Bachelorarbeit, 2019
44 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Methodisches Vorgehen und Theorie: Semantik und Framing
2.1 Einführung: Semantik/Begriffsgeschichte
2.2 Einführung: Framing (Elisabeth Wehling)
2.3 Zwischenfazit: Untersuchungsdesign
3. Die Sexual- und Prostitutionspolitik des Nationalsozialismus und ihre direkten Folgen mit Schwerpunkt auf Frame und Semantik
3.1 (Sozial)wissenschaftliche Definition der Prostitution
3.2 Frame und Semantik der Prostitution im Nationalsozialismus verdeutlicht an Hitlers Aussagen
3.3 Prostitutionspolitik des Nationalsozialismus
3.4 Prostitution in Kriegszeiten
3.5 Semantik und aktivierte Frames der NS-Prostitutionspolitik
3.6 Öffentliche Diffamierung und Folgen der Prostitutionspolitik
3.7. Etablierung der KZ-Bordelle
4. Soziale Struktur der „Prostitution“/Sexarbeit in KZ-Bordellen
4.1. Definition der Prostitution und Bezug zu KZ-Bordellen
4.2 Aspekt der Freiwilligkeit anhand des Modells von Norbert Campagna
4.3 Zwischenfazit: Mythos der „freiwilligen Meldungen“
5. Problematische Implikationen der NS-Sexzwangsarbeit in KZs und die Aufarbeitung nach 1945
5.1 Die doppelte Ordnung der „Prostitution“ im Nationalsozialismus
5.1.1 Dimensionen und Muster der doppelten NS-Sexualordnung
5.1.2 Autoritäre Sexualordnung der NS-Mehrheitsgesellschaft
5.1.3 Autoritäre Sexualordnung der NS-Konzentrationslager
5.2. Aufarbeitung der Lagerbordelle aus Sicht der Häftlinge
5.3. Die betroffenen Frauen
5.4.Entschädigung
5.5. Forschung bringt Licht ins Dunkle
5.6. Ein von Männern geführter Diskurs
6. Fazit
Die Arbeit untersucht die problematischen Implikationen der Aufarbeitung von NS-Sexzwangsarbeit in Konzentrationslager-Bordellen. Dabei wird analysiert, wie die nationalsozialistische NS-Semantik und das Framing von „freiwilligen Meldungen“ das öffentliche Bild und die Erinnerungskultur nach 1945 prägten und den betroffenen Frauen Anerkennung sowie Entschädigung verwehrten.
4.2 Aspekt der Freiwilligkeit anhand des Modells von Norbert Campagna
Wie einleitend erwähnt, unterstreicht das Wort Prostitution den Zwangscharakter der vorliegenden Sex-Zwangsarbeit nicht ausreichend. Hinzu kommt der Aspekt der Freiwilligkeit. Christa Paul arbeitete anhand von Berichten ehemaliger Häftlinge heraus, dass „[d]ie häufigen Erwähnung der ‚freiwilligen’ Meldungen der Häftlingsfrauen bemerkenswert“ seien (vgl. Paul, 1994, S.38). In keinem anderen Zusammenhang bezüglich der Arbeit in den Konzentrationslagern seien den Häftlingen ‚Freiwilligkeit’ vorgeworfen worden (Paul, 1994, S.38). Nach Norbert Campagna müssten drei Aspekte bei der Frage der ‚Freiheit’ oder ‚Unfreiheit’ im Rahmen der Prostitution auseinandergehalten werden (vgl. Campagna, 2005, S. 178):
1. Freiheit der Entscheidung zur Prostitution;
2. Möglichkeit der Wahl von Praktiken und Kunden;
3. Die Freiheit mit der Prostitution aufzuhören.
Zwänge lassen sich bei der Sex-Zwangsarbeit in KZ-Bordellen in allen drei Aspekten nachweisen. Um dies zu tun, werden Aussagen von Zeitzeuginnen herangezogen. Zunächst wird auf den ersten Punkt Freiheit der Entscheidung zur Prostitution eingegangen. Um darzulegen, dass es diese Freiheit real nicht gab, muss die primäre Rekrutierungsstrategie der sogenannten „freiwilligen Meldungen“ der SS genauer beleuchtet werden. Diese lockte die Frauen mit dem falschen Versprechen, dass sie nach einem sechsmonatigen Bordelldienst in die Freiheit entlassen werden würden – und nicht mehr zurück ins Konzentrationslager müssten (vgl. Sommer, 2010, S.108). Erika Buchmann schreibt dazu:
„Das Versprechen, die Frauen nach sechsmonatiger ‚Arbeit’ im Bordell zu entlassen, wurde natürlich nicht eingehalten. Im Gegenteil: Die meisten kamen in den Arrest oder in den Strafblock zurück und, wenn sie geschlechtskrank oder schwanger geworden waren, auf Vernichtungstransport“ (Buchmann, 1960, S. 86).
