Diplomarbeit, 2006
85 Seiten, Note: besser als gut (1,7)
1 EINLEITUNG
1.1 AUFBAU DER ARBEIT
1.2 METHODISCHE VORGEHENSWEISE
2 HAUPTTEIL
2.1 PROBLEMSTELLUNG
2.1.1 Der strukturelle religiöse Wandel in der Gesellschaft und seine Folgen: Die theologische Entkirchlichung
2.1.1.1 Säkularisierung
2.1.1.2 Entkirchlichung
2.1.2 Die Folgen siedlungsstruktureller Veränderungen: Die bevölkerungsbedingte Entkirchlichung
2.1.3 Die ökonomische Herausforderung
2.1.4 Weitere Gründe
2.2 PROBLEMLÖSUNG
2.2.1 Entwicklung der Debatte
2.2.1.1 Ausgangspunkt für die Debatte
2.2.1.2 Gebäudetypus „Großkirche“
2.2.1.3 Anfangspunkt der Debatte
2.2.1.4 Gebäudetypus „Betonkirche“
2.2.1.5 Kreuzberg als Kristallisationspunkt
2.2.1.6 Die Situation in der DDR
2.2.1.7 Die heutige Situation
2.2.2 Wohnort Gottes oder funktionaler Ort der Versammlung? Das konfessionell unterschiedliche Verständnis kirchlicher Räume
2.2.3 Zwischen behutsamen Vorgehensweisen und radikalen Umgestaltungen: Die Politiken der evangelischen und katholischen Kirche
2.2.3.1 Erweiterte Nutzung
2.2.3.2 Fremdnutzung in kirchlicher und außerkirchlicher Trägerschaft durch Miet- oder Pachtverträge
2.2.3.3 Stilllegung
2.2.3.4 Verkauf
2.2.3.5 Abriss
2.2.4 Abschließendes Fazit zu den Politiken: Wandel durch Annäherung
2.3 AKTEURSKONTEXT
2.3.1 Zwei Kirchen, eine Meinung, kein Zusammenschluss
2.3.2 Kirchen und Kommune
2.3.3 Kirchen und Gesellschaft
2.4 SCHLUSSFORDERUNGEN
3 SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Diplomarbeit untersucht die Strategien der evangelischen und römisch-katholischen Kirche in Deutschland beim Umgang mit ungenutzten oder untergenutzten Kirchengebäuden, insbesondere in Großstädten wie Berlin. Zentrale Forschungsfrage ist, wie die Kirchen bei schwindenden Mitgliederzahlen und knapper werdenden Finanzmitteln ihre Immobilienbestände in neue Nutzungen überführen und welche konfessionellen Unterschiede oder Annäherungen dabei in Theorie und Praxis erkennbar sind.
2.2.1.2 Gebäudetypus „Großkirche“
Gut hundert Jahre später erfolgt nun als Konsequenz aus der finanziellen Situation und der nun in allen Bevölkerungsschichten weit vorangeschrittenen Entkirchlichung die Rücknahme der Maßnahme der Gemeindefilialisierung: Im Zuge der heutigen Fusionierung der Gemeinden findet eine „Refilialisierung“ statt – in Berlin teilweise in der gleichen Struktur, aus der sie entstanden sind (vgl. Interview D). Und auch die Kirchengebäude,
„die in den citynahen, verdichteten Bezirken vorwiegend in der Zeit zwischen der Gründung des zweiten deutschen Reiches 1871 und etwa der Mitte des Ersten Weltkrieges entstanden waren, entsprachen [bereits schon in den 1980er Jahren] in ihren Dimensionen, ihrer Formensprache – sowohl als Gebärde, als auch in der inzwischen unverstandenen Ikonografie – und in ihrem teilweise bedenklichen baulichen Zustand nicht den Möglichkeiten ihrer Gemeinde und der Teil-Landeskirche: Die Berliner Problemmetapher „Großkirche“ war geboren“ (Hoffmann-Tauschwitz, 1994, S. 35f).
