Bachelorarbeit, 2019
83 Seiten, Note: 2,1
A. Theoretischer Bezugsrahmen
1. Einleitung
2. Forschungsstand und Forschungsfrage
3. FOUCAULT
3.1 Diskurs und Macht
3.2 Diskurse und ihre Wirkung auf Konstrukte
4. RASSISMUS
4.1 Rassismus als Diskurs
4.2 Alltagsrassismus
4.3 Rassismus und Schule
4.4 Rassismus nach Lehrplan
4.5 Rassismus in Schulbücher
5. INSTITUTIONELLE DISKRIMINIERUNG
5.1 Institutionelle Diskriminierung im Kontext Schule: Gomolla und Radtke
5.2 Stigmatisierungsprozesse: Goffman
5.3 Forschungsstand: Bewertungspraxis der LehrerInnen
5.4 Kompetenzen der LehrerInnen im Sektor Notengebung
5.5 Machtverhältnisse zwischen LehrerInnen und SchülerInnen
5.6 Pygmalion Effect: Rosenthal & Jacobson
5.7 Erwartungseffekte
6. MIGRATION
6.1 SchülerInnen mit Migrationshintergrund an deutschen Schulen
6.2 Migrationspädagogik: Mecheril
B. Empirischer Teil
7. FORSCHUNGSDESIGN
7.1 Methodik
7.2 Situationsanalyse nach Adele Clarke
7.3 Problemzentriertes Interview
7.4 Leitfaden Interview
7.5 Ausführung Interview
7.6 Analyse und Darstellung der Befunde
8. FAZIT und AUSBLICK
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der latenten institutionellen Diskriminierung und des latenten Rassismus durch Lehrkräfte an deutschen Schulen. Ziel ist es, die Rolle von LehrerInnen bei Bildungsmisserfolgen von SchülerInnen mit Migrationshintergrund zu analysieren und zu prüfen, ob stereotypes Denken zu deren Benachteiligung führt.
1. Einleitung
In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist der erste Artikel [Menschenwürde] aufgeführt: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, der zweite Artikel [Diskriminierungsverbot] lautet: „Jeder Mensch hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeine Unterscheidung“.1963 verabschiedeten die Vereinigten Nationen eine Deklaration zur Beseitigung der Rassendiskriminierung. Zur Kontrolle hierfür wurde das CERD - Committee on the Elimination of Racial Discrimination gegründet. Nach vergleichbaren Intentionen schuf die Europäische Union 1993 die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz, ECRI - European Commission against Racism and Intolerance.
Ab 1998 bis 2007 generierte die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, EUMC - European Monitoring Centre on Racism and Xenophobia, Daten zu Rassismus in Europa, sie wurde ersetzt durch die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte FRA - European Union Agency for Fundamental Rights und wirkt seither mit thematisch expandierender Weisung. Gleichermaßen setzen sich weltweit Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) gegen Rassismus und Diskriminierung ein. Wie die große Auswahl an Literatur aufzeigt, setzt sich die Wissenschaft ebenfalls mit diesem Thema auseinander und fordert die Gesellschaften auf, das Optimale an Freiheit und Gleichheit aller Menschen zu stärken. Diese ganzen Anstrengungen demonstrieren, dass Rassismus verpönt und verschrien zu sein scheint. Trifft dies zu, oder zeugen gerade diese Implementierungen gegen Rassismus und Diskriminierung, dass in diesem Kontext ein weltweites Problem besteht?
„Rassismus ist weltweit verrufen und dauert überall an“ (Hund 2007: 5). Folgende Studie bestätigt die Vermutung der vorigen Frage. Die Europäische Grundrechteagentur FRA führte eine europaweite Umfrage durch, an der 23 500 Personen aus 27 EU-Ländern teilgenommen hatten. Jede/r Dritte gab an, dass sie/er aufgrund ihrer/seiner Herkunft in den letzten zwölf Monaten diskriminiert wurde. Des Weiteren erklärten 12% schon einmal Opfer von tätlicher und verbaler diskriminierender Gewalt gewesen zu sein. Allerdings wurde in der Studie auch deutlich, dass 82% der direkt von Rassismus Betroffenen, die Vorfälle nicht öffentlich machen, sie also nicht melden (vgl. EU-MIDIS 2009).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die menschenrechtliche Problematik ein, beleuchtet das weltweite Phänomen Rassismus und skizziert die Relevanz der Untersuchung von Diskriminierungsmechanismen innerhalb der Institution Schule.
