Examensarbeit, 2005
107 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Festlegung des theoretischen Begriffsrahmens
2.1 Was ist ein Deutscher?
2.2 Was ist ein Aussiedler?
2.3 Was ist ein Spätaussiedler?
2.4 Was sind Kontingentflüchtlinge?
3. Jugendiche aus der ehemaligen Sowjetunion: Lebenserfahrungen
3.1 Lebensbedingungen in den GUS-Staaten
3.2 Schulleben in den GUS-Staaten
3.3 Außerschulisches Leben in den GUS-Staaten
3.4 Freizeitaktivitäten in den GUS-Staaten
3.5 Änderungen im Schulsystem und in der Freizeitgestaltung nach der Auflösung der Sowjetunion
4. Was bedeutet Integration?
4.1 Verläuft die Integration der russischsprachigen Einwanderer reibungslos?
4.2 Nicht vorhandene Sprachkompetenz der russischsprachigen Einwanderer
4.3 Kommunales Umfeld der russischsprachigen Einwanderer
4.4 Autoritätsverluste der Eltern in der Familie
4.5 Einstufung der russischsprachigen Schüler in das deutsche Schulsystem und ihre Schwierigkeiten
4.6 Schul- und Berufssituation der russischsprachigen Jugendlichen
4.7 "Nirgendwo zu Hause"?
5. Umfrageaktion, Daten und Zahlen der Umfrage
5.1 Vorstellung des Genoveva-Gymnasiums
5.2 Verlauf der Umfrage
5.3 Zahlen und Daten der russischsprachigen Schüler des Genoveva-Gymnasiums
5.3.1 Geschlechterverteilung und Alter der Befragten
5.3.2 Ursachen der Aussiedlung aus den GUS-Staaten
5.3.3 Vorstellung der Einwanderer über Deutschland
5.3.4 Emotionen bei der Aussiedlung aus den GUS-Staaten
5.3.5 Herkunft der Befragten am Genoveva-Gymnasium
5.3.6 Aufenthaltsdauer der Befragten in Deutschland
6. Schwierigkeiten bei der Identitätswahrnehmung
6.1 Zugehörigkeitsempfindung der befragten Schüler
6.2 Unklare Zugehörigkeitsempfindungen bei den russischsprachigen Einwanderern
7. Außerschulische Situation der jungen russischsprachigen Einwanderer in Deutschland
7.1 Wohnumfeld der Befragten
7.2 Bekannten- und Freundeskreis der Befragten
7.3 „Sprache ist ein ganz wesentlicher Schlüssel zur Integration“
7.4 Russischer Anteil der Kultur der Befragten
8. Schulische Erfahrungen der jungen russischsprachigen Einwanderer
8.1 Einführung in das Schulsystem des Herkunftslandes
8.2 Gegenüberstellung der Empfindungen der Schulsysteme des Herkunftslandes und Deutschlands
8.2.1 "Mehr Freiheit als in meiner alten Schule"
8.2.2 Welche Schule fordert mehr Leistung?
8.2.3 Medieneinsatz im Unterricht und in der Schule
8.3 Wahrnehmung der Mitschüler durch russischsprachige Schüler
8.3.1 Kontakt zu den einheimischen Jugendlichen
8.3.2 Kontakt zu den Mitschülern anderer Nationalitäten
8.4 Wahrnehmung der Lehrer durch die russischsprachigen Schüler
8.4.1 Unterrichtsgestaltung an den Schulen des Herkunftslands und in Deutschland
8.4.2 Schüler-Lehrer-Verhältnis an den Schulen der beiden Länder
8.4.3 Auftreten der deutschen Lehrer
8.4.4 Wissen und Unwissen der deutschen Lehrer über die Lage der russischsprachigen Schüler
9. Zusammenfassung und Verbesserungsvorschläge hinsichtlich der Integration russischsprachiger Schüler
10. Schluss
11. Erstellung des Fagebogens für die Schüler des Genoveva-Gymnasiums
12. Auswertung des Fragebogens der Schüler des Genoveva-Gymnasiums
Die Arbeit untersucht die Erfahrungen, Wahrnehmungen und Identitätskonflikte russischsprachiger Jugendlicher nach deren Zuwanderung nach Deutschland. Im Zentrum steht die Frage, wie diese Schüler das deutsche Schulsystem im Vergleich zum Herkunftssystem empfinden und welche Faktoren ihre schulische sowie soziale Integration prägen oder behindern.
1. Einleitung
Diese Arbeit hat die Wahrnehmungen und Einstellungen russischsprachiger Jugendlicher aus der ehemaligen Sowjetunion, die Anfang der neunziger Jahre nach Deutschland kamen, zum Thema. Wie ich an dieses Thema komme? Es war ganz nahe liegend, da ich selbst Russin bin, mit 16 Jahren nach Deutschland kam und das Abitur auf dem internationalen Gymnasium in Köln-Mühlheim ablegte.
In den sechs Jahren, die ich auf dieser Schule verbrachte, lernte ich Deutsche, Türken, Italiener, Jugoslawen, „Russen“ und andere Nationalitäten kennen. Auf dieser Schule waren sehr viele „Russen“1. Nur, waren es wirklich „echte“ Russen?
Jeder, der sich auf dieser Schule auf Russisch verständigen konnte, war als „Russe“ definiert. Dabei kamen viele Russischsprachige nicht nur aus Russland, viele kamen aus Kasachstan, die Ukraine, Kirgisien und anderen, damals zur Sowjetunion gehörigen Ländern. Viele Menschen fragen sich: Wer sind all diese Menschen? Sind das Russen, Kasachen oder vielleicht Deutsche? Nach welchem Recht konnten sie nach Deutschland kommen? Warum durften sie für immer hier bleiben? Warum wollen sie nur unter sich bleiben? Warum stehen sie in den Pausen abseits von Schülern anderer Nationalitäten? Diese Fragen werden in der Schule meist nicht gestellt.
