Bachelorarbeit, 2019
66 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Waltons Interpretation von Gen 1,1-2,3
2.1 Der hermeneutische Rahmen
2.1.1 Grundsätzliche Methodologie
2.1.2 Materielle Ontologie vs. Funktionelle Ontologie
2.2 Altorientalische Schöpfungsmythen haben eine funktionale Ontologie
2.2.1 Die funktionale Gestalt des Kosmos
2.2.2 Die Rolle der Götter im Kosmos
2.2.3 Funktionsuntüchtiger Urzustand
2.2.4 Funktionale Schöpfungsaktivitäten
2.2.5 „Control attributes“ und „destinies“
2.2.6 Tempel und Kosmos
2.3 Gen 1,1-2,3 hat eine funktionale Ontologie
2.3.1 Gen 1,1 als einleitende Überschrift
2.3.2 ברא bezieht sich auf Funktionen
2.3.3 Gen 1,2: Der Urzustand ist funktionsuntüchtig
2.3.4 Funktionen und Funktionsträger
2.3.5 Gen 1,3-13: Die Tage 1-3 etablieren Funktionen
2.3.6 Gen 1,14-25: Die Tage 4-6 etablieren Funktionsträger
2.3.7 Ruhe, Tempel und Tempeleinweihung in Gen 1,1-2,3
2.4 Zusammenfassung
3 Gen 1,26-31 und Gen 2,4-25: Ein funktionsorientiertes Menschenbild
3.1 Die Erschaffung des Menschen in altorientalischer Literatur ist funktional
3.2 Die Erschaffung des Menschen in Gen 1,26-28 ist funktional
3.2.1 Der Mensch als Gottes Ebenbild und Herrscher auf Erden
3.2.2 Der Mensch soll sich vermehren
3.2.3 Der Mensch als Mann und Frau
3.3 Die Erschaffung des Menschen in Gen 2,4-24 ist archetypisch
3.3.1 Gen 2,4ff. ist eine Fortsetzung von Gen 1,1ff.
3.3.2 Die Erschaffung Adams
3.3.3 Die Erschaffung Evas
3.4 Zusammenfassung der Erschaffung des Menschen bei Walton
4 Kritische Reflexion von Waltons Ansatz
4.1 Gen 1 als altorientalisches Dokument
4.1.1 Der Einfluss altorientalischer Kultur
4.1.2 Funktionale oder materielle Ontologie?
4.2 Haben altorientalischen Schöpfungsmythen eine funktionale Ontologie?
4.3 Gen 1,1-2,3: Geht es ausschließlich um Funktionen?
4.3.1 Die literarische Funktion von Gen 1,1
4.3.2 Das Verb ברא
4.3.3 Die literarische Struktur von Gen 1,1-2,3
4.3.4 Gen 1,3-13: Die Tage 1-3
4.3.5 Gen 1,14-25: Die Tage 4-6
4.3.6 Ist Genesis 1,1-2,3 ein Tempeltext?
4.3.7 Zusammenfassung zu Gen 1,1-2,3
4.4 Die Erschaffung des Menschen
4.4.1 Die Erschaffung des Menschen in altorientalischer Literatur
4.4.2 Die Erschaffung des Menschen in Gen 1,26-28
4.4.3 Die Erschaffung des Menschen in Gen 2,4-24
5 Fazit und Ausblick
6 Bibliografie
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem hermeneutisch-exegetischen Ansatz von John H. Walton auseinander, der Gen 1,1-2,3 als einen Text versteht, der keine materielle, sondern eine rein funktionale Schöpfung beschreibt. Das primäre Ziel ist es, Waltons These der funktionalen Ontologie zu prüfen, insbesondere im Hinblick auf das in Genesis präsentierte Menschenbild, und zu untersuchen, ob der funktionale Aspekt ein materielles Verständnis zwangsläufig ausschließt.
3.2.1 Der Mensch als Gottes Ebenbild und Herrscher auf Erden
Gen 1,27 berichtet davon, dass Gott den Menschen in seinem Bilde schafft. Walton verortet den Ursprung der Ebenbildlichkeit des Menschen im altorientalischen Denken. Er erwähnt, dass (Götter-)Bilder im AVO die Essenz bzw. das Wesen der Gottheit transportieren sollten. „This does not suggest that the image could do what the deity did or that it looked the same as the deity. Rather, the deity´s work was thought to be accomplished through the idol.“ Das Bild hatte also keine materiell-ontologische-, sondern funktionale Bedeutung. Unter 2.4.1 habe ich bereits das altorientalische Konzept vom Menschen als Ebenbild Gottes angeschnitten. In den meisten Texten wird es auf den König bezogen. Diese Tatsache macht deutlich, dass Ebenbildlichkeit eng mit Herrschaft verknüpft wurde – eine Verbindung, die auch in Gen 1,26-28 auftaucht. In Mesopotamien und Ägypten haben Könige Bilder von sich dort aufgestellt, wo sie ihre Autorität etablieren wollten. Pharaonen wollten auf diese Weise ihre Gegenwart und ihren Schutz ausdrücken. Diese Bilder sollten also nicht das Aussehen des Herrschers möglichst getreu wiedergeben, sondern Ausdruck seiner Herrschaft sein, was übrigens mit dem oben genannten Verständnis über (Götter-)Bilder übereinstimmt.
