Examensarbeit, 2005
80 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Zum Begriff der Persönlichkeit
3 Die kulturhistorische Schule, das materialistische Menschenbild und das System Psyche
4 Die Entwicklung der Persönlichkeit und ihre Bedingungen
4.1 Der Prozess des kulturellen ‚Hineinwachsens’
4.1.1 Die Sprache als Hülle der Gesellschaftserfahrung
4.1.2 Zum Verhältnis von Sprache und Denken
4.1.3 Das Gesetz des Hineinwachsens
4.2 Die Dynamik der Altersstufen
4.3 Die Entwicklung im Jugendalter nach Vygotskij
4.4 Behinderung als Folge misslungener Enkulturation?
5 Ist die Entwicklung des Intellekts, höherer Abbildniveaus und einer reflexiven Persönlichkeit also nur über die Ausbildung wissenschaftlicher Begriffe möglich?
6 Die Bedeutung der Tätigkeit für die Entwicklung
6.1 Die Tätigkeitstheorie
6.2 Die Emotionen
6.2.1 Emotionen und Bindung
6.2.2 Emotionen und Bindungssicherheit haben Einfluss auf die Entwicklung
6.3 Die Folgen der Diagnose ‚Behinderung’ für die Bindungssicherheit
7 Das Konzept der dominierenden Tätigkeit
8 Die zweite soziale Geburt der Persönlichkeit
8.1 Wie sich die Veränderungen des Jugendalters im Alltag bemerkbar machen
8.2 Jugendliche mit Behinderung
9 Wie kann die Persönlichkeitsentwicklung zum Kern von inklusivem Unterricht werden?
9.1 Des Kaisers neue Kleider? - kritische Auseinandersetzung mit dem Inklusionskonzept
9.2 Abwertung und Ersetzung des Integrationsbegriffs
9.3 Das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern
9.4 Der Unterrichtsgegenstand
9.5 Das Verhältnis zwischen den Schülern
10 Fazit
Die Examensarbeit untersucht auf Basis der kulturhistorischen Schule der sowjetischen Psychologie, wie die Persönlichkeitsentwicklung Jugendlicher in der Sekundarstufe I innerhalb inklusiver Klassen verläuft. Die zentrale Forschungsfrage lautet, welche Inhalte und Methoden in der gemeinsamen Beschulung die emotional-soziale Persönlichkeitsentwicklung sowohl von behinderten als auch von nichtbehinderten Schülerinnen und Schülern fördern und wie diese als Kern von inklusivem Unterricht etabliert werden können.
Die Dynamik der Altersstufen
Die inneren Veränderungen und Entwicklungen sind ein guter Indikator zur Bestimmung der Hauptetappen der Persönlichkeit beim Kind, die VYGOTSKIJ als ‚Alterstufen’ bezeichnet. Zuverlässiger Indikator für jede Alterstufe sind die Neubildungen. „Sie kennzeichnen das Wesen jeder Altersstufe. Unter den alterspezifischen Neubildungen sind ein neuer Typ der Struktur und der Tätigkeit der Persönlichkeit, sind die psychischen und sozialen Veränderungen zu verstehen, die auf der jeweiligen Altersstufe erstmals auftreten und die in aller erster Linie das Bewußtsein des Kindes, seine Beziehung zur Umwelt, sein Innen- und Außenleben, den gesamten Verlauf seiner Entwicklung in der jeweiligen Periode bestimmen“ (VYGOTSKIJ 2003, S.59).
Allerdings ist dieser Aufbau nicht kontinuierlich und tritt nur in den stabilen Altersstufen deutlich zutage, dazwischen liegen Krisenperioden. In den Vordergrund treten dann Prozesse des Absterbens, des Zusammenbruchs, des Zerfalls und der Zerstörung dessen, was zuvor aufgebaut wurde.
Vygotskij unterscheidet innerhalb der Ontogenese fünf Krisen. Auf jede dieser Krisen folgt eine stabile Altersstufe (VYGOTSKIJ 2003, S.64).
1 Einleitung: Die Einleitung stellt den Schulversuch in Bremen vor und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Förderung der emotional-sozialen Persönlichkeitsentwicklung in inklusiven Klassen.
2 Zum Begriff der Persönlichkeit: Dieses Kapitel erläutert verschiedene theoretische Definitionen von Persönlichkeit und betont deren Entwicklung im Verlauf der Ontogenese.
