Magisterarbeit, 2005
118 Seiten, Note: 1,0 / 1,0
1. Einleitung
2. Das Libretto als literarische Gattung
2.1 Geschichte und Struktur des Librettos
2.2 Zur Beschäftigung mir Libretti
2.3 Zur Editionslage und Zitierweise
3. Die Reformen Richard Wagners
3.1 Die frühen Werke
3.2 Das Konzept des Musikdramas und seine Umsetzung
4. Stoffwahl im Schatten Wagners
4.1 Komödienstoffe
4.1.1 Hugo Wolf: Der Corregidor
4.1.2 Sonstige Komödien
4.2 Märchen und Verwandtes
4.2.1. Engelbert Humperdincks Märchenopern
4.2.2. Andere Märchenvertonungen
4.3 Volkstümliche Opern
4.4 Verismo
4.4.1 Exkurs: Der italienische Verismo
4.4.2. Eugen d’Albert: Tiefland und Die toten Augen
4.4.3. Max von Schillings: Mona Lisa
4.4.4. Erich Wolfgang Korngold: Violanta
4.5. Eine Literaturvertonung: Notre Dame von Franz Schmidt
4.6 Hans Pfitzners Musikdrama
4.6.1. Der arme Heinrich
4.6.2. Palestrina und die musikalische Einfallsästhetik
4.7. Richard Strauss
4.7.1. Die Frühwerke
4.7.2. Salome. Die Geburt der Literaturoper
4.7.3. Elektra. Die Begegnung mit Hofmannsthal
5. Schlußbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen deutscher Opernkomponisten und Librettisten im Zeitraum zwischen 1870 und 1920, die sich in der Auseinandersetzung mit der Dominanz und dem Erbe der Musikdramen Richard Wagners befanden. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit den Strategien dieser Künstler, eine eigene Identität zu finden und eine Epigonalität zu vermeiden, während sie gleichzeitig die musikalischen Neuerungen Wagners in ihre Werke integrierten.
3.1 Die frühen Werke
Kurz zusammengefaßt sind es drei große Errungenschaften neben der Etablierung der Personalunion von Komponist und Librettist, die Wagner zum Vorreiter des Musikdramas machen. Zunächst betreibt er die Auflösung der alten Form der Oper mit einzelnen Nummern zugunsten der pausenlosen Durchkomposition. Damit geht die Verwendung der „Wortmelodie“ einher, in der die gewohnten rhythmischen Modelle aufgehoben sind. Eine weitere Innovation ist das Prinzip der Leitmotivtechnik, das, wie noch zu erläutern ist, Einfluß auf die Textgestaltung nimmt, da es dem Dichter größere Freiheiten ermöglicht. Schließlich treten bei Wagner bisher nicht gekannte Sinnanhäufungen und eine Bedeutungsvielfalt in den Texten auf, die dadurch einen für Libretti völlig neuen Anspruch erhalten.
Die revolutionären Änderungen, die Richard Wagners Musikdramen für die Librettistik mit sich brachten, kamen selbstverständlich nicht aus dem Nichts; die Reformen fußten auf sich sukzessive bei Wagner einstellenden Erkenntnissen von Mängeln in der traditionellen Opernform. Die Formulierung der Idee des „Gesamtkunstwerkes“ und dessen Entwicklung verlief in mehreren Schritten. Es ist hier nicht der Ort, eine Abhandlung über Wagners Leben und Werk zu verfassen, was reichlich redundant wäre. Daher werde ich mich auf einen überblicksartigen Absatz über die Entwicklung des Dichters und Komponisten Wagners auf dem Weg zum Gesamtkunstwerk beschränken.
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die These, dass nach Wagner eine unbefangene Operndichtung nahezu unmöglich wurde und Komponisten gezwungen waren, eigene Wege der Stoffwahl zu finden.
2. Das Libretto als literarische Gattung: Dieses Kapitel definiert die besonderen strukturellen Anforderungen an ein Libretto im Vergleich zum Sprechdrama, wie z.B. die Kürze und die diskontinuierliche Zeitstruktur.
3. Die Reformen Richard Wagners: Das Kapitel erläutert Wagners entscheidende Innovationen wie die Durchkomposition und Leitmotivtechnik, die den Anspruch an Operntexte grundlegend veränderten.
4. Stoffwahl im Schatten Wagners: Hier werden diverse Strategien zur Abgrenzung von Wagner analysiert, unterteilt in Komödien, Märchenopern, Verismo, Literaturvertonungen und schließlich die Entwicklung zur Literaturoper durch Richard Strauss.
5. Schlußbemerkung: Die Schlußbemerkung resümiert, dass die "zirkumpolaren" Bemühungen zwar viele interessante Werke hervorbrachten, jedoch oft an der erdrückenden Last des wagnerschen Erbes scheiterten, wobei nur Strauss einen wirklichen Ausweg fand.
Richard Wagner, Musikdrama, Libretto, Operngeschichte, Zirkumpolare Oper, Literaturoper, Verismo, Leitmotivtechnik, Gesamtkunstwerk, Komödien, Märchenoper, Hans Pfitzner, Richard Strauss, Stoffwahl.
Die Arbeit analysiert, wie deutsche Opernkomponisten und Librettisten zwischen 1870 und 1920 versucht haben, sich aus dem übermächtigen Einfluss von Richard Wagner zu befreien.
Die Arbeit behandelt die Entwicklung des Musiktheaters, die Gattung Libretto an sich, die Auswirkungen der wagnerschen Reformen sowie diverse Ausweichbewegungen hin zu neuen Genres.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Komponisten nach Wagner durch Vermeidungsstrategien und neue ästhetische Konzepte versuchten, ein eigenes künstlerisches Profil zu gewinnen.
Es handelt sich um eine literatur- und musikwissenschaftliche Analyse, die exemplarische Opernlibretti sowie theoretische Schriften der Zeit untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Gattung Libretto, die Analyse von Wagners Reformen sowie die detaillierte Betrachtung verschiedener künstlerischer Strömungen im Schatten Wagners.
Neben Wagner und Musikdrama sind Begriffe wie Zirkumpolare Oper, Literaturoper und Verismo zentral für das Verständnis der Arbeit.
Die Arbeit zeigt auf, dass d'Albert versuchte, einen "leichten" Stoff mit einer sehr komplexen, wagnersch inspirierten Musik zu überfrachten, was zu einer für das Genre untypischen Schwere führte.
Im Gegensatz zu früheren Versuchen, bei denen Libretti meist "bestellt" oder bearbeitet wurden, zeichnet sich das Strauss-Hofmannsthal-Modell durch eine gemeinsame, gleichberechtigte Kreation von Dichter und Komponist aus.
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