1. Einleitung: Die Arbeit befasst sich mit der Aufarbeitung von Sex-Zwangsarbeit in KZ-Bordellen und geht der Frage nach, warum diese historisch stigmatisiert und tabuisiert wurde.
2. Methodisches Vorgehen und Theorie: Semantik und Framing: Es werden die Konzepte der Begriffsgeschichte nach Koselleck und das politische Framing nach Wehling eingeführt, um Sprache als Instrument gesellschaftlicher Realitätskonstruktion zu untersuchen.
3. Die Sexual- und Prostitutionspolitik des Nationalsozialismus und ihre direkten Folgen mit Schwerpunkt auf Frame und Semantik: Das Kapitel analysiert die NS-Ideologie, die Prostitution als Gefahr für den „Volkskörper“ darstellte und mittels gezielter Propaganda diskreditierte.
4. Soziale Struktur der „Prostitution“/Sexarbeit in KZ-Bordellen: Es wird die Differenz zwischen Sex-Zwangsarbeit und Prostitution beleuchtet und die Fiktion der „freiwilligen Meldungen“ unter Einbeziehung des Modells von Norbert Campagna dekonstruiert.
5. Problematische Implikationen der NS-Sexzwangsarbeit in KZs und die Aufarbeitung nach 1945: Dieses zentrale Kapitel untersucht, wie männlich geprägte Diskurse und die Übernahme von NS-Jargon die Anerkennung des Opferstatus der betroffenen Frauen nach dem Krieg verhinderten.
6. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die Übernahme von NS-Semantik in der Nachkriegszeit fatale Folgen für die Anerkennung und Entschädigung der Opfer hatte und fordert eine lückenlose wissenschaftliche Aufarbeitung.
Sex-Zwangsarbeit, KZ-Bordelle, Nationalsozialismus, NS-Sexualordnung, Begriffsgeschichte, Politisches Framing, Freiwilligkeit, Zwang, Stigmatisierung, Opferstatus, Erinnerungskultur, Aufarbeitung, NS-Semantik, Geschlechtergeschichte
Die Arbeit analysiert die problematischen Implikationen, die bei der Aufarbeitung der Sex-Zwangsarbeit in Konzentrationslager-Bordellen nach 1945 entstanden sind, insbesondere unter dem Aspekt der sprachlichen und ideologischen Prägung.
Zu den Schwerpunkten gehören die NS-Prostitutionspolitik, die theoretischen Ansätze von Semantik und Framing, die soziale Struktur der Lagerbordelle sowie die defizitäre Entschädigung und Anerkennung der betroffenen Frauen.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass die tabuisierte und lückenhafte Aufarbeitung maßgeblich durch eine fortwirkende NS-Semantik und die fälschliche Annahme der „freiwilligen Meldung“ geprägt war.
Die Arbeit nutzt ein deskriptiv-analytisches Vorgehen, das auf Fachliteratur und Primärquellen basiert und die Konzepte der Begriffsgeschichte und des politischen Framings integriert.
Im Hauptteil werden die NS-Prostitutionspolitik, die (Nicht-)Freiwilligkeit der Sex-Zwangsarbeit sowie die Rolle ehemaliger männlicher Häftlinge bei der Reproduktion stigmatisierender Diskurse untersucht.
Die wichtigsten Begriffe sind Sex-Zwangsarbeit, NS-Sexualordnung, Framing, Opferstatus, Entschädigung und Erinnerungsdiskurs.
Weil dieser Begriff ein zentrales Propagandainstrument der SS war, um Frauen die Schuld an ihrer Ausbeutung zu delegieren, was von der Nachkriegsgesellschaft und ehemaligen Häftlingen unhinterfragt übernommen wurde.
Durch die dominante Sprecherrolle ehemaliger männlicher Häftlinge wurden Vorurteile und die NS-Sichtweise auf die Frauen in die Nachkriegszeit getragen, was zu einer anhaltenden Stigmatisierung der Überlebenden führte.
Da sie als „Asoziale“ (schwarzer Winkel) in die Lager eingewiesen wurden, fielen sie rechtlich aus dem Opferschema des Bundesentschädigungsgesetzes heraus, da der Status als NS-Opfer ihnen verwehrt blieb.
Die Arbeit fordert, die Lagerbordelle explizit als Teil des NS-Terrorsystems in Lagepläne und Gedenkstättenführungen aufzunehmen, um die noch bestehenden Wissenslücken und Tabus zu beenden.
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