Bachelorarbeit, 2014
87 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretische Vorüberlegungen mit Pierre Bourdieu
2.1 Ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital
2.1.1 Kulturelles Kapital und sozialer Abstieg unter Migrationsbedingungen
2.1.2 Familie und intergenerationale Transmission von kulturellem Kapital
2.2 Biographie und Habitus
2.2.1 Sozialisation als Kapitalerwerb und Habitualisierung
2.2.2 Biographische Wendepunkte und Habitustransformation
2.3 Chancen und Grenzen des Bourdieuschen Konzeptes
3. Biographie als methodischer Zugang
3.1 Die biographische Perspektive in der qualitativen Migrationsforschung
3.2 Datenerhebung: Das biographisch-narrative Interview
3.3 Datenauswertung: Die biographische Fallrekonstruktion
4. Der Fall Araam Navid
4.1 Biographisches Portrait und Kontextualisierung
4.2 Ergebnisorientierte Fallanalyse
4.2.1 „das Leben in Afghanistan, uns ging es immer gut“
4.2.2 Die Flucht als biographischer Wendepunkt
4.2.3 Angekommen in Deutschland - „ein ziemlicher Absturz“
4.3 Zusammenfassung
5. Theoretische Diskussion der Ergebnisse und Ausblick
Die Arbeit untersucht, wie Jugendliche mit Migrationshintergrund den sozialen Abstieg ihrer Eltern, der durch Fluchtmigration bedingt ist, verarbeiten und wie sich diese Verarbeitung in ihrer individuellen Lebensgeschichte widerspiegelt. Ziel ist es, durch eine kapital- und habitustheoretische Analyse zu verstehen, welche Auswirkungen der Statusverlust der Eltern auf die biographische Entwicklung und die Bildungswege der Nachfolgegeneration hat.
Die biographische Perspektive in der qualitativen Migrationsforschung
Als ein Meilenstein innerhalb der biographischen Migrationsforschung versteht sich nach wie vor die klassische Studie von Isaak W. Thomas und Florian Znaniecki, „The Polish Peasant in Europe and America“ (1918-20/23) (Apitzsch/Siouti 2007: 3; Breckner 2009: 21; Lüders 2013: 385). Um Migration als vielschichtiges Handlungsphänomen verstehen zu können, analysieren Thomas und Znaniecki sowohl historische, gesellschaftliche und institutionelle Entwicklungen als auch biographisches Material in Form von Briefen, Akten oder Autobiographien polnischer MigrantInnen in Amerika. „The Polish Peasant’ ist somit die erste Studie, die theoretisch wie methodisch komplex angelegt war und sich auf persönliches und biographisches Material stützte.“ (Breckner 2009: 21) Kritisch anzumerken ist unter anderem die Vorstellung der Forscher von der Generalisierung ihrer Ergebnisse, wodurch die eigentliche Prämisse der Studie, nämlich die induktive Vorgehensweise, in den Hintergrund geriet. Von aktueller Relevanz ist insbesondere der Versuch, „[...] die Erfahrungswelt der Handelnden zum Gegenstand der soziologisch-sozialtheoretischen Untersuchung zu machen [...]“ (ebd. S. 29), wie es in der qualitativ-interpretativen Sozialforschung der Fall ist.
Nachdem die komplexe Herangehensweise von Thomas und Znaniecki in den darauffolgenden Jahren in die Betrachtung einzelner Teilaspekte des Migrationsprozesses „zersplitterte“ (ebd.), erfuhr die biographische Perspektive in den 70er Jahren erneuten Aufschwung in Deutschland (Apitzsch/Siouti 2007: 4). Eine Vielzahl an theoretischen und methodischen Ansätzen ist mittlerweile zu verzeichnen, bei denen sich der soziologische Fokus von der Betrachtung des sozialen Systems und seinen Strukturen hin zum Alltag und der Lebenswelt von einzelnen Akteur/innen verrückte. Diese Entwicklung spiegelte sich besonders in der verstärkten Anwendung von subjektbezogenen Methodologien wieder.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Fluchtmigration und deren Auswirkungen auf die familiäre Lebenssituation ein und definiert die Forschungsfrage der Arbeit.
2. Theoretische Vorüberlegungen mit Pierre Bourdieu: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis durch die Begriffe des Kapitals und des Habitus, um soziale Transformationen und intergenerationale Effekte erklärbar zu machen.
3. Biographie als methodischer Zugang: Es wird die biographisch-narrative Interviewforschung als Methode vorgestellt, um subjektive Sinnkonstruktionen der Interviewpartner zu erfassen.
4. Der Fall Araam Navid: Das Hauptkapitel präsentiert das Portrait und die rekonstruktive Fallanalyse des Interviewpartners Araam Navid vor dem Hintergrund seiner Migrationserfahrung.
5. Theoretische Diskussion der Ergebnisse und Ausblick: Abschließend werden die gewonnenen Einblicke in den theoretischen Rahmen rückgebunden und Perspektiven für weitere Forschung aufgezeigt.
Fluchtmigration, sozialer Abstieg, Pierre Bourdieu, kulturelles Kapital, Habitus, Migration, biographische Fallrekonstruktion, intergenerationale Transmission, Bildungsbiographie, qualitative Sozialforschung, Identitätskonstruktion, Lebensgeschichte, Migrationserfahrung, Transformationsleistungen, Integrationsprozesse.
Die Arbeit befasst sich mit der biographischen Verarbeitung des sozialen Abstiegs von Eltern, der durch Fluchtmigration verursacht wurde, aus der Sicht von Jugendlichen der zweiten Generation.
Zentrale Felder sind die Bedeutung familiärer Ressourcen, die Transformation von Kapitalformen unter Migrationsbedingungen sowie die biographische Rekonstruktion individueller Lebenswege.
Ziel ist es zu verstehen, wie Jugendliche mit Migrationshintergrund den Verlust an ökonomischem und kulturellem Kapital ihrer Eltern verarbeiten und wie sich dies auf ihre eigene Lebensplanung auswirkt.
Die Arbeit nutzt die biographisch-narrative Interviewmethode nach Fritz Schütze sowie die biographische Fallrekonstruktion nach Gabriele Rosenthal.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Fallrekonstruktion von Araam Navid, inklusive seiner Kindheit in Afghanistan, der Flucht und der Ankunft sowie den Herausforderungen in Deutschland.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Fluchtmigration, sozialer Abstieg, Bourdieus Kapitaltheorie, Habitus, Bildungsbiographie und qualitative Fallanalyse.
Der hohe Status im Herkunftsland bildet eine Art „Aufstiegsbiographie“, deren Verlust nach der Migration zu einer Neupositionierung und Identitätskrise bei den Jugendlichen führt.
Der Glaube dient Araam als Bewältigungsstrategie und Ausdruck von Lebenssinn, den er insbesondere im Kontext seiner familiären Erfahrungen und der Gesundheit seiner Mutter hervorhebt.
Die finanzielle Belastung führt laut den Ergebnissen zu sozialem Rückzug, reduziertem familiären Kontakt und belastet die zwischenmenschliche Atmosphäre innerhalb der Familie.
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