Masterarbeit, 2019
104 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
2.1 Behinderung
2.2 Wortbedeutungen um den Begriff der Selbstbestimmung
2.2.1 Freiheit
2.2.2 Selbstbestimmung
2.2.3 Autonomie
2.2.4 Selbstständigkeit
2.2.5 Identität
3. Verortung des Selbstbestimmungsgedankens in der Sonderpädagogik
3.1 Geschichte des Leitbilds der Selbstbestimmung
3.2 Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung in der heutigen Praxis
3.3 Theoretische Fundierung des Selbstbestimmungsgedankens
3.3.1 Die anthropologische Position von Hahn
3.3.2 Der anthropologische Dreischritt von Walther
3.3.3 Kritische Positionen zum Leitbild der Selbstbestimmung von Waldschmidt und Stinkes
4. Die existenzialistische Philosophie von Jean-Paul Sartre
4.1 Der Grundsatz: ‚Beim Menschen geht die Existenz der Essenz voraus‘
4.2 Die Bedeutung der Situation
4.3 (Schluss-)Folgen des Grundsatzes
4.3.1 Leben als engagierter Entwurf
4.3.2 Verurteilung zur Freiheit
5. Betrachtung des Selbstbestimmungsgedankens bei Menschen mit Behinderung aus existenzphilosophischer Perspektive
5.1 Sartres ontologischer und Hahns anthropologischer Ansatz
5.2 Unterscheidung zwischen Handlungsfreiheit und Wahlfreiheit
5.3 Existenzialismus im Zeichen der Postmoderne und des Neoliberalismus
5.4 Normen und Normalität
5.5 Freiheit, Selbstbestimmung und schwere Behinderung
5.6 Die Bedeutung subjektiver Sinnhaftigkeit
5.7 Identität und Selbstbestimmung
5.8 Selbstbestimmung und Pädagogik
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der Selbstbestimmung bei Menschen mit Behinderung, insbesondere bei Menschen mit geistiger Behinderung, und beleuchtet diesen aus der existenzialistischen Perspektive von Jean-Paul Sartre. Die zentrale Forschungsfrage ist, inwieweit Sartres Philosophie Potenziale bietet, die Forderung nach Selbstbestimmung theoretisch zu begründen und für die sonderpädagogische Praxis fruchtbar zu machen.
4.1 Der Grundsatz: ‚Beim Menschen geht die Existenz der Essenz voraus‘
Grundlage der phänomenologischen Ontologie von Jean-Paul Sartre ist die Unterscheidung der zwei Seinsformen des An-sich und des Für-sich. Diese unterscheiden sich in ihrem Verhältnis von Essenz und Existenz (vgl. Abb. 5). Unter Essenz kann bei Sartre eine bestimmte Wesenheit der Seinserscheinungen, die sie in ihren Eigenschaften festlegt, verstanden werden. Existenz wiederum ist das einfache Da-Sein in der Welt (vgl. BOLLNOW 1947, S. 656). Bei der Seinsform des An-sich geht die Essenz der Existenz voraus. Es existiert als das, was es ist; es ist an sich (vgl. SARTRE, 2017, S. 44/ STRELLER 1952, S. 1/ HENGELBROCK 1989, S. 57). Seine Essenz ist festgeschrieben, es ist reine Positivität. Dies zeichnet die gegenständliche Welt aus. Ihr Zweck oder ihr Wesen sind bereits festgelegt, bevor sie existieren (vgl. STÖCKLIN 2015, S. 13).
