Doktorarbeit / Dissertation, 2019
393 Seiten
1. EINLEITUNG
2. FORSCHUNGSBERICHT
I. Teil Johannes Dietenberger und die Reformation
1. Die historische Situation
2. Die Person Johannes Dietenberger
3. Die Reformationswirren in Frankfurt
4. Dietenberger auf dem Reichstag in Augsburg
5. Dietenbergers kontroverstheologische Schriften
6. Entstehung der Dietenberger Bibel
II. Teil Darstellung der Quellen
1. LITERARISCHE GATTUNG FLUGSCHRIFT UND IHRE BEDEUTUNG
1.1 Entstehung und Definition
1.2 Dialogflugschriften
1.3 Adressaten
1.4 Auflagen und Autoren
1.5 Druck und Drucker
1.6 Anonymität
1.7 Resonanz und Statistik
1.8 Beurteilung des Mediums
2. HISTORISCHE SITUATION DER ENTSTEHUNG DER QUELLEN
2.1 Der Beginn der Kontroverse
2.1.1 Die Leipziger Disputation
2.1.2 Der Bann gegen Luther
2.2 Widerstand der altgläubigen Theologen
2.3 Johannes Cochläus
2.4 Erste nachweisbare schriftstellerische Tätigkeit Dietenbergers
3. QUELLENDARSTELLUNG: DER LAIE. OB DER GLAUBE ALLEIN SELIG MACHT
3.1 Formale Aspekte
3.1.1 Entstehungsgeschichte und Datierung der Schrift
3.1.2 Charakterisierung der Schrift
3.1.3 Stilistische Mittel
3.2 INHALTLICHE DARSTELLUNG DER QUELLE
3.2.1 Widmungsvorrede des Cochläus
3.2.2 Vorrede Dietenbergers
3.2.3 Die Bitte des protestantischen Laien um Unterweisung
3.2.4 Anfechtung der lutherischen Lehre
3.2.5 Bloßer und geschmückter Glaube
3.2.6 Glaube und Liebe
3.2.7 Das Halten der Gebote
3.2.8 Rechtfertigung bei Jakobus
3.2.9 Das Glaubensverständnis des Petrus
3.2.10 Bestätigung durch die Kirchenväter
3.2.11 Akklamation des Laien
4. QUELLENDARSTELLUNG: OB DIE CHRISTEN DURCH IHRE GUTEN WERKE DAS HIMMELREICH VERDIENEN MÖGEN
4.1 Formale Aspekte
4.1.1 Entstehungsgeschichte und Datierung der Schrift
4.1.2 Charakterisierung der Schrift
4.1.3 Stilistische Mittel
4.2 INHALTLICHE DARSTELLUNG DER QUELLE
4.2.1 Widmungsvorrede des Cochläus
4.2.2 Vorrede Dietenbergers
4.2.3 Abgrenzung der beiden unterschiedlichen Positionen
4.2.4 Widerlegung durch den Priester
4.2.5 Freier Wille und Gnade
4.2.6 Zusammenwirken des freien Willens und der Gnade Gottes
4.2.7 Die Werke der Ungläubigen
4.2.8 Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit
4.2.9 Lohn und Verdienst
4.2.10 Verdienst und Gottes Gabe
4.2.11 Widerlegung letzter Einwände
5. QUELLENDARSTELLUNG: VON MENSCHEN LEHRE. WIDERLEGUNG DES LUTHERISCHEN BÜCHLEIN VON MENSCHENLEHREN ZU MEIDEN
5.1 Formale Aspekte
5.1.1 Entstehungsgeschichte und Datierung der Schrift
5.1.2 Charakterisierung der Schrift
5.1.3 Stilistische Mitte
5.2 INHALTLICHE DARSTELLUNG DER QUELLE
5.2.1 Widmungsvorrede des Cochläus
5.2.2 Vorrede Dietenbergers
5.2.3 Exkurs über die Gelübde
5.2.4 Widerlegung der Thesen Luthers
5.2.5 Abschluss der Widerlegung
III. Teil Kritische Auseinadersetzung und Würdigung der Quellen
1. DIE LUTHERISCHE POSITION ZUR RECHTFERTIGUNG DES MENSCHEN: LUTHERS ZENTRALE ÜBERLEGUNGEN
2. KURZE QUELLENDARSTELLUNG: VON DER FREIHEIT EINES CHRISTENMENSCHEN
2.1 Der historische Kontext
2.2 Der Christmensch
2.3 Der innerliche Mensch
2.4 Der äußerliche Mensch
2.5 Glaube und Werke
2.6 Bedeutung für den Menschen
