Magisterarbeit, 2004
83 Seiten, Note: 1,8
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Einleitung
I.) Allgemeines zum Verständnis von Pax Britannica, Begriffsklärungen, Grundlagen
A) BEGRIFFSKRITIK, GENERELL
-1- Programm, Realität oder Rechtfertigung britischer Außenpolitik?
-2- Pax Britannica für Indien?
-3- Pax Britannica als ideologisches Konstrukt
B) HISTORIOGRAFIEKRITIK AM BEISPIEL
-1- Orientaldespotie als Ausgangspunkt
-2- Indisch-Indien im 18.Jahrhundert: Forschungsstand
-3- Warrior States und andere blutige Reste
-4- Offene Fragen, blinde Flecken
II.) Koloniale Penetration und legitimatorische Begleitmusik
A) JOHN COMPANY UND DIE UNSCHULD DES KAUFMANNS
-1- Britisch-Indien im Anfang
-2- Orientalischer Bilderbogen von Bernier bis Orme
-3- Die 1750er Jahre: unbefleckte Expansion
B) EAST INDIAN CHAOS: FINANZKRISEN, LÖSUNGSVERSUCHE, FRIEDENSRHETORIK
-1- System Clive: Pax Britannica als experimentelle Kolonialpolitik
-2- Ära Hastings: mehr Systematik und doch ungenügend
-3- Impeachment als imperialer Take-Over
-4- Zwischenergebnis mit Cornwallis: Consolidated
C) 1780 - 1820: LAYING OUT ORDERING PRINCIPLES
-1- Geschichte wird gemacht: Orientalismus und Herrschaftswissen
-2- Wissen als Macht: die geistige Aufrüstung der EIC
-3- Protector Wellesley: Indirect Rule und Expansionismus, zukunftsfähig
-4- Pax Britannica zwischen parasitärer Symbiose und Freihandelsimperialismus
-5- Ungebrochen legitim durch’s 19.Jahrhundert: ein Ausblick
III.) Legende und Wirklichkeit
-1- Zusammengefaßt: der eigentliche Inhalt von Pax Britannica
-2- Indiens subalterne Wirklichkeit unter der Pax Britannica
-3- Britische Dominanz und mentale Dekolonisation
-4- Weiße Hegemonie: Pax Britannica, Pax Americana, Pax Democratica
-5- Weltherrschaftslegitimation im 20. und 21.Jahrhundert
Schluß
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, den Begriff der „Pax Britannica“ als ein ideologisches Konstrukt zu demaskieren, das zur Rechtfertigung britischer Vorherrschaft in Indien und weltweit diente, anstatt als bloße Umschreibung eines historisch-friedlichen Zustands verstanden zu werden. Die Forschungsfrage untersucht dabei, wie die Diskrepanz zwischen realer kolonialer Penetration und der idealisierten Legendenbildung von Frieden und Ordnung politisch-philosophisch und materiell verknüpft wurde.
1. Programm, Realität oder Rechtfertigung britischer Außenpolitik?
Wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet Pax Britannica „britischer Friede“. In Anlehnung an die historisch gut dokumentierte und breit erforschte Pax Romana meint Pax Britannica eine politische Friedensordnung auf imperialer Basis. Die Vagheit der Formulierung trägt dabei der Tatsache Rechnung, daß mehr als eine Anlehnung (etwa: signifikante Parallelen, inhaltliche Analogie) auch nicht vorliegt. Die Pax in der von Kaiser Augustus im Jahr 10 v.u.Z. eingeführten kultischen Form symbolisierte weniger etwaige Friedensordnungsprozesse außenpolitischer Art als vielmehr die glückliche Überwindung der römischen Bürgerkriege. Erst später `expandierte´ der vereinheitlichende inner-römische Kulturbegriff (kurz umrissen mit v.a. leges, iura, fides, iustitia, aequitas und securitas) zum sozusagen imperialen Kampfbegriff in die Peripherie, etwa mit der Eroberung Britanniens 43-54 oder dem Sieg über die Juden 75. Nun wurde die vollzogene Unterwerfung des barbarischen Gegners zum Symbolgehalt jener Göttin, deren Fackel einen Haufen abgelegter Waffen anzündet. Nicht mehr Concordia, sondern Ianus inspirierte die nachfolgende Friedensordnung – und zwar im Sinne einer imperialen Politik bspw. der omnipotenten Gültigkeit römischen Rechts durch administrative und militärische Präsenz zum Schutz jedes Römers auch im entlegensten Winkel des Reichs oder der ausgefeilten Herrschaftstechnik des divida et impera in einverleibten Gebieten.