Sartre gibt in Der Existenzialismus ist ein Humanismus das Beispiel eines Brieföffners an: „Wenn man einen produzierten Gegenstand betrachtet, zum Beispiel ein Buch oder einen Brieföffner, so wurde dieser Gegenstand von einem Handwerker hergestellt, der sich von einem Begriff hat anregen lassen; er hat sich auf den Begriff Brieföffner bezogen und auch auf ein bereits bestehendes Herstellungsverfahren, das Teil des Begriffs ist - im Grunde ein Rezept. So ist der Brieföffner zugleich ein Gegenstand, der auf eine bestimmte Weise hergestellt wird und der andererseits einen bestimmten Nutzen hat; man kann sich keinen Menschen vorstellen, der einen Brieföffner herstellte, ohne zu wissen, wozu der Gegenstand dienen wird. Wir sagen also, daß beim Brieföffner die Essenz, das Wesen - das heißt die Gesamtheit der Rezepte und der Eigenschaften, die es gestatten, ihn zu produzieren und zu definieren - der Existenz vorausgeht; in dieser Weise ist die Gegenwart dieses Brieföffners oder jenes Buches hier vor mir determiniert. Wir haben es hier mit einer technischen Betrachtung der Welt zu tun, bei der die Produktion der Existenz vorausgeht.“ (SARTRE 2018, S. 148)
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Selbstbestimmung bei Menschen mit Behinderung ein und stellt das Vorhaben vor, diese aus existenzialistischer Sicht zu analysieren.
2. Begriffsbestimmungen: Es werden zentrale Begriffe wie Behinderung, Selbstbestimmung, Freiheit, Autonomie, Selbstständigkeit und Identität definiert und für den sonderpädagogischen Kontext spezifiziert.
3. Verortung des Selbstbestimmungsgedankens in der Sonderpädagogik: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entwicklung, die theoretische Fundierung (Hahn, Walther) und die aktuelle Praxis der Selbstbestimmung im sonderpädagogischen Diskurs.
4. Die existenzialistische Philosophie von Jean-Paul Sartre: Die Grundlagen der existenzialistischen Ontologie Sartres, insbesondere die Existenz als dem Wesen vorausgehend, werden dargelegt.
5. Betrachtung des Selbstbestimmungsgedankens bei Menschen mit Behinderung aus existenzphilosophischer Perspektive: Sartres Philosophie wird auf sonderpädagogische Themen wie Identität, Sinnhaftigkeit, Normalität und schwere Behinderung angewandt.
6. Fazit: Die Arbeit zieht eine Schlussfolgerung über das Potenzial einer existenzialistischen Betrachtungsweise für die pädagogische Arbeit mit Menschen mit Behinderung.
Selbstbestimmung, Mensch mit Behinderung, Jean-Paul Sartre, Existenzialismus, Sonderpädagogik, Freiheit, Identität, Abhängigkeit, Normalisierung, Empowerment, Sinnhaftigkeit, Ontologie, Subjektivität, Verantwortung, Autonomie.
Die Arbeit untersucht den Selbstbestimmungsbegriff für Menschen mit (geistiger) Behinderung unter Einbeziehung existenzphilosophischer Ansätze von Jean-Paul Sartre.
Zentral sind der sonderpädagogische Diskurs zur Selbstbestimmung, existenzialistische Philosophie, Konzepte von Identität und Sinnhaftigkeit sowie die kritische Reflexion von Normalität.
Ziel ist es zu erörtern, welche Potenziale Sartres existenzialistische Philosophie für die sonderpädagogische Begründung von Selbstbestimmung bietet.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die philosophische Konzepte (Sartre) und sonderpädagogische Fachdiskurse (u.a. Hahn, Theunissen) zueinander in Beziehung setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung des sonderpädagogischen Selbstbestimmungsbegriffs, die Darstellung Sartres Existenzphilosophie und die Verknüpfung beider Bereiche im Kontext der Behindertenpädagogik.
Die wichtigsten Schlagworte sind Selbstbestimmung, Existenzialismus, Identität, Freiheit, Behinderung und Sonderpädagogik.
Sie sieht die existenzialistische Perspektive als theoretisch gewinnbringend an, um den Menschen mit Behinderung als autonomes, selbstentwerfendes Subjekt zu begreifen und gesellschaftliche Normalitätsnormen zu hinterfragen.
Ein zentrales Dilemma ist, dass Sartres Betonung der totalen, absoluten Freiheit und Eigenverantwortung das Individuum mit Behinderung in prekäre Situationen bringen kann, da soziale Mitverantwortung und externe Ressourcenabhängigkeiten in seiner Theorie theoretisch unterbelichtet bleiben.
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