Von 1950 bis 1987 kamen rund 1,4 Mio. Aussiedler aus verschiedenen vornehmlich östlicheren Ländern nach Deutschland. Zwischen 1988 und 1996 wanderten ca. 2,3 Mio. Aussiedler in die Bundesrepublik ein, davon waren Jugendliche unter 20 Jahren. In den neunziger Jahren reagierte die deutsche Gesetzgebung auf die steigende Zahl der Zuwanderer. Die Einreisebedingungen und die Anerkennung als Aussiedler wurden erschwert.2 Hierauf wird noch zurückgekommen.
1. Einleitung: Die Autorin legt ihre persönliche Motivation dar, das Thema der russischsprachigen Jugendlichen aus der ehemaligen Sowjetunion zu behandeln, und skizziert die Migrationsgeschichte sowie die Forschungsfragen.
2. Festlegung des theoretischen Begriffsrahmens: Es werden grundlegende rechtliche und soziologische Begriffe wie Deutscher, Aussiedler, Spätaussiedler und Kontingentflüchtling definiert, um die Zuwanderungsgruppen besser einordnen zu können.
3. Jugendiche aus der ehemaligen Sowjetunion: Lebenserfahrungen: Dieses Kapitel beleuchtet die Lebensumstände, das Schulsystem und die Freizeitkultur in den ehemaligen GUS-Staaten vor und nach der Auflösung der Sowjetunion.
4. Was bedeutet Integration?: Theoretische Integrationsmodelle werden vorgestellt und auf die spezifische Situation der russischsprachigen Jugendlichen übertragen, wobei Barrieren wie Sprachdefizite und soziale Entfremdung analysiert werden.
5. Umfrageaktion, Daten und Zahlen der Umfrage: Die Autorin erläutert die methodische Durchführung ihrer Umfrage am Genoveva-Gymnasium und präsentiert grundlegende soziodemografische Daten der Befragten.
6. Schwierigkeiten bei der Identitätswahrnehmung: Hier wird untersucht, wie die Jugendlichen ihre eigene nationale Zugehörigkeit definieren und welche Identitätskonflikte im deutschen Umfeld entstehen.
7. Außerschulische Situation der jungen russischsprachigen Einwanderer in Deutschland: Das Kapitel widmet sich dem sozialen Leben der Jugendlichen außerhalb der Schule, insbesondere Wohnumfeld, Freundeskreis und der Rolle der russischen Sprache.
8. Schulische Erfahrungen der jungen russischsprachigen Einwanderer: Eine detaillierte Analyse der schulischen Integration, bei der die unterschiedlichen Erziehungsstile, das Lehrer-Schüler-Verhältnis und die Herausforderungen im Unterricht verglichen werden.
9. Zusammenfassung und Verbesserungsvorschläge hinsichtlich der Integration russischsprachiger Schüler: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und Ansätze zur besseren schulischen Integration sowie Förderung der Jugendlichen diskutiert.
Russischsprachige Einwanderer, Integration, Aussiedler, Spätaussiedler, ehemalige Sowjetunion, Identitätsbildung, Schulerfahrungen, Genoveva-Gymnasium, Sprachkompetenz, interkulturelle Erziehung, Migrationshintergrund, Bildungsabschluss, Sozialisation, Kulturaustausch, Lehrer-Schüler-Verhältnis.
Die Hausarbeit untersucht die Lebens- und Schulerfahrungen russischsprachiger Jugendlicher, die aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland eingewandert sind, und beleuchtet deren Integrationsprozesse im deutschen Alltag und im schulischen Kontext.
Zu den zentralen Themen gehören die Identitätswahrnehmung, die Bewältigung des Schulalltags, Sprachbarrieren, die Rolle des sozialen Umfelds sowie die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Erziehungsidealen zwischen Herkunftsland und Deutschland.
Das Ziel ist es, Schwierigkeiten der Integration aufzuzeigen, um Lehrkräften ein besseres Verständnis für die Problemlagen und Bedürfnisse dieser Schülergruppe zu ermöglichen und konkrete Verbesserungsvorschläge für die pädagogische Praxis zu formulieren.
Die Arbeit basiert auf einer empirischen Umfrage mittels eines zweisprachigen Fragebogens unter russischsprachigen Schülern des Genoveva-Gymnasiums in Köln, ergänzt durch eine Analyse relevanter Fachliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsbestimmungen, Beschreibungen der Herkunftserfahrungen, Analysen zur Identität und außerschulischen Situation sowie eine detaillierte Auswertung schulischer Aspekte wie Medieneinsatz, Leistungsanforderungen und das Verhältnis zu Lehrern.
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie "Identität", "Integration", "Aussiedler", "Bildungserfolg", "Sprachbarriere" und "Kultureller Wandel" bestimmt.
Sprache wird als wesentlicher Schlüssel zur Integration definiert; die Autorin zeigt jedoch auf, dass der Erhalt der russischen Sprache für die Identitätsbildung wichtig bleibt, während das Defizit in der deutschen Sprache soziale Kontakte zu Einheimischen erschwert.
Die Bewertung ist ambivalent: Während das deutsche System für seine Freiheit und Selbstständigkeit geschätzt wird, vermissen viele Schüler die Strenge, klare Disziplin und das hohe fachliche Anforderungsniveau, an das sie im Herkunftsland gewöhnt waren.
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