2. Forschungsstand und Forschungsfrage: Das Kapitel identifiziert Forschungslücken im Bereich der institutionellen Diskriminierung in Deutschland und leitet daraus die zentrale Forschungsfrage nach der Rolle der LehrerInnen bei Bildungsmisserfolgen ab.
3. FOUCAULT: Dieser Abschnitt erläutert die diskurstheoretischen Grundlagen nach Michel Foucault, die als theoretisches Fundament für die Analyse von Machtstrukturen im schulischen Kontext dienen.
4. RASSISMUS: Hier wird Rassismus als Diskurs und Ideologie definiert sowie die Bedeutung des Alltagsrassismus und der Rolle von Schulbüchern und Lehrplänen kritisch reflektiert.
5. INSTITUTIONELLE DISKRIMINIERUNG: Dieses Kapitel vertieft die Mechanismen institutioneller Diskriminierung, bewertet die Notengebung als Selektionspraxis und untersucht Machtasymmetrien sowie Erwartungseffekte zwischen Lehrkräften und Lernenden.
6. MIGRATION: Der Fokus liegt hier auf der Migrationspädagogik und der spezifischen Situation von SchülerInnen mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem.
7. FORSCHUNGSDESIGN: Die methodische Vorgehensweise wird beschrieben, wobei das qualitative Forschungsdesign, die Situationsanalyse nach Clarke und die Durchführung problemzentrierter Interviews im Zentrum stehen.
8. FAZIT und AUSBLICK: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, zeigt die Reproduktion von Diskriminierung durch unreflektiertes Handeln auf und plädiert für eine Reform der Lehrerbildung.
Institutionelle Diskriminierung, Rassismus, Schule, LehrerInnen, Migrationshintergrund, Machtverhältnisse, Bildungsbenachteiligung, Diskursanalyse, Stigmatisierung, Alltagsrassismus, Notengebung, Bildungserfolg, Grounded Theory, Machtasymmetrie, Erwartungseffekte.
Die Arbeit analysiert, inwiefern institutionelle Diskriminierung und latenter Rassismus durch Lehrkräfte im deutschen Schulsystem existieren und wie diese Prozesse den Bildungserfolg von SchülerInnen mit Migrationshintergrund negativ beeinflussen können.
Die Arbeit behandelt Themen wie Diskursmacht nach Foucault, Rassismus als Ideologie, Institutionelle Diskriminierung, Bewertungspraxis und Notengebung, Stigmatisierungsprozesse sowie Migrationspädagogik.
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welche Rolle spielen die LehrerInnen bei Bildungsmisserfolgen von SchülerInnen mit Migrationshintergrund?
Es wurde ein empirisch-qualitatives Forschungsdesign gewählt. Die Analyse basiert auf problemzentrierten Experteninterviews, die nach der Situationsanalyse (einer Weiterentwicklung der Grounded Theory) von Adele Clarke ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Bezugsrahmen (Foucault, Rassismus-Begriffe, Institutionelle Diskriminierung und Migration) sowie einen empirischen Teil, in dem zwei Lehrerinterviews komparativ analysiert werden.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Institutionelle Diskriminierung, Machtverhältnisse, Alltagsrassismus, Notengebung, Bildungserfolg und Migrationspädagogik.
Der heimliche Lehrplan beinhaltet unbewusste Organisationsstrukturen und Interaktionsparadigmen, die Machtstrukturen aufrechterhalten und so selektierte Gruppen – wie SchülerInnen mit Migrationshintergrund – subtil benachteiligen.
Der Pygmalion-Effekt zeigt, dass Erwartungshaltungen von Lehrkräften die tatsächliche Leistungsentwicklung von SchülerInnen beeinflussen können; negative Erwartungen können somit eine "selbsterfüllende Prophezeiung" im negativen Sinne provozieren.
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