Bachelorarbeit, 2020
49 Seiten, Note: 2.0
1. Vorwort
2. Definitionen
2.1 Utopie – Definition und Merkmale
2.2 Dystopie – Definition und Merkmale
2.3 Naive Malerei
3. Bill Traylor – geboren als Sklave, gestorben als Maler
4. Bill Traylors utopische Vorstellung eines Eigenheims
4.1 Bill Traylor: Yellow and Blue House with Figures and Dog, 1939
4.2 Bill Traylor: Kitchen Scene, Yellow House, 1939/1942
5. Horace Pippin – Die Folgen eines Soldatenlebens
6. Pippins Trauma und Verarbeitung des Ersten Weltkrieges
6.1 Horace Pippin: The Ending of the War: Starting Home, 1930-1933
6.2 Horace Pippin: The Holy Mountain III, 1945
7. Vergleichende Untersuchung zwischen Traylor und Pippin
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie zwei afroamerikanische Künstler, Bill Traylor und Horace Pippin, traumatische Lebenserfahrungen durch die Naive Malerei verarbeiten. Dabei wird analysiert, inwiefern die Künstler bewusst utopische oder dystopische Elemente in ihre Werke integrieren, um entweder ein Gegenbild zu ihrer belasteten Realität zu schaffen oder ihr erlittenes Leid direkt zu reflektieren.
4.1 Bill Traylor: Yellow and Blue House with Figures and Dog, 1939
Das ausgewählte Werk Traylors stammt aus dem Jahr 1939 und wurde mit Bleistift und mit Farbstiften auf Papier angefertigt (Abb.4). Hierbei handelt es sich um ein rechteckiges Hochformat. Zentral im Bild ist ein Haus dargestellt, welches eine große Fläche des Bildes in Anspruch nimmt. Das Haus hat zwei gelbe Wände und an jeder Wand jeweils eine kleine Öffnung, die durch ein Rechteck visualisiert wird. Die Rechtecke haben einen blauen Rahmen. Das Dach ist ebenfalls in der Farbe Blau gehalten. Zusätzlich sind vier braune Stelzen an der Unterseite des Hauses gesetzt worden. Die beiden gelben Wände werden durch eine rechteckige Öffnung durchtrennt. Die Öffnung ermöglicht dem Betrachter einen Blick in das Haus. Durch die Öffnung lässt sich eine männliche Figur erkennen, die auf einem Schaukelstuhl platziert ist. Die Figur hebt das linke Bein etwas in die Höhe und fasst sich mit der rechten Hand an den Hinterkopf. Zusätzlich trägt die Figur einen Zylinderhut. Die Augen sind weit geöffnet (Abb.4). Die Nase ist etwas länglicher dargestellt und ähnelt einem Rüssel. Der linke Arm ist gestreckt und die Figur hält ein rechteckiges Objekt, beschriftet mit „AB“, in der Hand. Die Figur ist vollständig mit einem Bleistift ausgemalt. Um die Figur herum, aber noch in der rechteckigen Öffnung des Hauses, ist der Untergrund zu erkennen. Über der sitzenden Figur befindet sich ein blaues Dach. Auf dem Dach sind drei Schornsteine abgebildet. Hinzufügend befindet sich eine weitere, sehr große Figur auf dem Dach des Hauses. Die Figur ist auf der rechten Dachschräge platziert. Von den Proportionen ist die Figur beinahe so groß wie das gesamte Haus. Auch die Figur ist mit dem Bleistift gezeichnet und ausgemalt. Nur ein runder Abschnitt am Oberkörper wurde nicht ausgemalt und dient der Kleidungsform.
1. Vorwort: Der Abschnitt führt in die wissenschaftliche Thematik der psychotraumatologischen Forschung ein und betont die Bedeutung individueller Verarbeitungsmechanismen bei traumatischen Erlebnissen.
