Bachelorarbeit, 2019
35 Seiten, Note: 1,3
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Einleitung
2. Die Anthroposophie im Überblick
3. Michael Endes Weg zur Anthroposophie
3.1. Die Anthroposophie im Werk Michael Endes
4. Momo
4.1. Momo – Ein Kind im Sinne Steiners
4.2. Die passive Protagonistin
4.3. Meister Hora und Momo – Lehrer und Schülerin
4.4. Momos Inkarnation
4.5. Die aktive Protagonistin
5. Zwischenfazit
6. Die unendliche Geschichte
6.1. Die unendliche Geschichte – Ein anthroposophisches Märchen?
6.2. Die Kindliche Kaiserin als Verkörperung des ewig Kindlichen
6.3. AURY N als Macht der Freiheit
6.4. Bastians Inkarnation
7. Das Werk Michael Endes und die Anthroposophie heute
8. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Einfluss der anthroposophischen Gedankenwelt von Rudolf Steiner auf das literarische Schaffen von Michael Ende, mit besonderem Fokus auf die Romane "Momo" und "Die unendliche Geschichte". Die zentrale Forschungsfrage widmet sich dabei der kritischen Analyse, wie anthroposophische Konzepte – wie etwa das "ewig Kindliche", die Vorstellung von Inkarnation oder das Ideal des gehorsamen Kindes – in die Erzählstrukturen und Charakterkonzeptionen Einflüsse ausüben und welche problematischen Aspekte sich daraus ergeben.
4.2. Die passive Protagonistin
Wie in Kapitel 2 gezeigt wurde, verlangt das Idealbild eines Lehrkörpers in der Anthroposophie ein Kind, das idealerweise gehorsam ist und sich in eine Position begibt, in der es willentlich aufnimmt, was Lehrer bzw. Erwachsene ihm erzählen. Dass dieses Konzept inhärent paradox ist, wenn man Steiners Überlegungen zum freien Willen bedenkt, steht außer Frage. Interessant ist jedoch, dass Momo, die als ebendieser „Freigeist“ eingeführt wurde, trotzdem auch das Ideal des stets gehorsamen Kindes verkörpert.
Neben ihrem verwilderten Äußeren ist Momos hervorstechendste Charaktereigenschaft, dass sie eine gute Zuhörerin ist. Im zweiten Kapitel stellen die Bewohner der an das Amphitheater angrenzenden Stadt fest, dass, sie wenn sie zu Momo gehen und ihr aus ihrem Leben erzählen, wesentlich glücklicher sind als vorher, wie der folgende Absatz zeigt:
„Aber warum? War Momo vielleicht so unglaublich klug, dass sie jedem Menschen einen guten Rat geben konnte? Fand sie immer die richtigen Worte, wenn jemand Trost brauchte? Konnte sie weise und gerechte Urteile fällen? Nein, das alles konnte Momo ebenso wenig wie jedes andere Kind. Konnte Momo dann vielleicht irgendetwas, das die Leute in gute Laune versetzte? Konnte sie zum Beispiel schön singen? Oder konnte sie irgendein Instrument spielen? Oder konnte sie – weil sie doch in einer Art Zirkus wohnte – am Ende gar tanzen oder akrobatische Kunststücke vorführen? Nein, das war es auch nicht. Konnte sie vielleicht zaubern? Wusste sie irgendeinen geheimnisvollen Spruch, mit dem man alle Sorgen und Nöte vertreiben konnte? Konnte sie aus der Hand lesen oder sonst wie die Zukunft voraussagen? Nicht von alledem. Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: zuhören. Das ist nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.“
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Biografie Michael Endes ein und verdeutlicht die Notwendigkeit, den Einfluss der Anthroposophie auf sein Werk kritisch zu hinterfragen.
2. Die Anthroposophie im Überblick: Dieses Kapitel erläutert die Grundkonzepte der anthroposophischen Lehre, insbesondere die Gliederung des Menschen und die Rolle des Lehrers als pädagogische Autorität.
3. Michael Endes Weg zur Anthroposophie: Hier wird der biografische Zugang des Autors zu den Ideen Rudolf Steiners beschrieben und die Bedeutung dieser Weltanschauung für sein Verständnis von Phantasie und Moral dargelegt.
4. Momo: Der Roman wird als Spiegelbild anthroposophischer Erziehungsideale analysiert, wobei besonders die Passivität der Hauptfigur und ihre Rolle als Schülerin von Meister Hora im Fokus stehen.
5. Zwischenfazit: Dieses Kapitel bündelt die bisherigen Erkenntnisse über die Verflechtung von anthroposophischen Idealen und der Romanhandlung von Momo.
6. Die unendliche Geschichte: Die Analyse konzentriert sich auf die Funktion der Phantasie und die Rolle der Kindlichen Kaiserin als Verkörperung anthroposophischer Konzepte im zweiten großen Roman.
7. Das Werk Michael Endes und die Anthroposophie heute: Hier wird die anhaltende Rezeption der Romane im Kontext der Waldorfpädagogik reflektiert und kritisch hinterfragt.
8. Fazit und Ausblick: Diese abschließende Betrachtung fasst zusammen, wie stark anthroposophische Ideologien das Werk durchdringen und mahnt zu einem reflektierten Umgang mit diesen Einflüssen.
Michael Ende, Anthroposophie, Rudolf Steiner, Waldorfpädagogik, Momo, Die unendliche Geschichte, Phantasie, Erziehung, Kindliches Ideal, Inkarnation, Gehorsam, Moralische Phantasie, Literarische Analyse, Menschenbild, Esoterik.
Die Arbeit untersucht den Einfluss der anthroposophischen Weltanschauung Rudolf Steiners auf das literarische Schaffen von Michael Ende.
Im Zentrum stehen die Konzepte der Erziehung, die Rolle des Kindes, die Bedeutung der Phantasie sowie die autoritäre Struktur zwischen Lehrer und Schüler.
Das Ziel ist aufzuzeigen, inwieweit die anthroposophische Lehre die Romane "Momo" und "Die unendliche Geschichte" prägt und welche problematischen moralischen oder pädagogischen Strukturen sich daraus ableiten lassen.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse sowie den Abgleich mit anthroposophischer Fachliteratur und biographischen Daten des Autors.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Textanalyse der Romane "Momo" und "Die unendliche Geschichte" unter Berücksichtigung anthroposophischer Figurenkonstellationen und Motive.
Die wichtigsten Schlagworte sind Michael Ende, Anthroposophie, Waldorfpädagogik, Phantasie, Gehorsam und Menschenbild.
Sie wird als Allegorie auf die Phantasie gedeutet, die für die Selbstwerdung der Hauptfigur Bastian essenziell ist, jedoch ebenfalls den anthroposophischen Vorstellungen unterliegt.
Das Ideal des Kindes wird kritisch beleuchtet: Während das Kind als "Freigeist" eingeführt wird, zeigt die Analyse, dass es durch Gehorsam gegenüber der Lehrerfigur (Meister Hora) in ein anthroposophisches Idealbild gepresst wird.
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