Bachelorarbeit, 2010
38 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Sachanalyse
2.1 Der Begriff des Wunders
2.2 Blindheit in der Antike
2.3 Exegetische Erarbeitung von Mk 10,46-52
2.4 Exegetisch-theologische Reflexion
3. Didaktische Analyse
3.1 Lehrplanbezug
3.2 Entwicklungspsychologische Voraussetzungen
3.2.1 Fritz Oser/ Paul Gmünder: „Das religiöse Urteil“
3.2.2 James W. Fowler: Stufen des Glaubens
3.2.3 Der Konstruktivismus
3.3 Vergleich zweier Lehrbücher
3.3.1 „Wir gehören zusammen 2“
3.3.2 „Brücken Bauen – Religion 3/4“
3.3.3 Fazit
3.4 Wundergeschichten in der Grundschule
3.4.1 Gegner und Befürworter von Wundergeschichten in der Grundschule
3.4.2 Didaktische Umsetzungsmöglichkeiten
3.4.3 Wundergeschichten als Glaubensgeschichten
3.4.4 Wundergeschichten als Handlungsanweisungen
3.4.5 Wundergeschichten als Hoffnungsbilder
3.5 Didaktische Reduktion
3.6 Lernziele
4. Methodische Hinweise
5. Verlaufsplanung
Die Arbeit untersucht die didaktische und exegetische Relevanz von Wundergeschichten, insbesondere der Heilung des blinden Bartimäus (Mk 10,46-52), für den evangelischen Religionsunterricht in der Grundschule. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie diese Geschichten altersgerecht und konstruktiv vermittelt werden können, ohne sie entweder auf eine rein historische Ebene zu reduzieren oder theologisch zu überfordern.
2.1 Der Begriff des Wunders
Bei einer Befragung unter zwanzig Lehrern zu dem Thema „Was verstehe ich unter einem Wunder?“, gaben fünfzehn Teilnehmer an: „Ein Ereignis, das naturwissenschaftlich nicht erklärbar ist.“ Zwei Lehrer antworteten: „Ein Ereignis, das natürlich, das heißt mit dem Verstand, nicht erklärbar ist.“ Wiederum zwei gaben an, es handele sich „um ein Ereignis, das unerwartet eintritt.“ Nur ein Teilnehmer gab an, dass es sich bei einem Wunder um ein „Außerkrafttreten der Naturgesetze durch ein besonderes Eingreifen Gottes“ handele (Weiser 1980, S. 9).
Auffällig ist, dass sechzehn der zwanzig Befragten, gemäß dem Denken moderner Menschen, naturwissenschaftlich an das Thema herangingen. Ein Wunder ist für sie nur dann ein Wunder, wenn sich ein Ereignis entweder naturwissenschaftlich nicht erklären lässt, oder ein Naturgesetz ganz außer Kraft tritt. Dies ist allerdings eine sehr enge Definition eines Wunders und hat mit dem antiken und biblischen Wunderverständnis nicht viel gemeinsam. Zum einen kannten die Menschen in der Antike keine Naturgesetze, bzw. kannten sie sie nicht so detailliert wie die Menschen heute. Zum anderen besaßen die Menschen der Antike – und übrigens auch des Mittelalters – ein komplett anderes Weltbild. Die Erde stellte man sich als feste Scheibe vor, über die sich wie eine Käseglocke die Feste des Himmels wölbte. Unter der Erde befanden sich die unteren Wasser. Die obere Welt galt als der Ort Gottes bzw. der Götter. Die untere Welt „galt als Reich des Todes und Wohnsitz böser dämonischer Mächte“ (Weiser 1980, S. 13).
Man dachte, dass göttliche Wesen, gute wie böse, aus der Ober- und Unterwelt ständig in das Geschehen auf der Erde eingriffen und so Wunder geschehen lassen konnten. Aber es gibt noch einen weiteren großen Unterschied zwischen dem, was heutige Menschen unter einem Wunder verstehen und dem, was man in der Antike darunter verstand. Während es heutzutage wichtiger ist, dass ein Ereignis aus dem Rahmen des Gewohnten fällt als dass eine Erfahrung mit Gott gemacht wird, um als Wunder bezeichnet werden zu können, war es in der Antike genau andersherum.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Auseinandersetzung mit Wundergeschichten im Religionsunterricht der Grundschule angesichts kritischer Schülerfragen.
2. Sachanalyse: Dieses Kapitel liefert eine wissenschaftliche Fundierung des Wunderbegriffs, untersucht die exegetische Bedeutung von Mk 10,46-52 und reflektiert die systematisch-theologische Dimension.
3. Didaktische Analyse: Hier werden entwicklungspsychologische Voraussetzungen, der Umgang mit Wundergeschichten in Schulbüchern sowie didaktische Umsetzungsstrategien und Lernziele für die Grundschule dargelegt.
4. Methodische Hinweise: Dieser Abschnitt bietet kritische Überlegungen zur praktischen Unterrichtsgestaltung und zur Rolle des Erzählens gegenüber medialen oder spielerischen Ansätzen.
5. Verlaufsplanung: Dieses Kapitel präsentiert einen konkreten Unterrichtsentwurf, inklusive Zeitplan, Zielen und Medieneinsatz für die behandelte Perikope.
Wundergeschichten, Religionsunterricht, Grundschule, Mk 10,46-52, Bartimäus, Exegese, Didaktik, Konstruktivismus, religiöse Entwicklung, Glaubensgeschichten, Heilung, Jesus Christus, Wunderbegriff, Unterrichtsplanung, Bibel
Die Bachelorarbeit setzt sich mit der Herausforderung auseinander, wie neutestamentliche Wundergeschichten, speziell die Heilung des blinden Bartimäus, kompetent und altersgerecht im Religionsunterricht der Grundschule vermittelt werden können.
Die zentralen Felder sind die wissenschaftliche Exegese des Begriffs „Wunder“, die entwicklungspsychologische Einordnung religiöser Urteilsbildung bei Kindern sowie die didaktische Debatte um die methodische Umsetzung solcher Texte.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer Wundergeschichten nicht als rein historische Berichte oder überfordernde Wundererzählungen behandeln, sondern den Schülern einen eigenen, konstruktiven Zugang zu dieser Thematik ermöglichen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse theologischer und religionsdidaktischer Grundlagen, ergänzt durch eine vergleichende Untersuchung aktueller Schulbuchkonzepte und eine daraus abgeleitete fachdidaktische Reflexion.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fachwissenschaftliche Sachanalyse, eine didaktische Einordnung basierend auf Modellen wie denen von Oser/Gmünder und Fowler, eine Kritik an Schulbuchbeispielen und die methodische Planung einer Unterrichtsreihe.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wundergeschichten, Religionsunterricht, Didaktik, Konstruktivismus, Bartimäus-Erzählung und religiöse Entwicklung charakterisiert.
Sie eignet sich besonders gut, da sie sehr anschaulich und konkret ist. Die Schüler können sich gut in die Figur des blinden Bartimäus einfühlen und die doppelte Bedeutung von „sehen“ und „Blindheit“ auf ihr eigenes Leben beziehen.
Der konstruktivistische Ansatz ist für die Autorin zentral, um Kindern zu ermöglichen, sich eine eigene Meinung zu bilden, anstatt vorgefertigte Interpretationen der Wundertexte zu übernehmen.
Die Autorin sieht sowohl Stärken als auch Schwächen. Sie kritisiert bei manchen Werken die Umständlichkeit der Umsetzung, begrüßt aber Ansätze, die die Texte altersgerecht vereinfachen oder Bezüge zum eigenen Leben herstellen.
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