Examensarbeit, 2001
100 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1 Sterben
2.2 Tod
2.3 Trauer
2.4 Die Bedeutung von Sterben, Tod und Trauer in der Gesellschaft
2.5 Schule für Körperbehinderte - Körperbehinderung - Progrediente Erkrankung
2.5.1 Die Schule für Körperbehinderte
2.5.2 Körperbehinderung
2.5.3 Progredient erkrankte Kinder und Jugendliche
3. Die Untersuchung
3.1 Ausgangspunkt und Möglichkeiten des Verfahrens
3.2. Die schriftliche Befragung - Vorgehen
3.3 Die Inhalte der Befragung
3.4 Das Ergebnis der Befragung
4. Notwendigkeit und Möglichkeit der Thematisierung von Sterben, Tod und Trauer im Unterricht der Schule für Körperbehinderte
4.1 Die Notwendigkeit der Thematisierung von Sterben, Tod und Trauer
4.2 Die Rahmenrichtlinien Sachsen-Anhalt
4.2.1 Grundschule
4.2.2 Förder- und Sekundarstufe
4.2.3 Rahmenrichtlinien für Lernbehinderte
5. Umgang und Begleitung für das sterbende Kind /den sterbenden Jugendlichen im Schulalter unter Einbeziehung seiner sozialen Umwelt
5.1 Sterben und Tod im Schulalter - Grenzsituation und Herausforderung
5.2 Zur besonderen Situation pädagogischen Handelns - Infragestellung und Handlungsansatz bei der Begegnung mit Sterben und Tod in der Schule
5.3 Zur besonderen Situation und Funktion des Sonderschullehrers in der Begegnung mit unheilbar erkrankten und sterbenden Kindern /Jugendlichen - mögliche Verhaltensansätze
5.3.1 Mögliche Probleme bei der Begleitung progredient erkrankter Schüler und Bewältigungsansätze
5.3.2 Lehrer = Sterbebegleiter?
5.4 Sterbende Kinder und Jugendliche - Situation, Erleben und Verhalten
5.4.1 Die Situation sterbender Kinder und Jugendlicher
5.4.1.1 Zum Verständnis sterbenskranker Kinder und Jugendlicher von ihrer Krankheit und ihrem Tod / Todesvorstellungen
5.4.2 Wann und wie sollte mit Kindern und Jugendlichen über die progrediente Erkrankung und den Tod gesprochen werden
5.4.2.1 Das Gespräch mit den sterbenskranken Kind oder Jugendlichen
6. Die Begleitung lebensbedrohlich erkrankter Schüler im Unterricht
6.1 Zieldimensionen der Förderung lebensbedrohlich erkrankter Kinder und Jugendlicher
6.2 Die Bedeutung des Unterrichts für progredient erkrankte Schüler
6.3 Didaktisch-methodische Aspekte und Möglichkeiten der Behandlung des Themas „Sterben, Tod und Trauer” mit progredient erkrankten Kindern und Jugendlichen
7. Möglichkeiten zur Auseinandersetzung und unterrichtspraktische Umsetzung des Themas Sterben, Tod und Trauer in der Körperbehindertenschule unter besonderer Berücksichtigung progredient erkrankter Kinder und Jugendlicher
7.1 Die Kinder- und Jugendliteratur
7.1.1 Ein literarisches Beispiel: „Bis dann, Simon” von David Hill
7.1.2 Märchen
7.2 Von den Möglichkeiten der Musik
7.3 Kreatives Schreiben, Zeichnen und Modellieren - weitere Möglichkeiten im Umgang und der Thematisierung von Sterben und Tod
