Masterarbeit, 2019
88 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
1.1 Motivation
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau
2 Mentalisierung
2.1 Definition und Begriffsbestimmung
2.1.1 Automatisches (implizit) vs. kontrolliertes (explizit) Mentalisieren
2.1.2 Internal fokussiertes (inneres) vs. extern fokussiertes (äußeres) Mentalisieren
2.1.3 Selbstorientiertes (Selbst) vs. fremdorientiertes (Andere) Mentalisieren
2.1.4 Kognitives vs. affektives Mentalisieren
2.2 Entwicklung der Mentalisierungsfähigkeit
2.2.1 Affektspiegelung
2.2.2 Bindung und Mentalisierung
2.2.3 Nichtmentalisierende und prämentalisierende Modi
2.2.4 Empirische Zugänge
2.2.5 Mentalisierungsinteresse
2.3 Einflussfaktoren auf die Mentalisierungsfähigkeit und das -interesse
2.3.1 Kultur
2.3.2 Trauma
3 Ausgewählte Grundlagen zu Afghanistan
3.1 Geographische Grundlagen
3.2 Kultur
3.3 Erziehung
4 Attributional Complexity Scale als Messinstrument
4.1 Entwicklung des Fragebogens
4.2 Darstellung des Fragebogens
4.3 Proband*innen und Durchführung
4.4 Ergebnisauswertung der ACS und statistische Analyse
4.5 Integration der Ergebnisse in den aktuellen Forschungsstand und Ergebnisinterpretation
4.6 Limitationen
5 Schluss
5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2 Fazit
5.3 Ausblick
7 Anhang
Anhang A: ACS Deutsch
Anhang B: ACS Persisch
Anhang C: ACS-Werte der afghanischen Proband*innen
Anhang D: ACS-Werte der deutschen Proband*innen
Anhang E: Einfaktorielle Varianzanalyse des Faktors Herkunft
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht in einer vergleichenden, quantitativen Untersuchung des Mentalisierungsinteresses von in Deutschland lebenden Afghan*innen und Deutschen, um zu prüfen, ob die kulturelle Herkunft einen signifikanten Einfluss auf dieses Konstrukt hat und somit eine Notwendigkeit besteht, Kultur stärker in die Mentalisierungstheorie zu integrieren.
1.1 Motivation
Seit 2015 hat sich die Zahl der in Deutschland lebenden Afghan*innen stetig erhöht, bis auf 257.110 in 2018 (STATISTA 2019). Pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte in Kindertagesstätten und Schulen werden immer häufiger mit unterschiedlichen kulturellen Vorstellungen von Erziehung und Bindung konfrontiert. Meinungen über sichere Bindung, Affektregulierung oder das Interesse an Erklärungsweisen für menschliches Verhalten, die dem Mentalisierungskonzept zugrunde liegen, variieren kulturspezifisch.
Mentalisierung wird nicht als theoretisches Bewusstsein verstanden, sondern als „die Art und Weise, wie Bindungsbeziehungen interpretiert werden“ (vgl. TAUBNER 2015, 15). Beziehungen begleiten Menschen ein Leben lang. Angefangen von der Schwangerschaft, der Geburt, frühen Erfahrungen mit Eltern und/oder anderen Bezugspersonen, der Kindertagesstätte oder auch der Schule. Somit ist eine genauere kulturspezifische Betrachtung dieses Konzepts für den zwischenmenschlichen und pädagogischen Alltag unumgänglich. Das Mentalisierungskonzept geht auf den Psychologen Peter Fonagy und die Psychologin Mary Target zurück, die auf Grundlage der Bindungstheorie ein Konzept über das Reflektieren mentaler Zustände von sich selbst und anderen bildeten.
