Bachelorarbeit, 2019
69 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Historisch-politischer Kontext
2.1. Zerfall Jugoslawiens
2.2. Die Welle des Nationalismus
3. Ethnonationalisierung der bosnischen Bevölkerung vor dem Krieg
3.1. Begriffsverständnis
3.2. Von der gesamtjugoslawischen Krise zur ethnonationalistischen Wendung in Bosnien-Herzegowina
3.3. Religion und Nationalismus
3.4. Identitätsfrage in Bosnien und Herzegowina
3.4.1. Die drei wichtigsten Konfliktparteien und ihre Interessen
3.4.2. Nicht-nationalistische Parteien
3.4.3. Die ersten Mehrparteienwahlen
3.5. Machtinstrumente der politischen Elite
4. Krieg als Mittel zum Zweck
5. Zerstörung des ethnischen Pluralismus
5.1. Dayton-Abkommen
5.1.1. Das Washington-Abkommen
5.1.2. Die Verhandlungen von Dayton
5.1.3. Der Inhalt des Daytoner Friedensabkommens
5.1.4. Kritik
5.2. Politische System: Streit um die staatliche Ordnung
5.3. Spaltung der Gesellschaft
5.3.1. Bildungswesen
5.3.2. Soziale Strukturen
5.3.3. Territoriale Verschiebung
5.3.4. Kultur
6. Kritische Überlegung
7. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Identitätspolitik nach dem Zerfall Jugoslawiens in Bosnien und Herzegowina zur Zerstörung des ethnischen Pluralismus geführt hat und auf welche Weise der Ethnonationalismus das Zusammenleben der Menschen unterschiedlicher ethnischer Abstammung erschwert oder zerstört hat.
3. Ethnonationalisierung der bosnischen Bevölkerung vor dem Krieg
Die neuen Machthaber schufen ein Volk, und eine gemeinsame Identität, und diese beruht „auf der Bindung an gemeinsame Wertüberzeugung, der Erinnerung an eine gemeinsame Geschichte und der Orientierung an gemeinsame Ziele. Die Teilhabe an dieser Identität und die Verpflichtungen auf bestimmte Werte ist es, die den Menschen zum Bürger und im Kriegsfall zum Soldaten macht.“
Diese Identität wurde durch den Prozess der Ethnonationalisierung geschaffen. Es wurden vielmehr drei verschiedene Identitäten innerhalb einer Bevölkerung gebildet, was zum wesentlichen Problem führte. Denn die meisten Staaten definieren sich durch das dominierende und bevölkerungsreichste Volk als Nationalstaaten. In Bosnien und Herzegowina jedoch stellte keine der drei ethnische Gruppen 50 Prozent der ganzen Bevölkerung dar. So soll in diesem theoretischen Teil der Arbeit erläutert werden, wie dieser Prozess der Ethnonationalisierung innerhalb der drei Ethnien ermöglicht wurde und wie er sich in der Zeit vor dem Krieg entwickelt hatte.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Identitätskrise nach dem Ende des sozialistischen Regimes ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich der Zerstörung des ethnischen Pluralismus.
2. Historisch-politischer Kontext: Hier wird der Zerfall der jugoslawischen Föderation und die einsetzende Welle des Nationalismus im Zuge der politischen Demokratisierung der 80er Jahre dargestellt.
3. Ethnonationalisierung der bosnischen Bevölkerung vor dem Krieg: Dieses Kapitel analysiert die theoretischen Grundlagen des Ethnonationalismus, die Politisierung der Identitätsfrage und die Rolle der Machteliten bei der Mobilisierung der Bevölkerung.
4. Krieg als Mittel zum Zweck: Dieses Kapitel untersucht den instrumentellen Charakter des Krieges, der primär als Mittel zur Durchsetzung nationalistischer Identitätspolitik diente.
5. Zerstörung des ethnischen Pluralismus: Hier wird das Dayton-Abkommen in Bezug auf Segregation kritisch untersucht und die daraus resultierende Spaltung von Gesellschaft, Bildung und Kultur analysiert.
6. Kritische Überlegung: Diese Überlegung reflektiert die aktuelle, politisch blockierte Lage Bosnien-Herzegowinas sowie den Widerstand der Bürger gegen die fortwährende Spaltung.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach die Identitätspolitik maßgeblich zur ethnischen Spaltung beigetragen hat, der ethnische Pluralismus jedoch trotz allem nicht vollständig zerstört ist.
Bosnien und Herzegowina, Ethnonationalismus, Identitätspolitik, Ethnizität, Zerfall Jugoslawiens, Dayton-Abkommen, Ethnische Segregation, Bildungswesen, Nationalismus, Politische Elite, Gesellschaftliche Spaltung, Mehrparteienwahlen, Multiethnischer Staat, Friedenskonsolidierung, Religion.
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der ethnonationalistischen Identitätspolitik auf das gesellschaftliche Zusammenleben und den ethnischen Pluralismus in Bosnien und Herzegowina nach dem Zerfall Jugoslawiens.
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Einordnung des Ethnonationalismus, die Rolle politischer Eliten bei der Mobilisierung, die kritische Analyse des Dayton-Abkommens und die Auswirkungen der Segregation auf Institutionen wie das Bildungssystem.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum Identitätspolitik in Bosnien und Herzegowina instrumentalisiert wurde, um eine ethnische Spaltung zu forcieren, und ob der ursprüngliche ethnische Pluralismus dadurch nachhaltig zerstört wurde.
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die auf der Auswertung aktueller Forschungsliteratur, Primärquellen wie Berichten des Sonderbeauftragten Mazowiecki sowie Analysen zum politischen System Bosnien-Herzegowinas basiert.
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in die Vorkriegszeit (Ethnonationalisierung), den instrumentellen Charakter des Krieges selbst sowie die Nachkriegszeit, in der die Segregation durch die neue staatliche Ordnung in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zementiert wurde.
Zentrale Begriffe sind Ethnonationalismus, ethnische Segregation, Identitätspolitik, Dayton-Abkommen, gesellschaftliche Spaltung und die Instrumentalisierung von Religion und Kultur.
Das Abkommen wird als Zäsur betrachtet, die zwar den Krieg beendete, aber gleichzeitig das Land in Entitäten aufteilte und so das ethnische Prinzip in der Staatsverfassung festschrieb, was die Spaltung der Gesellschaft weiter beförderte.
Obwohl eine starke politisch-institutionelle Blockade durch nationalistische Eliten besteht, betont die Autorin, dass innerhalb der Zivilgesellschaft, insbesondere durch das Engagement von Schülern, Tendenzen für ein friedliches Miteinander erkennbar sind.
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