7.4 Das Arbeiten mit Arbeitsblättern
7.5 Religionspädagogische Aspekte und Möglichkeiten im Umgang und der Thematisierung von Sterben und Tod
8. Von der Bedeutung und den Möglichkeiten der Elternarbeit
9. Der Umgang mit einem Todesfall in der Klasse oder der Schule - Möglichkeiten des Handelns
9.1 Gibt es eine Vorbereitung auf den Tod (eines Mitschülers)?
9.2 Das Sprechen mit den Schülern beim Tod eines Mitschülers
9.3 Trauer und Trauerarbeit in der Klassengemeinschaft
9.4 Rituale - eine Möglichkeit des Umgangs und der Bewältigung von Trauer
9.4.1 Das Begräbnisritual und die Trauerfeier
9.4.2 Trauerrituale und Rituale des Gedenkens in der Klasse
10. Zusammenfassung und abschließende Bemerkung
11. Literatur
12. Anhang
Die vorliegende Arbeit untersucht Möglichkeiten des Umgangs mit sowie der Thematisierung von Sterben, Tod und Trauer an Schulen für Körperbehinderte. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Pädagogen auf die besondere Lebenssituation progredient erkrankter Kinder und Jugendlicher reagieren können und welche Rolle der Unterricht sowie der Lehrer bei der Sterbebegleitung und Trauerarbeit in der Schule spielen.
2.1 Sterben
„Das Sterben ist jener Abschnitt des Lebens, der dem Tod vorausgeht; ist somit noch Teil des Lebens, der Tod gerade nicht mehr. Das Sterben ist ein prozeßhaftes Geschehen, das im Tod zu Ende kommt. Sterben bedeutet - mit Ausnahme plötzlicher Todesfälle - eine langsame Abnahme der Lebensqualität, eine zunehmende Beeinträchtigung der elementaren körperlichen Lebensfunktionen und schließlich den Ausfall zuerst einzelner, dann aller Organe” (Karusseit 1994, S. 60). Beendet ist die Sterbephase, rein biologisch gesehen, wenn auch die letzte Zelle des Organismus abgestorben ist (vgl. Blumenthal-Barby 1982 S.51).
Diese mögliche Definition gibt den äußeren Rahmen vor, berücksichtigt aber zu wenig die Bedeutung des Sterbens für das betroffene Individuum, welches für die Bearbeitung des gestellten Themas in dieser Arbeit wichtig ist. Somit möchte ich diese mögliche Definition mit Ausführungen von Löchner, Wetzig und Standtke (1992, S.361) ergänzen. Sie meinen, dass der Sterbeprozess ein sehr vielgestaltiges, individuelles Geschehen ist und jeder Sterbevorgang ein Einzelschicksal bedeutet. Dabei weisen sie u.a. auf den unterschiedlichen zeitlichen Ablauf (vom schnellen, Sekunden dauernden Herztod bis zu Jahren dauernde qualvolle Erkrankung), die verschiedenen Wahrnehmungsvorgänge des Sterbens, Unterschiede im jeweiligen emotionalen Zustand und körperlicher Verfassung hin. Außerdem kann der Sterbende nie losgelöst von seinen bisherigen Leben betrachtet werden. Das bedeutet, dass jeder Patient seine Krankheit oder Beeinträchtigung individuell abhängig von seiner Persönlichkeitsstruktur, seiner individuellen Lern- und Lebensgeschichte und seiner aktuellen Situation bewertet.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit, sich als Sonderschullehrer mit Sterben, Tod und Trauer auseinanderzusetzen, da dies einen zentralen Aspekt der Arbeit mit progredient erkrankten Schülern darstellt.
2. Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Sterben, Tod und Trauer und setzt sich kritisch mit Modellen wie der Phasenlehre von Kübler-Ross auseinander.
3. Die Untersuchung: Es wird das methodische Vorgehen der qualitativen schriftlichen Befragung von Lehrern an Schulen für Körperbehinderte in Sachsen-Anhalt beschrieben und begründet.
4. Notwendigkeit und Möglichkeit der Thematisierung von Sterben, Tod und Trauer im Unterricht der Schule für Körperbehinderte: Hier wird analysiert, warum die Auseinandersetzung mit dem Tod im Unterricht notwendig ist und welche Ansatzpunkte die Rahmenrichtlinien verschiedener Fächer bieten.