Mentalisierung beschreibt die prozesshaft erworbene Fähigkeit, bei der die inneren kognitiven und affektiven Zustände und das Verhalten der eigenen Person und anderer in zwischenmenschlichen Interaktionen beteiligten Personen wahrgenommen sowie interpretiert werden (vgl. LUYTEN ET AL. 2015, 76). Dass eine kulturspezifische Betrachtung zum Bindungs- oder Mentalisierungskonzept nicht auf das Verständnis der jeweiligen Kultur ausgerichtet ist, „sondern dazu dient, Universalität zu demonstrieren“ (KELLER 2019, 59), wird der alltäglichen pädagogischen Arbeit in einer multikulturellen Gesellschaft wie in Deutschland nicht gerecht. Immer wieder führt die ethnozentrierte Betrachtung von richtiger Erziehung, Bindung oder Mentalisierung auf Grundlage der Vorstellung euroamerikanischer Mittelschichtsfamilien zu Unverständnis oder Missverständnissen in der pädagogischen Arbeit.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsrelevanz des Mentalisierungskonzepts in einer multikulturellen Gesellschaft ein und definiert das Ziel, den Einfluss der Herkunft auf das Mentalisierungsinteresse zu untersuchen.
2 Mentalisierung: Dieses Kapitel erläutert den aktuellen Forschungsstand zu Mentalisierungsfähigkeit, deren Dimensionen, die Bedeutung der Affektspiegelung sowie den Einfluss von Kultur und Trauma.
3 Ausgewählte Grundlagen zu Afghanistan: Es werden relevante kulturelle Normen, Werte und Erziehungsstile der afghanischen Gesellschaft dargestellt, um eine Grundlage für die kultursensible Untersuchung zu schaffen.
4 Attributional Complexity Scale als Messinstrument: Dieses Kapitel beschreibt das gewählte Messinstrument, die Durchführung der Studie mit den Stichproben sowie die statistische Auswertung und Interpretation der Ergebnisse.
5 Schluss: Die Arbeit fasst im Schlussteil die Ergebnisse zusammen, zieht ein Fazit zur Bedeutung der Kultursensibilität für das Mentalisierungskonzept und skizziert Ansätze für zukünftige Forschung.
Mentalisierung, Mentalisierungsinteresse, Attributional Complexity Scale, Bindungstheorie, Kulturvergleich, Afghanistan, Erziehungsziele, interdependente Erziehung, independente Erziehung, Trauma, Affektspiegelung, soziale Kognition, quantitative Studie, Migrationshintergrund, pädagogischer Alltag.
Die Arbeit untersucht das Mentalisierungsinteresse – also die Neigung, über die Ursachen menschlichen Verhaltens nachzudenken – bei zwei unterschiedlichen Gruppen: in Deutschland lebenden Afghan*innen und Deutschen.
Die zentralen Themen sind das Mentalisierungskonzept nach Fonagy und Target, Bindungstheorie, interkulturelle Erziehungsstile (kollektivistisch vs. individualistisch) sowie der Einfluss von Herkunft und Trauma auf die psychologische Reflektionsfähigkeit.
Das primäre Ziel ist es, empirisch zu prüfen, ob die kulturelle Herkunft einen signifikanten Einfluss auf das Mentalisierungsinteresse hat und ob eine Erweiterung des bisherigen, oft eurozentrisch geprägten Mentalisierungskonzepts notwendig ist.
Es handelt sich um eine vergleichende, quantitative Studie. Als Messinstrument wird die "Attributional Complexity Scale" (ACS) eingesetzt, deren Daten statistisch mittels Varianzanalyse ausgewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Mentalisierung und afghanischer Kultur sowie in den empirischen Teil, in dem der Fragebogen vorgestellt, die Stichprobe beschrieben und die Messergebnisse interpretiert werden.
Wichtige Begriffe sind Mentalisierungsinteresse, Attributional Complexity Scale, Bindungstheorie, Kulturvergleich, afghanische Erziehungsmuster und die kritische Auseinandersetzung mit der Universalität psychologischer Modelle.
Die Arbeit stellt heraus, dass afghanische Erziehung oft interdependent und kollektivistisch geprägt ist (Fokus auf das "Wir", Respekt vor Älteren, Abhängigkeit), während die westliche Erziehung stärker unabhängig und individualistisch ("Ich-Fokus") orientiert ist.
Trauma wird als ein Faktor diskutiert, der die Mentalisierungsfähigkeit beeinträchtigen, aber bei erfolgreicher Verarbeitung durch eine erhöhte affektive Empathie auch positiv auf die Attributionskomplexität wirken kann.
Die Studie zeigt ein signifikant höheres Mentalisierungsinteresse bei der afghanischen Stichprobe im Vergleich zur deutschen, was unter anderem auf die höheren kognitiven Anforderungen in stabilen, kollektivistischen sozialen Netzwerken zurückgeführt wird.
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