Walton sieht enge Parallelen zwischen dem, was in altorientalischen Texten und in Genesis über den Menschen als Ebenbild ausgesagt wird. So werde das Ebenbild in Gen 1,27 ebenfalls eng mit der Herrschaft des Menschen verknüpft. Die Herrschaft selbst werde in Gen jedoch in wichtigen Details völlig anders verstanden. Ein Unterschied ist nach Walton die universale Sichtweise in Gen, die jeden Menschen als Herrscher miteinschließt und sich nicht nur, wie im AVO üblich, auf den König bezieht. Ein zweiter Unterschied resultiere aus dem ersten: Die Objekte, die beherrscht werden, sind unterschiedlich. Während in Texten aus dem AVO Menschen und Königreiche beherrscht werden, ist es in Gen die restliche Schöpfung. Walton betont, dass der hebräische Begriff für Ebenbild (צֶלֶם) in Gen 1,27 keine äußere, physikalische Ähnlichkeit von Gott und Mensch impliziert: „It is a representative in physical form, not a representation of the physical appearance.“ Der Mensch ist also insofern das Ebenbild Gottes, als dass er als Herrscher göttliche Funktionen ausübt. Die Ebenbildlichkeit ist damit funktionaler Natur und sollte nicht physisch-materiell verstanden werden.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Verhältnisses von Altem Testament und altorientalischem Kontext ein und stellt den hermeneutisch-exegetischen Ansatz von John H. Walton zur Diskussion.
2 Waltons Interpretation von Gen 1,1-2,3: Dieses Kapitel erläutert Waltons These einer funktionalen Ontologie, die den Schöpfungsbericht nicht als materiellen Bericht, sondern als Zuweisung von Funktionen und Rollen in einem geordneten System versteht.
3 Gen 1,26-31 und Gen 2,4-25: Ein funktionsorientiertes Menschenbild: Der Fokus liegt auf der Interpretation des Menschen als Gottes Ebenbild, wobei Walton die Erschaffung des Menschen sowohl in Gen 1 als auch in Gen 2 als funktional bzw. archetypisch deutet.
4 Kritische Reflexion von Waltons Ansatz: Hier erfolgt eine methodische Auseinandersetzung mit Waltons Ergebnissen, wobei der Autor zwar dem funktionalen Schwerpunkt zustimmt, aber die Negierung einer materiellen Dimension im Text kritisiert.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Schwierigkeiten bei der Verbindung von funktionalem biblischem Textverständnis und modernen wissenschaftlichen Fragen.
6 Bibliografie: Dieses Kapitel listet alle verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literatur auf.
Genesis 1, John H. Walton, Funktionale Ontologie, Materielle Ontologie, Schöpfung, Altorientalistik, Gottes Ebenbild, Herrschaftsauftrag, Archetypisch, Kosmogonie, Tempel, Urzustand, Funktionsträger, Exegese, Hermeneutik.
Die Arbeit analysiert den hermeneutisch-exegetischen Ansatz von John H. Walton zum Schöpfungsbericht in Genesis 1 und 2, der die biblische Schöpfung in den Kontext der altorientalischen Denkkultur stellt.
Zentrale Themen sind die funktionale gegenüber der materiellen Ontologie, das Menschenbild als Ebenbild Gottes, die Verbindung von Kosmos und Tempel sowie die kritische Reflexion moderner Interpretationsmodelle.
Die Arbeit fragt, ob Waltons Theorie der funktionalen Schöpfung in Genesis überzeugt und ob dieser funktionale Aspekt ein materielles Interesse am Schöpfungsakt des biblischen Textes tatsächlich ausschließt.
Der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche und exegetische Methode, die sich auf den Vergleich zwischen biblischen Texten und altorientalischen Schöpfungsmythen (Kulturvergleich) stützt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Waltons Ansatz (Gen 1-2), die Untersuchung seines Menschenbildes und die kritische Reflexion dieser Argumente im Dialog mit anderen Genesis-Kommentatoren.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie funktionale Ontologie, Schöpfung, Ebenbildlichkeit, Herrschaft, Archetypik, Altorientalistik und Exegese.
Der Autor bewertet diese Argumentation als schwach, da er nur wenige textinterne Hinweise in Genesis 1 für eine solche Tempeldeutung findet und stattdessen die Bedeutung des Schabbats stärker betont.
Obwohl der Autor Waltons funktionale Lesart in vielen Punkten für überzeugend hält, widerspricht er der Schlussfolgerung, dass die funktionale Ebene die materielle Ebene negiere, und sieht in Genesis durchaus auch eine materielle Schöpfungsaussage.
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