische Konstruktion zugrunde, die ihren Ausdruck im Begriff des Geschlechtscharakters findet. Der Terminus verweist bereits auf den wesentlichen Inhalt des weltanschaulichen Gebildes; nämlich die biologistische Interpretation der Beziehungen von Frauen und Männern, die von jeweils unterschiedlichen „männlichen“ und „weiblichen“ Fähigkeiten und Tätigkeiten ausgeht. Dabei bestimmt die Geschlechtscharakterideologie das von ihr propagierte Verhältnis als „natürliche“ Existenzweise von Männern und Frauen, ohne gesellschaftliche Hintergründe zu berücksichtigen.
Dementsprechend verfügt die gesamte Konstruktion über ahistorische Komponenten. Horkheimer stellt dazu fest: „Furchtbares hat die Menschheit sich antun müssen, bis das Selbst, der identische, zweckgerichtete, männliche Charakter des Menschen geschaffen...“ werden konnte. Horkheimer, der sich scheinbar auch einer biologistischen Terminologie bedient, macht hier auf die gesellschaftlichen Entwicklungen aufmerksam, die vonnöten sind, um etwas wie den „männlichen“, aber ebenso den dazugehörenden „weiblichen“ Charakter kreieren zu können. Tatsächlich ist die Konstruktion des Geschlechtscharakters nicht von den wirklichen sozialen Bedingungen zum Zeitpunkt seines Entstehens zu trennen.
I. EINLEITUNG: Einführung in die Fragestellung und methodische Einordnung der Marxschen Entfremdungstheorie.
II. NICHTENTFREMDUNG: Theoretische Herleitung des Begriffs und des dialektischen Verhältnisses von Individuum, Gesellschaft und Natur.
III. ENTFREMDUNG: Analyse entfremdeter Arbeit, ihrer gesellschaftlichen Strukturen sowie spezifische Untersuchungen zu kleinbürgerlichen und proletarischen Lebensbedingungen um 1900.
IV. EMANZIPATION: Diskussion emanzipatorischer Bestrebungen, unter anderem anhand der Schriften von Gertrud Bäumer und Clara Zetkin.
V. ERGEBNISSE: Zusammenfassende Darstellung der theoretischen und empirischen Erkenntnisse über Entfremdung und Emanzipation.
Marxsche Entfremdungstheorie, Nichtentfremdung, Entfremdete Arbeit, Kleinbürgertum, Proletariat, Geschlechtscharakter, Frauenarbeit, Emanzipation, Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Bedürfnisbefriedigung, Reiche Individualität, Lohnarbeit, Kapital, Sozialisation, Deutsche Kaiserreich.
Die Arbeit untersucht die Marxsche Entfremdungstheorie und wendet sie empirisch auf die Situation von Frauen im kleinbürgerlichen und proletarischen Milieu im Deutschland um 1900 an.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen von Lohn- und Hausarbeit, die Rolle des Geschlechtscharakters als ideologische Konstruktion und das Verhältnis der Individuen zur Gesellschaft.
Es soll demonstriert werden, wie sich die Marxsche Entfremdungstheorie auf reduzierte Formen weiblicher Arbeit anwenden lässt und inwieweit daraus Bestrebungen zur Veränderung bürgerlicher Strukturen erwachsen.
Es handelt sich um eine sozialwissenschaftliche Analyse, die Marxsche Kategorien (Entfremdung, Nichtentfremdung, Emanzipation) mit historischen und gesellschaftsanalytischen Quellen der Zeit um 1900 verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Entfremdung, spezifische Analysen der Arbeitswelt von Frauen (Hausarbeit, Lohnarbeit) sowie eine Untersuchung von Emanzipationskonzepten (z.B. Bäumer und Zetkin).
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Entfremdungstheorie, Geschlechtscharakter, Proletariat, Kleinbürgertum und Emanzipation charakterisiert.
Die Arbeit unterscheidet primär anhand der materiellen Bedingungen und der unterschiedlichen Ausprägungen der Arbeitsteilung, wie sie durch das jeweilige Milieu und die ökonomische Zwangslage definiert werden.
Der Geschlechtscharakter dient als ideologische Konstruktion, um eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung als „natürlich“ zu rechtfertigen, was wiederum die Unterordnung der Frauen in den sozialen Strukturen zementiert.
Die Textilindustrie dient als exemplarischer Sektor, in dem die Auswirkungen von Lohnarbeit, Arbeitsintensität und die spezifische Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft besonders deutlich hervortreten.
Beide Akteurinnen, so das Fazit, sind trotz unterschiedlicher politischer Lager in einer bürgerlich geprägten Ideologie befangen, die die „Natur“ der Frau als Mütterlichkeit (Bäumer) oder als Klassengenossin (Zetkin) vor die freie individuelle Entfaltung stellt.
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