Bachelorarbeit, 2019
46 Seiten, Note: 1.0
Einleitung
I. Entwicklung sozialstaatlichen, sozialen Schutzes
I.1 Die soziale Moderne
I.2 Sozialstaat, Unternehmen und Gewerkschaften ab den 1970er Jahren
I.3 Prekarisierung von Erwerbsarbeit und Individualisierung von Verantwortung
I.5 Zusammenfassung der Abstiegstendenzen
II. Das bedingungslose Grundeinkommen
II.1 Marktliberale und emanzipatorische Modelle
II.2 Über die Höhe des Transfers
II.3 Das existenzsichernde bedingungslose Grundeinkommen
II.4 Vorstellung eines ausformulierten Konzeptes: Das emanzipatorische Grundeinkommen
II.5 Problemquellen
III. Soziale Infrastruktur
III.1 Beschreibung des Konzeptes
III.2 Soziale Infrastruktur am Beispiel des Gesundheitswesens
IV. Wege der Realisierung
IV.1 Finanzierungsweisen
IV.2 Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die aktuelle Krise des deutschen Sozialstaates, der eng mit Erwerbsarbeitsverhältnissen verknüpft ist. Ziel ist es, alternative Konzepte – insbesondere das bedingungslose Grundeinkommen sowie eine neu definierte soziale Infrastruktur – als Ansätze für eine existenzsichernde gesellschaftliche Transformation zu bewerten.
I.1 Die soziale Moderne
Mit der Durchsetzung des bismarkischen Sozialversicherungssystems begann die Entwicklung des deutschen Sozialstaats. Innerhalb der „sozialen Moderne“, wurden auf diesem Sozialversicherungssystem aufbauend sukzessive große Teile der Bevölkerung durch ein „Soziales Netz“ vor den wichtigsten gesellschaftlichen Risiken geschützt (Nachtwey 2016: 17) (vgl. Castel 2009: 24).
Damit wurden zunehmend die wesentliche Aufgabe der Gewährung sozialer Sicherheit von traditionellen Gemeinschaftskollektiven, wie der Familie und Nachbarschaft, an den Sozialstaat delegiert. Diese Kollektive und die Erwerbsarbeit waren bis dato die einzige Möglichkeit vor sozialer Unsicherheit abgesichert zu sein. Waren Arbeiter_innen aufgrund einer Krankheit, eines Unfalls, aus Altersschwäche oder anderen Ursachen nicht mehr in der Lage zu arbeiten, gefährdete das direkt ihre Existenzen, solange kein traditionelles Kollektiv die Folgen ihrer Erwerbslosigkeit auffangen konnte. Das änderte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts, indem die Erwerbsarbeit mit einem Status versehen wurde, der an starke, staatliche Schutzmechanismen geknüpft war (vgl. Castel 2005: 40f), welche über soziale Rechte als Anspruch eingefordert werden können (vgl. Martin/ Wissel i. E.: 9).
Dazugehörten: „[…] Mindestlohn, arbeitsrechtliche Bestimmungen, Unfall-, Kranken- und Rentenversicherung und so fort“ (Castel 2005: 41). Diese staatlichen Schutzmaßnahmen boten die Antwort auf die historisch grundlegende Kernfrage, wie Menschen mit mangelndem Eigentum und ohne angemessene Ressourcen ein Mittel gegen soziale Unsicherheit erhalten sollten (vgl. Castel 2005: 34). Dabei ist zu betonen, dass die Schaffung des „Soziales Netzes“ sich nicht selbstverständlich aus der Veränderung der Arbeits- und Lebensweisen ergeben hat, sondern Ergebnis ökonomischer, sozialer und politischer Auseinandersetzungen ist (vgl. Hirsch, Herrschaft, Hegemonie und politische Alternativen, zitiert nach Martin/ Wissel i.E.: 8).
Einleitung: Umreißt die Kritik am aktuellen Sozialstaat und führt in die Konzepte des bedingungslosen Grundeinkommens und der sozialen Infrastruktur ein.
I. Entwicklung sozialstaatlichen, sozialen Schutzes: Analysiert historisch die Entstehung und den Wandel des Sozialstaates sowie die zunehmende Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen.
II. Das bedingungslose Grundeinkommen: Diskutiert verschiedene BGE-Modelle, ihre Existenzsicherungspotenziale und konkrete Umsetzungsvorschläge, etwa durch die Linke.
III. Soziale Infrastruktur: Beschreibt ein sozialpolitisches Konzept, das den Ausbau öffentlicher Güter und Dienstleistungen in den Mittelpunkt stellt.
IV. Wege der Realisierung: Behandelt Finanzierungsfragen und Möglichkeiten der politischen Umsetzung im Kontext bestehender Machtverhältnisse.
Sozialstaat, Grundeinkommen, Soziale Infrastruktur, Prekarisierung, Arbeitsverhältnisse, Transformation, Real Utopie, Umverteilung, Existenzsicherung, Sozialpolitik, Lohnarbeit, Finanzierung, Dekommodifizierung, Gewerkschaften, Arbeitseinkommensquote.
Die Arbeit analysiert die gegenwärtigen Krisen des deutschen Sozialstaates und stellt alternative Ansätze vor, um soziale Sicherheit in einer transformierten Arbeitswelt zu gewährleisten.
Die zentralen Themen sind der Wandel des Sozialstaates, die Prekarisierung von Erwerbsarbeit, das bedingungslose Grundeinkommen und der Ausbau einer sozialen Infrastruktur.
Das Ziel ist die Erörterung und Bewertung des bedingungslosen Grundeinkommens und der sozialen Infrastruktur als emanzipatorische Wege in eine existenzsichernde Zukunft.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Aufarbeitung soziologischer und politischer Literatur zu sozialstaatlichen Entwicklungen und Transformationskonzepten.
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Skizze der Prekarisierung, die detaillierte Diskussion von BGE-Konzepten sowie die theoretische Herleitung und beispielhafte Anwendung des Konzepts der sozialen Infrastruktur.
Die Arbeit lässt sich vor allem mit den Begriffen Sozialstaat, Transformation, bedingungsloses Grundeinkommen, soziale Infrastruktur und Prekarisierung zusammenfassen.
Emanzipatorische BGE-Modelle zielen auf eine echte Existenzsicherung und Stärkung der Arbeitnehmer_innen ab, während marktliberale Modelle oft auf eine Entschlackung des Sozialstaates und die Aufrechterhaltung des Lohnarbeitszwangs setzen.
Durch die Dekommodifizierung öffentlicher Güter und Dienstleistungen wird Sozialpolitik als Infrastruktur verstanden, die soziale Sicherheit von der reinen Erwerbsarbeit entkoppelt.
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