2.7 Gesetz und Evangelium
2.8 Resümee
3. DIE DIMENSION DES GLAUBENS BEI LUTHER - BEGRIFF UND BEDEUTUNG
3.1 Die theologischen Grundsätze
3.1.1 Sola scriptura
3.1.2 Die Verbindung von sola fides, sola gratia und solus christus
3.2 Der Glaube
3.2.1 Der historische Glaube
3.2.2 Der erworbene und der eingegossene Glaube
3.2.3 Der ergreifende Glaube
3.3 Das Zentrum des Glaubens: Christus
3.4 Simul iustus et peccator
4. SYSTEMATISCHE GEGENÜBERSTELLUNG BEIDER POSITIONEN
4.1 Theologische Ansätze
4.2 Der freie Wille
4.3 Gottes Gnade
4.4 Der Glaube
4.5 Die Werke
4.6 Menschenlehre
4.7 Gelübde
5. ABSCHLIEßENDE BEURTEILUNG
5.1 Authentizität
5.2 Reformablehnung
5.2 Erfolg Dietenbergers Schriften
5.4 Glaubwürdigkeit
5.5 Bibelkenntnis und Umgang mit der Heiligen Schrift
5.6 Schlusswort
Die vorliegende Dissertation untersucht das literarische und theologische Werk des Dominikaners Johannes Dietenberger im Kontext der frühen Reformationszeit. Das primäre Ziel ist es, seine bisher wenig erforschten deutschen Flugschriften in den wissenschaftlichen Diskurs einzuordnen und insbesondere sein Verständnis von Glaubensgerechtigkeit und Rechtfertigungslehre in Abgrenzung zur lutherischen Position zu analysieren.
Die historische Situation
Die Reformation als mächtiges Ereignis brach nicht wie eine Naturkatastrophe über die altgläubige Kirche herein, sondern basierte auf einer Reihe von Vorbedingungen. Der Ruf nach Reformen in der altgläubigen Kirche wurde immer lauter. Die Reformforderungen betrafen ein breites Spektrum: Sowohl das Papsttum, das Kardinalat und die Kurie als auch die Ämterbesetzung und das römisch-kuriale Finanzsystem standen ebenso in der Kritik wie die Abgabe des Zehnten. Doch nicht die Kirche als Heilsinstitution wurde in Frage gestellt, sondern nur ihre klerikalen Vertreter. So stand neben den benannten manifesten Missständen vor allem auch die Moral des hohen wie auch des niederen Klerus in der Kritik. Man sehnte sich zutiefst nach pflichtbewussten, aufrichtigen Priestern, die den moralisch verworfenen, schlecht ausgebildeten Klerus ablösen sollten.
Die Zeit seit etwa 1300 lässt sich schon als Zeitalter der reformatio ecclesiae bezeichnen. Das Bemühen um eine Kirchenreform verdichtete sich bereits Anfang des 14. Jahrhunderts. Vor allem kirchenrechtliche und theologische Schriften über die päpstliche Vollmacht sowie die Vollmacht der Bischöfe und Konzile domierten die Zeit. In Folge daraus wurde das Eigengewicht der Konzile für eine Kirchenreform gestärkt, ohne jedoch die rechtliche Stellung des Konzils gegenüber dem Papst näher zu bestimmen. Doch bereits mit dem Konstanzer Konzil (1414-1418), welches etliche Lehrsätze der Kirchenkritiker Wyclif und Hus, betreffens der päpstlichen und bischöflichen Autorität, verurteilte, war klar, dass man an dem Fundament des Papsttums und des Epikopates festhalten wollte.
Die historische Situation: Die Reformation war keine plötzliche Katastrophe, sondern basierte auf langjährigen innerkirchlichen Reformforderungen und einem wachsenden Antiklerikalismus in einer sich wandelnden Gesellschaft.