3 Die kulturhistorische Schule, das materialistische Menschenbild und das System Psyche: Hier werden die theoretischen Grundlagen der kulturhistorischen Schule sowie die Bedeutung von Systemen und Selbstregulation für die menschliche Psyche dargelegt.
4 Die Entwicklung der Persönlichkeit und ihre Bedingungen: Das Kapitel behandelt den Prozess des kulturellen Hineinwachsens, die Dynamik von Altersstufen und Krisen sowie die Besonderheiten der Entwicklung im Jugendalter.
5 Ist die Entwicklung des Intellekts, höherer Abbildniveaus und einer reflexiven Persönlichkeit also nur über die Ausbildung wissenschaftlicher Begriffe möglich?: Es wird kritisch diskutiert, ob eine höhere Organisation der Persönlichkeit zwingend an den Erwerb wissenschaftlicher Begriffe geknüpft ist.
6 Die Bedeutung der Tätigkeit für die Entwicklung: Dieses Kapitel analysiert die Tätigkeitstheorie, die Rolle von Emotionen und Bindung sowie die Auswirkungen der Diagnose ‚Behinderung’ auf die Entwicklung.
7 Das Konzept der dominierenden Tätigkeit: Hier wird das Konzept der „führenden“ Tätigkeit (nach Leont’ev und El’konin) erläutert, das für die Umgestaltung psychischer Vorgänge entscheidend ist.
8 Die zweite soziale Geburt der Persönlichkeit: Es wird die Phase der Pubertät als zweite soziale Geburt beschrieben, in der eine reflexive Persönlichkeit und eine neue Weltanschauung entstehen.
9 Wie kann die Persönlichkeitsentwicklung zum Kern von inklusivem Unterricht werden?: Das Kapitel verbindet die theoretischen Erkenntnisse mit der Schulpraxis, kritisiert Inklusionskonzepte und untersucht das Verhältnis von Lehrern und Schülern sowie den Unterrichtsgegenstand.
10 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Potenziale von Integrationsklassen für die Persönlichkeitsentwicklung.
Persönlichkeitsentwicklung, Inklusion, Integration, kulturhistorische Schule, Tätigkeitstheorie, Pubertät, Adoleszenz, soziales Hineinwachsen, Bindungssicherheit, reflexive Persönlichkeit, System Psyche, Schulentwicklung, sonderpädagogische Fachrichtung, sekundäre Sozialisation, Dialog.
Die Arbeit analysiert die emotionale und soziale Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen in der Sekundarstufe I und untersucht, wie diese Entwicklung im Kontext von inklusivem Unterricht unterstützt werden kann.
Zentrale Themen sind die kulturhistorische Psychologie, die Tätigkeitstheorie, die Dynamik des Jugendalters, Bindungstheorien sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Inklusions- und Integrationskonzepten in der Schule.
Ziel ist es, den Einfluss verschiedener Faktoren auf die Persönlichkeitsbildung in integrativen Schulversuchen zu verstehen und daraus konkrete pädagogische Konsequenzen für eine inklusive Praxis abzuleiten.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch die kulturhistorische Schule (u.a. Vygotskij, Leont’ev, Jantzen) und stützt sich auf die qualitative Auswertung von Interviewdaten aus einem begleiteten Schulversuch.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Persönlichkeitsentwicklung, die Analyse der Bedeutung von Tätigkeit, Emotionen und Bindung sowie die Übertragung dieser Erkenntnisse auf das inklusive Unterrichtssetting.
Wichtige Begriffe sind Persönlichkeitsentwicklung, Inklusion, Tätigkeitstheorie, Adoleszenz, Bindungssicherheit und der Dialog im sozialen Miteinander.
Die Arbeit betrachtet Behinderung nicht als feststehendes Merkmal, sondern als sozialen Zuschreibungsprozess, der die Entwicklung durch soziale Isolation und institutionelle Dekulturation erschweren kann.
Dieser Begriff markiert den Übergang in der Pubertät, in dem der Jugendliche eine reflexive Persönlichkeit und eine eigene Weltanschauung entwickelt, die ihn als Individuum in der Gesellschaft positioniert.
Die Autorin warnt davor, „Inklusion“ lediglich als neues Modewort zu verwenden, ohne die aus der Integrationsbewegung gelernten Fehler selbstkritisch aufzuarbeiten, und fordert eine tiefgreifende didaktische Fundierung.
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