Fachbuch, 2021
72 Seiten
1 Einleitung
2 Das Pflegekinderwesen
2.1 Stand der Forschung
2.2 Rechtliche Grundlagen
2.3 Kinderrechtspraxis
2.4 Das Zusammenspiel der Akteure
2.4.1 Der Pflegekinderdienst
2.4.2 Die Herkunftsfamilie
2.4.3 Die Pflegefamilie
2.4.4 Das Kind
2.5 Der Schutzauftrag
3 Das Pflegekind und seine Besonderheiten
3.1 Die Bindungen des Pflegekindes
3.2 Die Entwicklungsaufgaben des Pflegekindes
3.3 Die Vulnerabilität des Pflegekindes
3.4 Resilienz von Pflegekindern
3.4.1 Resilienzfaktoren
3.4.2 Bedeutung sozialer Ressourcen für Pflegekinder
3.4.3 Förderung der Resilienz
3.4.4 Beteiligung und Resilienz
4 Umsetzung des Kinderrechts auf Beteiligung
5 Ansätze für die deutsche Praxis
6 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Beteiligung von Pflegekindern an Hilfeprozessen und ihrer Resilienzentwicklung. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie eine gestärkte Subjektstellung und aktive Einbeziehung der Kinder in Entscheidungen ihre Bewältigungskompetenzen in oft belasteten Lebenssituationen fördern können.
3.1 Die Bindungen des Pflegekindes
Die Bindungsforschung belegt, dass alle Kinder zwar ein biologisch verankertes allgemeines Bindungsbedürfnis haben, ihre Bindungsbeziehungen letztendlich jedoch exklusiv sind. Diese sind abhängig von der Feinfühligkeit, die dem Kind von seiner nächsten Bezugsperson entgegen gebracht wird. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass die kindlichen Signale zeitnah wahrgenommen und korrekt interpretiert werden sowie eine prompte Reaktion erfahren. Die sich in ihrer Qualität unterscheidenden Bindungsbeziehungen „dienen als Schutz vor physischer Gefahr und emotionaler Überlastung und gewähren emotionale Sicherheit“ (Scheiwe et al. 2016: 26-29). Ihre emotionale Qualität führt dazu, „dass Trennungen zu heftigen Trauerreaktionen bis hin zu Hilflosigkeit und Depression führen können“ (ebd.).
Der Psychiater John Bowlby (1969/1982), auf den die Bindungstheorie zurück geht, leitete aus seinen Studien mit delinquenten Jugendlichen ab, dass die Trennung von der primären Bindungsperson in den ersten fünf Lebensjahren in einem kausalen Zusammenhang mit der Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern stehe. Drei Viertel der nach § 33 SGB VIII in einer Pflegefamilie untergebrachten Kinder sind unter sechs Jahre alt (Schleiffer 2015). Sie gehören somit zu der Gruppe der Kinder, die Bowlby als potentiell verhaltensauffällig bezeichnen würde. Abgesehen von der Trennungserfahrung wirken jedoch die bis zum Zeitpunkt des Beziehungsabbruchs gemachten Bindungserfahrungen auf das Verhalten des Kindes ein, nämlich, ob ihm in seiner frühen Kindheit eine verlässliche, feinfühlige Bindungsperson zur Verfügung stand. Daraus leitet das Kind seine Vorstellungen ab, wie Beziehungen funktionieren und welche Bedeutung das Kind für eine Bezugsperson/en glaubt zu haben. Mit zunehmendem Lebensalter entwickelt sich so ein inneres Arbeitsmodell von Bindung. Die auch als Bindungsrepräsentation bezeichnete Vorstellung richtet sich dann nicht mehr spezifisch auf einzelne Personen, sondern drückt sich durch Bindungsmuster im weiteren Lebensverlauf aus (Bowlby 1969/1982).
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Resilienzförderung durch Partizipation in der Sozialen Arbeit ein und begründet die Relevanz der Untersuchung für Pflegekinder.
2 Das Pflegekinderwesen: Dieses Kapitel erläutert rechtliche Grundlagen, den Stand der Forschung sowie das komplexe Zusammenspiel der verschiedenen Akteure (Pflegekinderdienst, Herkunftsfamilie, Pflegefamilie).
3 Das Pflegekind und seine Besonderheiten: Es werden bindungstheoretische Aspekte, Vulnerabilität sowie das Konzept der Resilienz inklusive der verschiedenen Schutzfaktoren und Interventionsmöglichkeiten analysiert.
4 Umsetzung des Kinderrechts auf Beteiligung: Ein Exkurs in das US-amerikanische System (North Dakota) verdeutlicht, wie Beteiligungsrechte durch konkrete Informationsmaterialien praktisch umgesetzt werden können.
5 Ansätze für die deutsche Praxis: Auf Basis der vorangegangenen Analysen werden Handlungsimpulse für deutsche Jugendämter abgeleitet, um die Beteiligungskultur zu stärken.
6 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass eine konsequente Beteiligung von Pflegekindern trotz struktureller Hürden essenziell für deren Resilienzaufbau und gelingende Lebensentwürfe ist.
Pflegekinder, Resilienz, Partizipation, Beteiligung, Kinderrechte, Jugendhilfe, Bindungstheorie, Vulnerabilität, Hilfeplanung, Pflegekinderdienst, Pflegefamilie, Schutzauftrag, Selbstwirksamkeit, Kindeswohl, Sozialpädagogik
Die Publikation untersucht, wie die Resilienz von Pflegekindern im Hilfeverlauf gestärkt werden kann, indem ihre Rechte auf Beteiligung ernst genommen und aktiv umgesetzt werden.
Die Arbeit behandelt die Schnittstelle zwischen rechtlichen Rahmenbedingungen der Jugendhilfe, psychologischen Aspekten der Bindung und Traumatisierung sowie der sozialpädagogischen Praxis der Unterstützung.
Ziel ist es aufzuzeigen, dass die mangelnde Umsetzung von Beteiligungsrechten die Resilienz von Pflegekindern negativ beeinflusst und dass eine stärkere Einbeziehung als protektiver Faktor wirken kann.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, Einbeziehung empirischer Studien und einer eigenen, stichprobenartigen Befragung von Jugendämtern.
Der Hauptteil analysiert das System Pflegekinderwesen, die spezifische Situation des Kindes (Vulnerabilität/Bindung) und erarbeitet durch einen Vergleich mit dem US-amerikanischen System Praxisansätze für Deutschland.
Die zentralen Charakteristika sind Resilienz, Partizipation, Kindeswohl, Subjektstellung und die Interaktion im Beziehungsdreieck zwischen Fachkraft, Pflegeeltern und Kind.
Der Fachkraft kommt eine Vermittlerrolle zu; sie muss als authentische Ressource fungieren, die das Kind nicht nur als Objekt der Hilfe, sondern als Subjekt mit eigenen Rechten wahrnimmt.
Es dient als nachahmungswertes Praxisbeispiel dafür, wie durch konkrete Informationsmaterialien Transparenz geschaffen und das Kind in seiner Subjektstellung gestärkt werden kann.
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