Bachelorarbeit, 2014
49 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1 Die Rolle der Leibeserziehung bis 1933
2 Die ideologische Grundlage
2.1 Die leibeserzieherische Ideologie Hitlers‘
2.2 Der Pädagoge Alfred Baeumler
3 Die schulische Leibeserziehung im Nationalsozialismus
3.1 Umgestaltung der schulischen Erziehung
3.2 Leibeserziehung im Schulunterricht
3.3 Die leibeserzieherischen Disziplinen
3.3.1 Gerätturnen
3.3.2 Schwimmen
3.3.3 Wasserspringen
3.3.4 Fußball
3.3.5 Boxen
4 Die olympischen Spiele 1936
5 Vereinssport im Nationalsozialismus
6 Leibeserziehung in den Jugendorganisationen der NSDAP
6.1 Die Hitlerjugend
6.2 Der Bund Deutscher Mädchen (BDM)
Diese Arbeit untersucht die systematische Umgestaltung der Leibeserziehung im Nationalsozialismus und analysiert, inwiefern sportliche Aktivitäten als Instrument zur wehrsportlichen Vorbereitung und rassenideologischen Indoktrination der Jugend instrumentalisiert wurden. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob es ein kohärentes Konzept gab oder ob bestehende Konzepte umgedeutet wurden.
3.3.5 Boxen
Eine ganz entscheidende Rolle kommt der Sportart Boxen im Spektrum der nationalsozialistischen Leibeserziehung zu. Hitler galt als großer Verfechter des Faustzweikampfs, weil es in ganz signifikanter Weise zu aggressivem Verhalten und schneller Entschlusskraft erziehe. Mehrere Passagen aus Hitlers‘ Hetzschrift „Mein Kampf“ belegen dies überdeutlich.
„Hierbei darf besonders ein Sport nicht vergessen werden, der in den Augen von gerade sehr vielen „Völkischen“ als roh und unwürdig gilt, das Boxen....Es gibt keinen anderen Sport, der wie dieser den Angriffsgeist in gleichem Maße fördert, blitzschnelle Entschlußkraft verlangt, den Körper zu stählerner Geschmeidigkeit erzieht....vor allem aber der junge ,gesunde Knabe soll auch Schläge ertragen lernen (Hitler, 1935, S. 454 f).
An anderer Stelle versteigt er sogar sich zu der These, dass die Novemberrevolution unmöglich gewesen wäre, hätten die geistige Elite nur ausreichend Boxen gelernt.
„Eine deutsche Revolution von Zuhältern, Deserteuren und sonstigem Gesindel wäre niemals möglich gewesen, wenn die geistige Elite durchgehend Boxen gelernt hätte.“ (Zitat: Hitler 1935, S. 455)
Dem Boxen kam deshalb eine so große Aufmerksamkeit seitens Hitlers und der Nationalsozialisten zu, weil die sportartspezifischen Attribute die beim Boxen vermittelt werden, fast deckungsgleich mit den nationalsozialistischen Erziehungszielen waren. Blitzschnelle Entschlusskraft, Angriffsgeist, stählerner Geschmeidigkeit oder Schmerzresistenz sind Eigenschaften, die in der völkischen Weltanschauung die Überlegenheit der arischen Rasse definieren sollten, entsprechend eminent war ihre Schulung, das Boxen die ideale Methodik dafür (vgl. Bernett 1966, S. 22 f) Vor allem der Aspekt der Schmerzresistenz entsprach Hitlers‘ Gusto.
1 Die Rolle der Leibeserziehung bis 1933: Historischer Rückblick auf die Entwicklung der Turn- und Sportvereine in der Weimarer Republik und die beginnende Sportbegeisterung.
2 Die ideologische Grundlage: Untersuchung der rassenideologischen Vorstellungen Hitlers und der Schriften von Alfred Baeumler zur Begründung einer politischen Leibeserziehung.
3 Die schulische Leibeserziehung im Nationalsozialismus: Analyse der Umstrukturierung des Schulsports, der Einführung neuer Fächer und der Bedeutung spezifischer Sportarten wie Boxen und Fußball.
4 Die olympischen Spiele 1936: Betrachtung der propagandistischen Funktion und der Inszenierung der Spiele zur Täuschung des Auslands über die wahren Absichten des NS-Regimes.
5 Vereinssport im Nationalsozialismus: Darstellung der Gleichschaltung des Vereinswesens und der Unterordnung unter die Kontrolle der NSDAP.
6 Leibeserziehung in den Jugendorganisationen der NSDAP: Untersuchung der erzieherischen Praxis in der Hitlerjugend und dem BDM mit Fokus auf Wehrertüchtigung und Rollenbildern.
Leibeserziehung, Nationalsozialismus, Wehrerziehung, Rassenideologie, Hitlerjugend, Bund Deutscher Mädchen, Sportpolitik, Gleichschaltung, Olympia 1936, Wehrhaftigkeit, Alfred Baeumler, Schulreform, Sportpädagogik, Körperertüchtigung, Ideologie.
Die Arbeit analysiert die Funktion und die ideologische Ausrichtung der Leibeserziehung im Nationalsozialismus unter Berücksichtigung von Schule, Vereinssport und Jugendorganisationen.
Zentrale Themen sind die Militarisierung des Sports, die Umsetzung der Rassenideologie im Sport, die Propaganda durch Sportgroßereignisse sowie die geschlechtsspezifische Erziehung.
Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Leibeserziehung im Nationalsozialismus primär als Vorbereitung auf den Krieg und als Mittel zur ideologischen Gleichschaltung diente.
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen (u.a. „Mein Kampf“) und relevanter sportwissenschaftlicher Literatur basiert.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Umgestaltung des Schulwesens, den einzelnen Sportarten, der Olympiade 1936 und der Organisation der Jugend in HJ und BDM.
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Wehrerziehung, Körperertüchtigung, Ideologie, Gleichschaltung und Rassenpolitik charakterisieren.
Boxen wurde als ideale Methode zur Schulung von Aggression, blitzschneller Entschlusskraft und Schmerzresistenz angesehen, was exakt den Anforderungen an einen „wehrhaften“ Menschen entsprach.
Während bei Jungen in der Hitlerjugend die wehrsportliche Ausbildung und Kriegstauglichkeit im Vordergrund standen, lag der Fokus beim BDM auf der häuslich-familiären Rolle und der Vorbereitung auf die Mutterrolle.
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