Masterarbeit, 2006
35 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Spracherwerbskonzepte
2.1. Das behavioristische Konzept des Spracherwerbs
2.2. Das nativistische Konzept des Spracherwerbs
2.3. Das interaktionistische Konzept des Spracherwerbs
2.4. Neuere Spracherwerbskonzepte
3. Zum Begriff des kindgerichteten Sprechens
3.1. Merkmale des kindgerichteten Sprechens
3.1.1. Die Babysprache
3.1.2. Die stützende Sprache
3.1.3. Die lehrende Sprache
3.2. Qualität des kindgerichteten Sprechens
3.3. Funktion des kindgerichteten Sprechens und intuitive Verhaltensmerkmale der Eltern
4. Untersuchung der Kritik Chomskys an der Bedeutung des sprachlichen Inputs für den Spracherwerb
5. Untersuchung des kultur- sowie schichtspezifischen Gebrauchs kindgerichteten Sprechens
5.1. Kulturelle Variation
5.1.1. Der Verlauf des Spracherwerbs unter dem Einfluss der Verwendung kindgerichteten Sprechens: die soziale Umwelt von Kindern in westlichen Kulturkreisen
5.1.2. Der Verlauf des Spracherwerbs ohne den Einfluss kindgerichteten Sprechens: die soziale Umwelt von Kindern der Kaluli und aus Trackton
5.1.2.1. Die Kaluli
5.1.2.2. Trackton
5.1.3. Zusammenfassung
5.2. Schichtenspezifische Variation
6. Zur Frage der Spracherwerbsförderlichkeit kindgerichteten Sprechens
7. Ausblick oder Neue Wege in der Inputforschung
Die Arbeit untersucht die Rolle des kindgerichteten Sprechens beim Erstspracherwerb und hinterfragt dessen Notwendigkeit sowie Universalität, indem sie verschiedene Spracherwerbstheorien und kultur- sowie schichtspezifische Unterschiede in der sozialen Umwelt des Kindes analysiert.
3.1. Merkmale des kindgerichteten Sprechens
Eine erste Beschreibung des Registers, das Eltern an kleine Kinder richten, lieferte Snow (1972). Sie verglich die Sprechweise von Müttern und Nicht-Müttern gegenüber 2- und 10-jährigen Kindern. Die Ergebnisse zeigten, dass die an 2-jährige Kinder gerichtete Sprache sowohl semantisch als auch syntaktisch einfacher ist als die Sprache gegenüber 10-jährigen und gegenüber Erwachsenen. So zeichnet sich an kleine Kinder gerichtete Sprache aus durch weniger Verben, weniger Wörter vor dem Hauptverb, weniger Personalpronomen in dritter Person, viele Wiederholungen, weniger komplexer Satzbau (Szagun 1996:208).
Sowohl Szagun (1996) als auch Papousek (1995) unterscheiden innerhalb des Registers der kindgerichteten Sprache zwischen jenem, das an noch nicht sprechende Säuglinge gerichtet ist und jenem, das an kleine Kinder gerichtet ist, die sich bereits am Beginn des Spracherwerbsprozesses befinden.
Szagun (1996:187) nennt folgende prosodische Merkmale der Sprache, die Erwachsene an Säuglinge richten:
Sprechen in höherer Tonlage, insgesamt größerer Frequenzbereich der Töne […], stärkere Variabilität in der Tonlage, ansteigende Intonation ist häufiger, stereotype melodische Konturen, längere Pausen, klare Segmentation, langsamere Sprechgeschwindigkeit.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die komplexe Problematik des Spracherwerbs ein, beleuchtet die Rolle der Umwelt und stellt die Forschungsfrage nach der Notwendigkeit kindgerichteter Sprache.
2. Spracherwerbskonzepte: Es werden die theoretischen Ansätze (Behaviorismus, Nativismus, Interaktionismus) gegenübergestellt, um den Stellenwert kindgerichteten Sprechens in diesen Modellen zu bestimmen.
3. Zum Begriff des kindgerichteten Sprechens: Dieses Kapitel definiert kindgerichtete Sprache, beschreibt ihre Merkmale (Babysprache, stützende und lehrende Sprache) und deren Qualität sowie Funktion.
4. Untersuchung der Kritik Chomskys an der Bedeutung des sprachlichen Inputs für den Spracherwerb: Die kritischen Argumente Chomskys (Armut des Stimulus) werden analysiert und durch interaktionistische Perspektiven sowie empirische Studien ergänzt.
5. Untersuchung des kultur- sowie schichtspezifischen Gebrauchs kindgerichteten Sprechens: Durch den Vergleich verschiedener Kulturen (Kaluli, Trackton) und sozioökonomischer Schichten wird die Universalität und Notwendigkeit kindgerichteten Sprechens hinterfragt.
6. Zur Frage der Spracherwerbsförderlichkeit kindgerichteten Sprechens: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, wonach kindgerichtete Sprache zwar verbreitet und begünstigend, aber nicht zwingend notwendig für den Spracherwerb ist.
7. Ausblick oder Neue Wege in der Inputforschung: Es wird ein Fazit gezogen und aufgezeigt, in welche Richtungen zukünftige Forschungen zur Inputforschung verlaufen sollten.
Kindgerichtetes Sprechen, Spracherwerb, Erstspracherwerb, Inputforschung, Nativismus, Interaktionismus, Babysprache, soziale Umwelt, kulturelle Variation, Schichtspezifische Variation, Language Acquisition Device, Sprachförderlichkeit, Kommunikative Interaktion, Spracherwerbskonzepte, Sprachlernmechanismus.
Die Hausarbeit untersucht die Rolle und Bedeutung der sogenannten kindgerichteten Sprache beim kindlichen Erstspracherwerb unter verschiedenen theoretischen und kulturellen Gesichtspunkten.
Zentrale Themen sind die unterschiedlichen Spracherwerbstheorien, die Merkmale kindgerichteter Sprache, der Einfluss der sozialen Umwelt sowie die kultur- und schichtspezifische Ausgestaltung des Inputs für Kinder.
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, ob kindgerichtete Sprache für den Spracherwerb universell und notwendig ist, oder ob Kinder auch ohne diese spezielle Form der Ansprache erfolgreich eine Sprache erwerben können.
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse bestehender Fachliteratur und vergleicht empirische Studien aus der Inputforschung, um die Hypothesen verschiedener Spracherwerbskonzepte zu prüfen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Theorien), die detaillierte Beschreibung kindgerichteter Sprache, die Auseinandersetzung mit Chomskys Nativismus und die Auswertung interkultureller sowie schichtspezifischer Fallbeispiele.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie "kindgerichtetes Sprechen", "Spracherwerb", "Inputforschung", "kulturelle Variation" und "soziale Umwelt" charakterisieren.
Der Fall Genie dient als Beweis dafür, dass soziale Kontakte und der Kontakt mit Sprache grundlegende Voraussetzungen sind, die für einen erfolgreichen Spracherwerb zwingend erfüllt sein müssen.
Die Beispiele zeigen, dass Kinder auch in Kulturen ohne kindgerichtetes Sprechen ihre Muttersprache regelgerecht erwerben können, was die These entkräftet, dass dieses Register eine universelle Notwendigkeit für den Spracherwerb darstellt.
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