Bachelorarbeit, 2019
54 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theorien zum kollektiven Gedächtnis und Erinnerungskultur
2.1. Das kollektive Gedächtnis nach Maurice Halbwachs: Mémoire collective und cadres sociaux
2.2. Das zweigeteilte kollektive Gedächtnis nach Aleida und Jan Assmann
2.2.1. Kommunikatives Kurzzeitgedächtnis und kulturelles Langzeitgedächtnis
2.2.2. Das kulturelle Gedächtnis
2.2.3. Gedächtnis als ars und vis, Funktionsgedächtnis und Speichergedächtnis
2.2.4. Grundbegriffe des individuellen und kollektiven Gedächtnisses
2.2.4.1. Sieger und Verlierer
2.2.4.1. Opfer- und Tätergedächtnis
2.2.4.3. Bedeutung von Trauma und Vergangenheitsbewältigung
2.3. Dimensionen der Erinnerungskultur nach Astrid Erll
3. Filmanalyse Unsere Mütter, unsere Väter
3.1. Inhaltsangabe
3.2. Figurenanalyse
3.2.1. Viktor – vom Opfer zum Widerstandskämpfer
3.2.2. Greta - vom gefeierten Schlagerstar zur Defätistin
3.2.3. Charlotte – von der leichtgläubigen Patriotin zur entschlossenen Krankenschwester
3.2.4. Friedhelm und Wilhelm
3.2.4.1. Friedhelm – vom Pazifisten zum Kriegsverbrecher
3.2.4.2. Wilhelm – vom kriegserfahrenen Oberleutnant zum Deserteur
3.3. Analyse von Motiven, Titeln und stilistischen Mitteln
3.3.1. Darstellung des Nationalsozialismus
3.3.2. Darstellung des Holocaust und Antisemitismus
3.3.3. Darstellung der Partisanen
3.3.4. Darstellung Nachkriegsdeutschland
3.3.5. Täter-Opfer-Darstellung
3.3.6. Titel und Untertitel
3.3.7. Stilistische Mittel: Bild, Montage und Erzähler
3.4. Schlussbemerkungen zur Analyse: Mit fiktiver Geschichte zur kollektiven Erinnerung
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des deutschen dreiteiligen Fernsehfilms "Unsere Mütter, unsere Väter" (2013), inwiefern diese fiktive filmische Erzählung geeignet ist, kollektive Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg zu stiften und als verbindliches Bild für nachfolgende Generationen zu fungieren.
3.2.1. Viktor – vom Opfer zum Widerstandskämpfer
Viktor Goldstein ist der Sohn eines jüdischen, bis zur Reichskristallnacht angesehenen, Schneiders. Sein Vater hat selbst im Ersten Weltkrieg Deutschland gedient.
Seine Figur wird ambivalent dargestellt. Auf der einen Seite erweckt es den Anschein, als könne er sich noch ganz frei in Deutschland bewegen. Er grüßt seine Freunde mit einem herzlichen „Schalom, Volksgenossen“ mitten auf der Straße und ist in einer festen Beziehung mit Greta Müller, der es nichts ausmacht, dass ihre Beziehung als Rassenschande gilt. Er feiert auch noch ausgelassen mit seinen Freunden, die am nächsten Tag als Soldaten und Krankenschwester für eine Politik in den Krieg ziehen, die Juden verfolgt und denunziert. Er nimmt auch nicht die Warnungen seines Vaters ernst, der ihm den Umgang mit Greta verbieten möchte. Viktor hingegen geht zusammen mit Greta ins öffentliche Theater, trägt nicht den Judenstern und hat anscheinend keine Angst, verhaftet zu werden. Auf der anderen Seite schätzt er die Situation der Juden in Deutschland realistischer ein als seine Eltern und verspürt den Drang, Deutschland zu verlassen. Mit dem Satz „Wir sind keine Deutschen mehr. Nicht für sie!“ wird deutlich, dass er versteht, dass Juden in Deutschland nicht mehr erwünscht sind. Trotzdem will er seinen Eltern vor seiner Abreise aus Deutschland noch Hoffnungen machen und verspricht: „Wenn ich ihn New York bin, hole ich euch nach.“
Auch wenn Viktor Deutschland unbedingt verlassen wollte, sieht er nach seiner Flucht aus dem Deportationszug zuerst keine Alternative, als doch in seine Heimat zurückzukehren. Zum einen kann er nicht wissen, dass kaum noch Juden in Berlin leben, zum anderen weiß er auch nicht, wohin er gehen soll. Objektiv betrachtet ist sein Wunsch, wieder nach Deutschland zu gehen, unverständlich, allerdings rührt sein Überlebenswille wahrscheinlich daher, dass er hofft, Greta, seine Freunde und Familie in Berlin wiederzusehen.