Es liegt auf der Hand, daß diese Konfiguration für die britische Variante so nicht zutrifft, es sei denn, die amerikanische und v.a. französische Herausforderung des späten 18. und frühen 19.Jahrhunderts würde als Bürgerkrieg unter Weißen interpretiert, was recht eigentlich zumindest keine langweilige Hypothese wäre. Das Konzept des Concert of Europe stünde aber auch dann deutlich quer zu den Leitlinien römischer Omnipotenz und Teile-Herrsche-Strategie. Eine kritisch-systematische Gesamtuntersuchung zum Begriff der Pax Britannica und seiner Problematik existiert jedenfalls nicht.
Einleitung: Diese Einleitung thematisiert das Fehlen einer systematischen, globalhistorischen Untersuchung zur Pax Britannica und stellt den ideologiekritischen Ansatz der Arbeit vor, der Pax Britannica als Rechtfertigung britischer Vorherrschaft dekonstruiert.
I.) Allgemeines zum Verständnis von Pax Britannica, Begriffsklärungen, Grundlagen: Dieses Kapitel hinterfragt den Begriff Pax Britannica kritisch, vergleicht ihn mit dem römischen Vorbild und analysiert die Verankerung dieser Vorstellung in der abendländischen Geschichtsschreibung.
II.) Koloniale Penetration und legitimatorische Begleitmusik: Der Hauptteil verfolgt die Entwicklung der East India Company von einem Handelsunternehmen hin zu einer imperialen Verwaltungsinstanz, wobei die Verflechtung von finanziellen Krisen, militärischer Gewalt und ideologischer Rechtfertigung demonstriert wird.
III.) Legende und Wirklichkeit: Das abschließende Kapitel führt die verschiedenen Themenstränge zusammen, um das Pax-Konzept als Herrschaftsinstrument zu bewerten und die Kontinuität dieser Muster über das 19. und 20. Jahrhundert hinweg zu beleuchten.
Pax Britannica, Kolonialismus, East India Company, Imperialismus, Orientalische Despotie, Herrschaftslegitimation, Ideologiekritik, Britisch-Indien, Geschichte, Wissensproduktion, Hegemonie, Indirect Rule, Historiografie, Eurozentrismus, Weltordnung.
Die Arbeit untersucht das ideologische Konstrukt der „Pax Britannica“ als ein Instrument zur Legitimierung britischer imperialer Herrschaft in Indien während des 18. und 19. Jahrhunderts.
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Dekonstruktion historiografischer Mythen, der Entwicklung kolonialer Herrschaftstechniken durch die East India Company und der Analyse der ideologischen Begleitmusik dieser Expansion.
Ziel ist es, die Pax Britannica nicht als bloßen Friedensbegriff, sondern als wirkmächtiges Legitimationsmuster zu entlarven, das dazu diente, reale gewaltförmige Prozesse der kolonialen Penetration als zivilisatorischen Fortschritt darzustellen.
Der Autor wählt einen ideologiekritischen Ansatz, der die historische Realität des Mogulreichs und der EIC mit der darauffolgenden Bilderproduktion (Diskurs) kontrastiert und eurozentrische Perspektiven hinterfragt.
Der Hauptteil analysiert die historische Sequenz von Finanzbedarf, territorialer Expansion und politischer Konsolidation, beleuchtet zentrale Inszenierungen wie das Hastings-Impeachment und betrachtet das Ausbildungswesen der EIC.
Begriffe wie Orientaldespotie, koloniale Penetration, parasitäre Symbiose, Good Government und Imperiale Staatsräson sind zentral für das Verständnis des vom Autor gewählten argumentativen Rahmens.
Im Gegensatz zu vielen traditionellen Interpretationen, die von einer unabsichtlichen oder rein reformorientierten Entwicklung ausgehen, betont diese Arbeit die aktive, gewaltbasierte Konstruktion kolonialer Legitimationsmuster durch die EIC selbst.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Pax Britannica ein ideologisches Konstrukt war, das eine auf Gewalt basierende Herrschaft in ein ethisch vertretbares Gewand kleidete, um sowohl in Indien als auch in der politischen Öffentlichkeit Großbritanniens Akzeptanz zu finden.
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