Bachelorarbeit, 2004
45 Seiten, Note: 1, 0
Abgrenzung der Themenstellung
1. Das kollektive Gedächtnis: Wesen und Wirkung
1. 1 Kollektive Erinnerungen: Kategorien nach Halbwachs, Assmann und Assmann
1. 2 Kollektive Erinnerungen als Machtressource
1. 2. 1 Erinnern nach Einheitsgebot: Gedächtnisstruktur in der DDR
1. 2. 2 Mission Mythos: Die doppelte Legitimationsfunktion
1. 2. 3 Der Gründungsmythos als fundierende Erinnerungsfigur
2. Massenmedien: Mittel und Mittler im kollektiven Erinnerungsprozess
2. 1 Medien als Konservierungsstoffe kollektiver Erinnerungen
2. 1. 1 Audiovisuelle Medien in der DDR
2. 2 Entwicklung der DEFA: Inhalte und Produktionsbedingungen von DDR-Filmen
2. 2. 1 Beginn von Filmprojekten in der SBZ
2. 2. 2. Vom sozialistischen Aufbau bis zum ‚Kahlschlagplenum’
2. 2. 3 Filmbilder als Vermittler von Vergangenheit: Die Thälmann-Epen
Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Medien, insbesondere des DEFA-Filmbetriebs, als Konstrukteure eines kollektiven Gedächtnisses in der DDR. Dabei wird analysiert, wie der Staat durch die bewusste Inszenierung eines Antifaschismus-Mythos versuchte, Herrschaft zu legitimieren und ein einheitliches, staatskonformes Geschichtsbild in der Bevölkerung zu verankern.
1. 2. 1 Erinnern nach Einheitsgebot: Gedächtnisstruktur in der DDR
„Unzweifelhaft können diejenigen, die über den öffentlichen Raum verfügen, am leichtesten Einfluss auf die gesellschaftliche Erinnerung nehmen.“ Insbesondere, wenn jener Einfluss auf zerrissene soziale Strukturen trifft. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war in allen besetzten Zonen Deutschlands ein Neuanfang notwendig und möglich. Auch das sowjetische Regime beschritt diesen Weg, indem es sich zum Ziel setzte, die Gesellschaft vollständig zu reorganisieren. Unter dem Kommando der Besatzungsmacht wurden neue kulturelle Leitideen verwirklicht, angelehnt an das kommunistische Sozialismus-Modell. Geschaffen werden sollte eine Nation ‚neuen Typs’: Eine Gesellschaft frei von Klassenunterschieden und wirtschaftlichem Wettbewerb. Dieser Plan wurde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln durchgesetzt, es entstand ein gänzlich monopolisiertes Kultur- und Gesellschaftskonzept.
Fern jeglicher pluralistischer Grundsätze war das politische System der DDR bestimmt von einem Alleinvertretungsanspruch der SED. Die Einheitspartei sicherte sich lückenlos ab, indem ihr sämtliche Institutionen untergeordnet und Wissenschaft und Kunst staatlich kontrolliert wurden. Im Zuge dessen mangelte es in der Teilrepublik akut an lenkungsneutralen Räumen für Kritik und Willensbildung. Eine unabhängige, durch Diskurs begleitende Öffentlichkeit existierte nicht. Die Macht der SED war nahezu unbegrenzbar: „Die Partei der Arbeiterklasse beanspruchte erfolgreich die Kompetenzkompetenz für alle Lebensbereiche.“
Abgrenzung der Themenstellung: Einführung in die theoretischen Grundlagen des kollektiven Gedächtnisses und Darlegung der ostdeutschen Strategie der Vergangenheitsbewältigung.
1. Das kollektive Gedächtnis: Wesen und Wirkung: Theoretische Auseinandersetzung mit der Struktur von Erinnerungskulturen und der Instrumentalisierung von Geschichte als Machtressource durch das SED-Regime.
2. Massenmedien: Mittel und Mittler im kollektiven Erinnerungsprozess: Untersuchung der Rolle audiovisueller Medien, insbesondere des Films, bei der aktiven Gestaltung des kollektiven Gedächtnisses in der DDR.
Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Versuche, durch einen staatlich gelenkten Mythos dauerhafte politische Stabilität und Identität zu schaffen.
Kollektives Gedächtnis, DDR, Antifaschismus-Mythos, DEFA, SED, Geschichtspolitik, Erinnerungskultur, Massenmedien, Propaganda, Ernst Thälmann, Sozialismus, Identitätsbildung, Herrschaftslegitimation, Nationalsozialismus, Vergangenheitsbewältigung.
Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie das DDR-Regime Medien, insbesondere den DEFA-Film, einsetzte, um ein staatlich gewolltes kollektives Gedächtnis an den Nationalsozialismus zu konstruieren.
Die zentralen Themen sind das kollektive Gedächtnis nach soziologischen Theorien, die Rolle der Massenmedien als Mittel zur Manipulation und die spezifische Bedeutung des Antifaschismus-Mythos für die DDR.
Ziel ist es zu analysieren, wie die SED mittels eines Antifaschismus-Mythos und der Kontrolle über den DEFA-Film ihre Herrschaft legitimierte und eine staatskonforme Identität bei der Bevölkerung erzwingen wollte.
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse, gestützt auf die Gedächtnistheorien von Maurice Halbwachs sowie Aleida und Jan Assmann, um die mediale Praxis der DDR-Kulturpolitik zu bewerten.
Im Hauptteil werden sowohl die theoretischen Grundlagen des Erinnerns als auch die konkrete Entwicklung der DEFA und deren Filme als Instrumente der Propaganda, exemplarisch anhand der Thälmann-Epen, detailliert untersucht.
Wesentliche Begriffe sind das kollektive Gedächtnis, der Antifaschismus-Mythos, die DEFA, die SED-Herrschaft sowie die Vergangenheitsbewältigung in der DDR.
Die DEFA war als staatlicher Filmbetrieb das wichtigste audiovisuelle Medium der DDR und damit ideal geeignet, die ideologischen Vorgaben der SED in das Gedächtnis der Bürger zu übertragen.
Die Arbeit identifiziert diese Epen als zentrales Auftragswerk der SED, das dazu diente, den Widerstand zu mythologisieren und die Partei als alleinige legitime Erbin des Antifaschismus darzustellen.
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