Die Person Johannes Dietenberger: Der Dominikaner Dietenberger, ein Sohn eines Fassbinders, nahm als gemäßigter, aber standhafter Verteidiger des alten Glaubens eine besondere Rolle im Widerstand gegen die Reformation ein.
Die Reformationswirren in Frankfurt: In Frankfurt stieß die Reformation auf fruchtbaren Boden, verstärkt durch die sozialen Spannungen und die Unzufriedenheit über kirchliche Zustände, was schließlich zum Aufstand führte.
Dietenberger auf dem Reichstag in Augsburg: Dietenbergers Aufenthalt in Koblenz und seine Teilnahme am Augsburger Reichstag markieren Phasen seines literarischen Widerstands, wobei sein Anteil an der Confutatio unklar bleibt.
Dietenbergers kontroverstheologische Schriften: Die Flugschriften Dietenbergers, die oft gegen seinen Willen und mit Unterstützung von Cochläus veröffentlicht wurden, dienten der argumentativen Widerlegung lutherischer Thesen.
Entstehung der Dietenberger Bibel: Die Bibelübersetzung Dietenbergers war ein wesentlicher Beitrag der katholischen Seite, um den lutherischen Übersetzungen mit einem wissenschaftlich fundierten, altgläubigen Gegenentwurf zu begegnen.
Johannes Dietenberger, Reformation, Flugschriften, Rechtfertigungslehre, Glaube und Werke, Johannes Cochläus, Katholische Kontroverstheologie, Bibelübersetzung, Konfessionsbildung, Humanismus, Scholastik, Dialogflugschriften, Sola-Scriptura-Prinzip, Rechtfertigung, Ordensleben.
Die Arbeit untersucht das Schrifttum des Dominikaners Johannes Dietenberger in der frühen Reformationszeit. Sie analysiert, wie er als katholischer Kontroverstheologe versuchte, die lutherische Lehre – insbesondere die Rechtfertigung allein aus Glauben – argumentativ mit der Heiligen Schrift und der Tradition zu widerlegen.
Die zentralen Felder sind die Rolle von Flugschriften als Medium der konfessionellen Auseinandersetzung, das theologische Verständnis von Glaube und Werken, die Bedeutung der klösterlichen Lebensform sowie der Vergleich zwischen lutherischer und altgläubiger Auslegung der Heiligen Schrift.
Das Hauptziel ist es, die wenig erforschten deutschen Flugschriften Dietenbergers wissenschaftlich zu erschließen, ihre spezifische Methode der exegetischen Argumentation zu analysieren und sie in den breiteren theologischen Kontext der frühen Reformation einzuordnen.
Die Arbeit nutzt Methoden der Textanalyse und Textinterpretation, um die Argumentationsstrukturen in Dietenbergers Schriften offenzulegen. Zudem erfolgt eine kritische Auseinandersetzung durch den Vergleich mit Luthers zentralen Texten und theologischen Ansätzen.
Im Hauptteil (Teil II) werden drei spezifische Schriften Dietenbergers („Der Laie“, „Ob die Christen durch ihre guten Werke das Himmelreich verdienen mögen“ und „Von Menschen Lehre“) einer detaillierten Analyse unterzogen, gefolgt von einer systematischen Gegenüberstellung der theologischen Positionen in Teil III.
Begriffe wie Rechtfertigungslehre, Sola-Scriptura-Prinzip, Dialogflugschriften, Verdienstlichkeit, altgläubige Theologie und die Unterscheidung von bloßem und geschmücktem Glauben sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Dietenberger zeichnet sich durch eine ungewöhnlich hohe Anzahl exegetischer Bezüge aus. Während andere zeitgenössische Gegner Luthers oft auf persönliche Polemik setzten, versuchte Dietenberger, Luther mit dessen eigenen Waffen – der Heiligen Schrift – zu schlagen, indem er diese in einem fiktiven Dialog aus altgläubiger Sicht interpretierte.
Cochläus fungierte als Förderer und „Herausgeber“ der Schriften Dietenbergers. Er erkannte die Bedeutung von Dietenbergers Gelehrsamkeit und sorgte (oft gegen Dietenbergers Willen) für die heimliche Veröffentlichung, um diese Schriften einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
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