1. Einleitung: Diese Bachelorarbeit setzt sich mit der filmischen Darstellung des Zweiten Weltkriegs in "Unsere Mütter, unsere Väter" auseinander und prüft dessen Beitrag zur kollektiven Erinnerung.
2. Theorien zum kollektiven Gedächtnis und Erinnerungskultur: Es werden grundlegende Konzepte von Halbwachs, Aleida und Jan Assmann sowie Astrid Erll erläutert, um einen theoretischen Rahmen für die Analyse der filmischen Erinnerung zu spannen.
3. Filmanalyse Unsere Mütter, unsere Väter: Dieser Hauptteil beinhaltet eine detaillierte Inhaltsangabe, eine Figurenanalyse sowie eine Untersuchung der Darstellung historischer Motive und stilistischer Mittel des Films.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass der Film zwar filmisch gut gemacht ist, jedoch durch die starke Identifikation mit den Protagonisten die Täter- und Opferrollen verzerrt und somit als allgemeingültiges Dokument der Geschichte problematisch bleibt.
Kollektives Gedächtnis, Erinnerungskultur, Unsere Mütter, unsere Väter, Zweiter Weltkrieg, Filmanalyse, Täter-Opfer-Darstellung, Nationalsozialismus, Identitätsbildung, Geschichtsfernsehen, Holocaust, Trauma, Vergangenheitsbewältigung, Fiktionalisierung, Erinnerungsmedien, Generationenverhältnis.
Die Arbeit analysiert kritisch den deutschen Fernsehfilm "Unsere Mütter, unsere Väter" hinsichtlich seiner Funktion als Träger kollektiver Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg.
Im Zentrum stehen die Konzepte des kollektiven Gedächtnisses, die Analyse der filmischen Figuren, die Darstellung von NS-Ideologie und Holocaust sowie die kritische Reflexion des Täter-Opfer-Verhältnisses.
Das Ziel ist zu klären, ob der Film ein adäquates und verbindliches Bild der Kriegsereignisse für nachwachsende Generationen vermittelt oder ob er eine problematische Verharmlosung oder Umdeutung fördert.
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus der Anwendung theoretischer Gedächtnismodelle auf eine ausführliche Filmanalyse (Figurenanalyse, Motivanalyse, stilistische Mittel).
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Inhaltswiedergabe, eine tiefgehende Charakterstudie der fünf Protagonisten sowie eine Analyse der filmischen Darstellung von Nationalsozialismus, Holocaust, Partisanen und Täter-Opfer-Rollen.
Wichtige Begriffe sind kollektives Gedächtnis, Erinnerungskultur, NS-Vergangenheit, Täter-Opfer-Dynamik, mediale Geschichtsvermittlung und Identifikation.
Der Autor argumentiert, dass die starke Identifikation mit den als "Mitläufer" gezeichneten Hauptfiguren dazu führt, dass diese als Opfer ihrer Zeit wahrgenommen werden, was die Grenze zwischen Opfern und Tätern auf Kosten einer kritischen Aufarbeitung verschwimmen lässt.
Der Holocaust wird im Film nur als Randerscheinung oder Begleiterscheinung des Krieges thematisiert, wobei die Konzentrationslager und das Ausmaß des Massenmords kaum oder nur oberflächlich behandelt werden.
Die Arbeit kritisiert, dass der Film polnische Partisanen einseitig als Antisemiten darstellt und damit negative Stereotypen bedient, anstatt sie in ihrer Rolle als Widerstandskämpfer differenziert abzubilden.
Der Titel "Unsere Mütter, unsere Väter" suggeriert eine direkte Ansprache der Deutschen und erhebt den Anspruch, Familiengeschichte und kollektive Erinnerung für alle nachfolgenden Generationen stellvertretend zu erzählen, ein Anspruch, dem der Film laut Autor nicht gerecht werden kann.
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