Diese Großkirchen sind heute eine der beiden Hauptgruppen von Kirchentypen, für die eine neue Nutzung gefunden werden muss, oder denen, wenn dies nicht gelingt, auf ungewisse Zeit der Leerstand droht. Diese in ganz anderen Zeitverhältnissen und für ganz andere Gemeindegrößen, teilweise mit vierstelligen Platzkapazitäten erbauten Gründerzeitkirchen, offenbarten schon früh ein unausgewogenes Kosten-Nutzen-Verhältnis und wurden zum Hauptdiskussionsgegenstand der 1984 in Westberlin aus Vertretern der evangelischen Kirche und verschiedener Senatsverwaltungen geschaffenen Gemeinsamen Kommission (vgl. Reihlen, 1993, S. 34).
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Problematik leerstehender Kirchengebäude in deutschen Großstädten aufgrund von Entkirchlichung und finanzieller Not und definiert das Ziel der Arbeit, die kirchlichen Politiken dazu zu untersuchen.
2 HAUPTTEIL: Der Hauptteil analysiert die Ursachen des Strukturwandels, die Entwicklung der Umnutzungsdebatte, die unterschiedlichen Raumverständnisse der Konfessionen sowie die verschiedenen Handlungsoptionen von der erweiterten Nutzung bis zum Abriss.
3 SCHLUSSFOLGERUNGEN: Das Fazit fasst zusammen, dass sich die Politiken beider Konfessionen angenähert haben und trotz unterschiedlicher theologischer Ausgangslagen zunehmend auf pragmatische Lösungen unter Einbindung externer Akteure setzen müssen.
Kirchenumnutzung, Säkularisierung, Entkirchlichung, Stadtentwicklung, Kirchenbau, Berlin, Religionssoziologie, Großkirche, Betonkirche, Denkmalschutz, Kirchenaustritte, Gemeindefusionierung, Sakralraum, Stadtplanung, Bürgerbeteiligung
Die Arbeit analysiert die Strategien der evangelischen und römisch-katholischen Kirche im Umgang mit der Umnutzung von Kirchengebäuden, die aufgrund von Entkirchlichung und sinkenden Finanzen ungenutzt oder untergenutzt sind.
Themen sind der religiöse Wandel, die konfessionellen Unterschiede im sakralen Raumverständnis, verschiedene Umnutzungsstrategien sowie der Einfluss von Akteuren wie der Kommune und dem Denkmalschutz.
Ziel ist die Untersuchung der kirchenpolitischen Ansätze beider Konfessionen und die Gegenüberstellung ihrer Theorien und praktischen Umsetzungen beim Nutzungswandel.
Die Arbeit nutzt Literaturrecherchen, teilnehmende Beobachtungen sowie unstrukturierte und leitfadengestützte Expertengespräche.
Der Hauptteil gliedert sich in die Problemstellung (Ursachen), die Problemlösung (Debattenentwicklung, Raumverständnis, Umnutzungsvarianten) und den Akteurskontext.
Wichtige Begriffe sind Kirchenumnutzung, Säkularisierung, Entkirchlichung, Stadtentwicklung, Großkirche und Berlin.
Die katholische Kirche betrachtet Kirchen als „heilige Orte“ durch Weihe, was die Profanierung erschwert, während die evangelische Kirche den Raum stärker funktional begreift, was eine flexiblere Mitnutzung erleichtert.
Betonkirchen der Nachkriegsmoderne gelten wegen schlechterer Materialqualität und fehlender gesellschaftlicher Akzeptanz als größere „Problemfälle“ als historische Gründerzeitkirchen, was die Umnutzung oder den Abbruch beschleunigt.
Die Kirchen befürchten eine „Diffusion in der öffentlichen Wahrnehmung“ und negative Auswirkungen auf den interreligiösen Dialog, weshalb solche Verkäufe heute mehrheitlich ausgeschlossen werden.
Die Kommune ist gefordert, Kirchen als identitätsstiftende städtische Elemente stärker in die Stadtentwicklung einzubeziehen, statt sie rein dem Denkmalschutz oder kirchlichen Alleingängen zu überlassen.
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