2. Definitionen: Hier werden die zentralen Begriffe Utopie, Dystopie und Naive Malerei aus interdisziplinärer Sicht definiert, um ein theoretisches Fundament für die anschließende Werkbetrachtung zu legen.
3. Bill Traylor – geboren als Sklave, gestorben als Maler: Dieses Kapitel skizziert die Biografie Traylors, dessen künstlerisches Schaffen in den 1930er Jahren eng mit den Beobachtungen seines Alltags in Montgomery verknüpft war.
4. Bill Traylors utopische Vorstellung eines Eigenheims: Die Analyse konzentriert sich auf die Hausdarstellungen Traylors, die als Wunschutopien und Ausdruck eines tiefsitzenden Bedürfnisses nach Sicherheit und Eigentum interpretiert werden.
5. Horace Pippin – Die Folgen eines Soldatenlebens: Dieser Teil behandelt die traumatischen Kriegserfahrungen Pippins als Soldat im Ersten Weltkrieg und die Auswirkungen dieser Erlebnisse auf seine psychische Verfassung.
6. Pippins Trauma und Verarbeitung des Ersten Weltkrieges: Anhand zweier Hauptwerke wird analysiert, wie Pippin sein Kriegstrauma durch die Darstellung von Gewalt und dystopischen Motiven explizit verarbeitet.
7. Vergleichende Untersuchung zwischen Traylor und Pippin: Dieser Abschnitt stellt die unterschiedlichen künstlerischen Strategien der beiden Vertreter der Naiven Malerei gegenüber und arbeitet Gemeinsamkeiten sowie Differenzen in ihrer Traumaverarbeitung heraus.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass die Naive Malerei bei beiden Künstlern als essenzielles Medium dient, um traumatische Erfahrungen entweder in eine Wunschutopie oder in eine kritische Auseinandersetzung mit der Realität zu transformieren.
Utopie, Dystopie, Naive Malerei, Traumaverarbeitung, Bill Traylor, Horace Pippin, Psychotraumatologie, Wunschutopie, Soldatenleben, Sklaverei, afroamerikanische Kunst, Kunstgeschichte, Weltanschauung, Identitätsverlust, Bewältigungsstrategien.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Naiven Malerei der afroamerikanischen Künstler Bill Traylor und Horace Pippin unter dem Aspekt, wie diese ihre traumatischen Lebenserfahrungen durch künstlerische Darstellung verarbeiten.
Zentrale Themen sind die psychologischen Folgen von Traumata, die Bedeutung von Utopien und Dystopien in der Kunst sowie die biographisch geprägte Motivwahl der beiden Maler.
Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Naive Malerei nicht bloß eine ästhetische Ausdrucksform ist, sondern als bewusstes Mittel dient, um traumatische Ereignisse wie Sklaverei oder Kriegserfahrungen zu verarbeiten.
Es wird eine kunsthistorische Werkbetrachtung in Kombination mit einer interdisziplinären Definition und Anwendung psychologischer Traumakonzepte durchgeführt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsklärung, die biographische und werkanalytische Untersuchung von Bill Traylor, die Betrachtung von Horace Pippins Kriegstraumata sowie eine vergleichende Synopse beider Künstler.
Neben der Naiven Malerei prägen die Konzepte von Wunschutopie, dystopischer Weltanschauung, Traumaverarbeitung und die spezifischen Lebensumstände der Künstler das Werk.
Während Traylor eine Wunschutopie als Gegenbild zu seinem Sklavendasein entwirft, setzt sich Pippin direkt und oft explizit gewaltvoll mit seinem Kriegstrauma und der düsteren Realität auseinander.
Die Arbeit legt dar, dass die Motive – wie etwa Häuser bei Traylor oder Kriegsszenen bei Pippin – ohne den biographischen Kontext als einfache Abbildungen missverstanden werden könnten, während sie in Wahrheit komplexe psychologische Kompensationsmechanismen widerspiegeln.
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