Examensarbeit, 2006
21 Seiten, Note: 1,5
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
0. Einleitung
1. Soziales Lernen in der Schulgeschichte
2. Stellung des sozialen Lernens im Bildungsplan
3. Bedeutung von sozialem Lernen im Unterricht
3.1. Aus gruppendynamischer Perspektive
3.2. Aus lernpsychologischer Perspektive
4. Die Klasse als zentraler Ort sozialen Lernens
4.1. Methodisches Vorgehen in einer Klasse
5. Soziales Lernen im Schulalltag – Beispiel für die praktische Umsetzung
5.1. Erarbeiten einer vertrauten Atmosphäre
5.1.1. Was erwarte ich? Vor was habe ich Angst? – Erste Gesprächsversuche
5.1.2. Gemeinsamkeiten finden
5.2. Entstehen fester Strukturen
5.3. Der Weg zu den Klassenregeln
5.4. Regeln formulieren
5.5. Kurze Darstellung des Gesamtprojekts „wir werden ein Team“
5.6. Schreiben des Zeitungsberichts
6. Reflektion des Projekts
6.1. Aus Sicht der Schüler
6.2. Aus meiner Sicht
7. Ausblick
Die Arbeit untersucht die Implementierung sozialen Lernens in einer heterogenen fünften Klasse, um durch gezielte gruppendynamische Prozesse ein tragfähiges Teamgefüge aufzubauen, soziale Kompetenzen zu stärken und die Unterrichtsatmosphäre nachhaltig zu verbessern.
5.1.1. Was erwarte ich? Vor was habe ich Angst? – Erste Gesprächsversuche
Zu Beginn des Schuljahres eröffnete ich den erwartungsvoll im Zimmer sitzenden 12 Jungen und 12 Mädchen eine Einstiegsaufgabe: Sie sollten mir einen Brief schreiben. Darin sollten sie erzählen, was ihnen in Deutsch Spaß macht, wovor sie aber auch Angst haben und was sie sich wünschen.31 Überwiegend wurde von den Ängsten geschrieben. „Ich mache viele Fehler, darum hasse ich Diktate“. „Was ich an Deutsch nicht mag sind die Aufsätze, weil ich nicht gute Aufsätze schreiben kann. „Ich lese nicht gerne, weil ich viele Fehler mache und die anderen lachen.“ Als positiv nannten Schüler u.a., dass sie in der alten Klasse viel erzählen durften. Andere schreiben sogar gerne Diktate. Wer wollte, durfte seinen Brief den anderen vorlesen. Schnell entwickelte sich in dieser und den folgenden beiden Stunden das Bedürfnis, weiter über die eigenen Ängste zu sprechen. Es fanden sich viele Gemeinsamkeiten.
Diese Gespräche wurden dazu genutzt, um die im Bildungsplan vorgegebenen Gesprächskompetenzen zu fördern.32 In der ersten Gesprächsstunde ließ ich die Schüler im Stuhlkreis einfach reden. Nach ungefähr 15 Minuten beschwerte sich der erste Junge darüber, dass manche gar nicht zuhören. Ich unterbrach die Gesprächsrunde und griff den Einwurf des Jungen auf. „xxx, sage nochmals laut, was dich stört.“ xxx wiederholte sein Problem. Viele stimmten ihm zu. Eigentlich fanden alle gut, dass wir über ihre Erwartungen und Ängste reden, auf anderer Seite ist es „schon blöd, wenn manche etwas anderes machen.“ Ich gab vor, dass nun nur noch der spricht, der von einem anderen Schüler aufgerufen wurde. Wir beschlossen dies als "Stuhlkreisregel". Es wurde ruhiger, dennoch schienen nicht alle dabei zu sein. Deshalb ging ich zum dritten Schritt über und gab vor, dass nun jeder, der nach einem Mitschüler drankommt, vor seiner Aussage in einem Satz wiederholen muss, was sein Vorgänger gesagt hat. Nach anfänglichen Schwierigkeiten beherrschte die Klasse dies sehr gut. Ziel dieser Übung war es, das genaue Zuhören zu üben.
0. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit sozialen Lernens in der Schule, um auf die Anforderungen der heutigen Gesellschaft und den Berufsalltag vorzubereiten.
1. Soziales Lernen in der Schulgeschichte: Dieses Kapitel skizziert die historischen Wurzeln des sozialen Lernens, insbesondere das Konzept der "Schuldemokratie" nach Célestin Freinet.
2. Stellung des sozialen Lernens im Bildungsplan: Hier wird die Verankerung des sozialen Lernens im Bildungsplan als wesentlicher Bestandteil der politischen Bildung und Kompetenzentwicklung dargestellt.
3. Bedeutung von sozialem Lernen im Unterricht: Dieses Kapitel analysiert gruppendynamische und lernpsychologische Aspekte, die für eine effektive Lernumgebung ausschlaggebend sind.
4. Die Klasse als zentraler Ort sozialen Lernens: Es werden die Phasen der Gruppenbildung in einer Schulklasse beschrieben und methodische Ansätze, wie etwa die Gruppenarbeit, erläutert.
5. Soziales Lernen im Schulalltag – Beispiel für die praktische Umsetzung: Dieser Hauptteil beschreibt anhand des Projekts „Wir werden ein Team“ konkrete methodische Schritte zur Förderung eines vertrauensvollen Klassenverbandes.
6. Reflektion des Projekts: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse des Projekts sowohl aus der Perspektive der Schüler als auch aus der Sicht des Lehrers.
7. Ausblick: Der Autor blickt auf die künftige Arbeit mit der Klasse und die Herausforderungen bei der Aufrechterhaltung der etablierten Strukturen.
Soziales Lernen, Wir werden ein Team, Fünftklässler, Gruppenarbeit, Schulalltag, Klassenregeln, Gesprächskompetenz, Gruppendynamik, Lernpsychologie, Schulpädagogik, Kompetenzentwicklung, Bildungsplan, Reflexion, Vertrauensaufbau, Teamfähigkeit.
Die Arbeit befasst sich mit der Erarbeitung und Förderung sozialer Umgangsformen in einer neuen fünften Klasse unter dem Motto „Wir werden ein Team!“.
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung des sozialen Lernens, die Bedeutung für den Bildungsplan, gruppendynamische Prozesse in der Klasse sowie die praktische Umsetzung von Projekten zur Stärkung der Klassengemeinschaft.
Das primäre Ziel ist es, aus einer heterogenen Gruppe von Schülern ein funktionierendes Team zu formen, die soziale Kompetenz der Kinder zu steigern und gleichzeitig eine offene Arbeitsatmosphäre für den Deutschunterricht zu schaffen.
Der Autor stützt sich auf pädagogische Konzepte (z.B. Freinet-Pädagogik), lernpsychologische Erkenntnisse (z.B. von Manfred Spitzer) sowie auf den Bildungsplan für die Hauptschule und reflektiert diese durch eigene praktische Erfahrungen im Klassenzimmer.
Der Hauptteil beschreibt konkret die praktischen Schritte zur Bildung der Klassengemeinschaft: von ersten Gesprächsversuchen und der Erarbeitung von Klassenregeln bis hin zur Durchführung eines Waldtages und dem gemeinsamen Schreiben eines Zeitungsberichts.
Soziales Lernen, Gruppenarbeit, Teamentwicklung, Klassenregeln, Gesprächskompetenz und pädagogischer Konsens.
Der Lehrer agiert als Organisator und Koordinator, der bewusst Rahmenbedingungen schafft, den Prozess durch offene Kommunikation begleitet und dabei versucht, die Balance zwischen notwendiger Distanz und Vertrautheit zu finden.
Das Schreiben des Berichts diente dazu, das Erlebte zu reflektieren, die im Bildungsplan geforderten Gesprächskompetenzen fachlich zu vertiefen und die Motivation der Schüler durch ein für sie bedeutsames, konkretes Ziel zu steigern.
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