Masterarbeit, 2016
113 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretische Annährung an die Memoria
2.1. Das individuelle Gedächtnis
2.2. Das soziale Gedächtnis
2.3. Die soziologische Perspektive auf das Gedächtnis: Maurice Halbwachs und sein Ansatz zum kollektiven Gedächtnis
2.4. Die kulturwissenschaftliche Perspektive auf das kollektive Gedächtnis nach Aleida und Jan Assmann
2.4.1. Das kulturelle Gedächtnis
2.4.2. Kulturelles Gedächtnis und Schrift
2.5. Soziales Vergessen
3. Definitionen und Theorien zur Identität
3.1. Identität und Alterität
3.2. Kollektive Identität
4. Lateinamerika auf der Suche nach seiner Selbst
4.1. Das Erbe der Kolonisierung
4.2. Die Ausbildung der Nationalstaaten
4.3. Die Problematik der mestizaje
4.4 Die lateinamerikanische soledad: Ursachen und Wirkung
4.5. Lateinamerikanische Befreiungsphilosophie
5. Die Boom-Romane der 60er Jahre als Entwürfe der Identitätsstiftung
6. Cien años de soledad: Spiegel der Identitätssuche Lateinamerikas
6.1. Mythisches Erzählen als Alteritätserfahrung
6.1.1. Mythische Elemente in Cien años de soledad
6.1.2. Zirkularität und mythologische Zeit
6.2. Die Funktion und Verarbeitung der lateinamerikanischen Geschichte in Cien años de soledad
6.2.1. José Arcadio Buendía und der Kolonialismus
6.2.2. Der Oberst Aureliano Buendía und der Bürgerkrieg
6.2.3. Die soledad in Macondo
6.2.4. Der Imperialismus der USA: Señor Brown und die United Fruit Company in Kolumbien
6.3. Ein Roman gegen das Vergessen
6.3.1. Das Bananenarbeitermassaker – tres mil muertos por decreto
6.3.2. Sprach- und Gedächtnisverlust bei Rebeca: die Schlaflosigkeits- und Vergessenspest
6.3.3. Symbolische Orte der Erinnerung: Der Friedhof Macondos und das Totengedenken
7. Ausblick: Macondo als pars pro toto für Lateinamerika
Diese Arbeit untersucht, inwiefern Gabriel García Márquez’ Roman "Cien años de soledad" als Medium zur kollektiven Identitätsstiftung Lateinamerikas fungiert. Dabei wird analysiert, wie durch die literarische Inszenierung von Erinnerung und Vergessen eine spezifische Identität des Kontinents konstruiert wird, die sich in Abgrenzung zur okzidental-europäischen Tradition definiert.
6.2.4. Der Imperialismus der USA: Señor Brown und die United Fruit Company in Kolumbien
En ese momento la población fue estremecida por un silbato de resonancias pavorosas y una descomunal respiración acezante. Las semanas precedentes se había visto a las cuadrillas que tendieron durmientes y rieles, y nadie les prestó atención porque pensaron que era un nuevo artificio de los gitanos que volvían con su centenario y desprestigiado dale que dale de pitos y sonajas pregonando las excelencias de quién iba a saber qué pendejo menjunje de jarapellinosos genios jerosolimitanos. Pero cuando se restablecieron del desconcierto de los silbatazos y resoplidos, todos los habitantes se echaron a la calle y vieron a Aureliano Triste saludando con la mano desde la locomotora, y vieron hechizados el tren adornado de flores que por primera vez llegaba con ocho meses de retrasos. El inocente tren amarillo que tantas incertidumbres y evidencias, y tantos halagos y desventuras, y tantos cambios, calamidades y nostalgias había de llevar a Macondo.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie der Roman "Cien años de soledad" zur kollektiven Identitätsstiftung Lateinamerikas beiträgt.
2. Theoretische Annährung an die Memoria: Es werden grundlegende Gedächtniskonzepte erläutert, insbesondere die Ansätze von Halbwachs sowie Jan und Aleida Assmann.
3. Definitionen und Theorien zur Identität: Dieses Kapitel definiert Identität und Alterität als theoretische Basis für die Untersuchung der lateinamerikanischen Selbstwahrnehmung.
4. Lateinamerika auf der Suche nach seiner Selbst: Der historische Kontext Lateinamerikas, von der Kolonialisierung bis zur Nationsbildung, wird als identitätsstiftender Prozess beleuchtet.
5. Die Boom-Romane der 60er Jahre als Entwürfe der Identitätsstiftung: Die literarische Bedeutung der Boom-Autoren und deren Suche nach einer spezifischen Identität wird diskutiert.
6. Cien años de soledad: Spiegel der Identitätssuche Lateinamerikas: Eine tiefgehende Analyse der mythischen Strukturen, der Geschichtsverarbeitung, der Einsamkeit und der Erinnerungsprozesse im Roman.
7. Ausblick: Macondo als pars pro toto für Lateinamerika: Die Ergebnisse werden resümiert und die Übertragbarkeit der Erkenntnisse auf die aktuelle Situation Lateinamerikas diskutiert.
Lateinamerika, Gabriel García Márquez, Cien años de soledad, kollektives Gedächtnis, Identitätsstiftung, soledad, Erinnerungskultur, Kolonialismus, Realismo mágico, Vergessen, Nation, Mythos, Geschichte, Postkolonialismus, Literaturwissenschaft.
Die Hausarbeit untersucht, wie Gabriel García Márquez durch seinen Roman die Identitätssuche Lateinamerikas thematisiert und welche Rolle dabei Prozesse der Erinnerung und des Vergessens spielen.
Die zentralen Themen umfassen Gedächtnistheorie, Identitätskonstruktion, die Geschichte des lateinamerikanischen Kontinents, das Phänomen der Einsamkeit sowie die literarische Verarbeitung von traumatischen Ereignissen wie dem Bananenarbeitermassaker.
Die zentrale Frage ist, wie "Cien años de soledad" innerhalb seiner literarischen Gattung zur kollektiven Identitätsstiftung einer Nation und eines ganzen Kontinents beiträgt.
Die Arbeit stützt sich auf kulturwissenschaftliche und literaturwissenschaftliche Ansätze, insbesondere die Gedächtnistheorien von Maurice Halbwachs sowie Aleida und Jan Assmann.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des Gedächtnisses und der Identität, die historische Suche Lateinamerikas nach sich selbst und die Spiegelung dieser Prozesse in Márquez' Roman durch Motive wie das Bananenarbeitermassaker und den Friedhof von Macondo.
Wichtige Begriffe sind Lateinamerika, Identität, kollektives Gedächtnis, soledad, realismo mágico, Kolonialismus und Geschichtsverarbeitung.
Der Friedhof dient als symbolischer Ort der Erinnerung, an dem die Entwicklung der macondinischen Gesellschaft und der Umgang mit den Toten als identitätsstiftendes Element analysiert werden.
Die Arbeit zeigt auf, dass der Roman reale historische Prozesse, wie die Kolonialisierung und den wirtschaftlichen Imperialismus der USA, als fundamentales Substrat für die Familiensaga der Buendías nutzt.
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