5. Umgang und Begleitung für das sterbende Kind /den sterbenden Jugendlichen im Schulalter unter Einbeziehung seiner sozialen Umwelt: Dieses Kapitel widmet sich der pädagogischen Herausforderung in der Begleitung sterbender Kinder und der Rolle des Lehrers in dieser Grenzsituation.
6. Die Begleitung lebensbedrohlich erkrankter Schüler im Unterricht: Der Fokus liegt hier auf Zieldimensionen der Förderung im Unterricht und der Bedeutung von Schule als Ort der Normalität.
7. Möglichkeiten zur Auseinandersetzung und unterrichtspraktische Umsetzung des Themas Sterben, Tod und Trauer in der Körperbehindertenschule unter besonderer Berücksichtigung progredient erkrankter Kinder und Jugendlicher: Es werden praxisorientierte Ansätze wie Kinderliteratur, Musik und kreative Gestaltungstechniken zur Thematisierung vorgestellt.
8. Von der Bedeutung und den Möglichkeiten der Elternarbeit: Die Bedeutung der Elternarbeit wird als notwendige Stütze im Verarbeitungsprozess der lebensbedrohlichen Erkrankung hervorgehoben.
9. Der Umgang mit einem Todesfall in der Klasse oder der Schule - Möglichkeiten des Handelns: Dieses Kapitel gibt konkrete Empfehlungen für das Handeln bei einem akuten Todesfall, inklusive Abschiedsrituale und Trauerarbeit.
10. Zusammenfassung und abschließende Bemerkung: Ein Resümee über die Ergebnisse und die persönliche Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Thematik für den Autor.
Sterbebegleitung, Trauerarbeit, Schule für Körperbehinderte, progrediente Erkrankung, lebensbedrohliche Erkrankung, Sonderschulpädagogik, Tod im Unterricht, Verlustbewältigung, Copingstrategien, Kinderliteratur, Elternarbeit, soziale Integration, Identitätsentwicklung, Sterbekultur, Inklusion.
Die Arbeit untersucht, wie Pädagogen an Schulen für Körperbehinderte die Thematik Sterben, Tod und Trauer in den Unterricht integrieren und betroffene Kinder in einer lebensbedrohlichen Situation begleiten können.
Im Zentrum stehen die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens, die Gestaltung pädagogischer Unterstützung für progredient erkrankte Schüler sowie die Einbeziehung des sozialen Umfeldes wie Eltern und Mitschüler.
Das Ziel ist es, Lehrern Handlungsmöglichkeiten und Orientierung zu bieten, um Kindern mit begrenzter Lebenserwartung einen würdevollen Lebens- und Schulalltag zu ermöglichen und sie bei ihrer Sinnsuche zu begleiten.
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf einer Auswertung relevanter Fachliteratur sowie einer schriftlichen Befragung von Lehrkräften an fünf Schulen für Körperbehinderte in Sachsen-Anhalt basiert.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der pädagogischen Begleitung sterbender Kinder, didaktischen Möglichkeiten (Literatur, Musik, Kunst), der Zusammenarbeit mit Eltern und dem Verhalten bei einem konkreten Todesfall in der Klasse.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sterbebegleitung, Trauerarbeit, Sonderschulpädagogik, Copingstrategien und psychosoziale Unterstützung geprägt.
Literatur dient als „Schutzraum“ und Medium, das es Schülern ermöglicht, sich dem Thema über fremde Schicksale zu nähern, Ängste zu verbalisieren und eigene Identität in Krisenzeiten zu stabilisieren.
Rituale bieten in einer Zeit der Verwirrung und Unsicherheit Halt und Orientierung. Sie ermöglichen ein gemeinsames Abschiednehmen und helfen dabei, Trauer als Teil der Lebenswirklichkeit zu begreifen und zu verarbeiten.
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