Magisterarbeit, 2004
136 Seiten, Note: 2,0
1. Einführung
2. Grundlagen
2.1 Wortgeschichte: Die Doppelbedeutung von „Freund“
2.2 Der soziologische Hintergrund: Verwandtschaft und Freundschaft im Mittelalter
2.2.1 Die Verwandtschaft
2.2.2 Die Freundschaft
2.2.2.1 Parallelen zur Verwandtschaft
2.2.2.2 Die Gemeinschaft der iuvenes als Pendant zur Artusgemeinschaft
2.2.2.3 Die Freundschaft als Tugend und Teil der höfischen Erziehung und ihr Zusammenhang mit antiken und christlichen Vorbildern
2.2.3 Wortgeschichte: „geselle“ und „geselleschaft“ als konkurrierende Begriffe zum „Freund“ und zur „Freundschaft“
3. Das Motiv des Freundes in der Artusliteratur
4. Hartmann von Aue: ´Iwein`
4.1 Die Freundschaft zwischen Iwein und Gawein
4.1.1 Die Verse 1 bis 2762: Iweins besondere Beziehung zu seinem Vorbild Gawein und sein gesellschaftlicher Aufstieg durch die Heirat mit Laudine
4.1.2 Die Verse 2763 – 3540: Gaweins verhängnisvoller Freundesrat und Iweins Wahnsinn
4.1.2.1 Die Konsequenzen für Iwein
4.1.2.2 Die Konsequenzen für Gawein
4.1.3 Die Verse 3505 bis 5575: Die Bewährung Iweins
4.1.4 Der Freundeskampf zwischen Iwein und Gawein
4.1.4.1 Der Freundeskampf innerhalb der Artusepik
4.1.4.2 Das Verkennen als Ausgangssituation beim Kampfbeginn
4.1.4.3 Die Allegorie von minne und haz
4.1.4.3.1 Exkurs: Die Freundschaft zwischen Iwein und Gawein als Parallele zu Iwein und Laudine
4.1.4.3.2 Rhetorik und Antithetik der minne und haz – Allegorie
4.1.4.4 Die Beschreibung des Kampfes
4.1.4.5 Das Erkennen der Freunde nach dem Kampf
4.2.4.5.1 Exkurs: Iweins und Gaweins Stellung zum Recht und die Folgen für den Artushof
4.1.4.6 Die Reintegration Iweins an den Artushof : Überwindung der Krisis
4.1.5 Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse
4.1.5.1 Iwein
4.1.5.2 Gawein
4.1.5.3 Die Darstellung der Freundschaft im ´Iwein`
4.2 Sprachliche Untersuchung: Die Verteilung der Lexeme vriunt und geselle in Hartmanns ´Iwein`
5. Wolfram von Eschenbach: ´Parzival`
5.1 Exkurs: Das Freundesgleichnis im Prolog des I. Buches
5.2 Die Bücher I und II: Die Geschichten von Gahmuret
5.3 Buch III: Parzivals Leben in der Einöde und sein Ausritt zum Artushof
5.4 Buch IV: Das Königreich Brobarz und Parzivals Ehe mit Condwiramurs
5.5 Buch V: Parzivals Frageversäumnis
5.6 Buch VI
5.6.1 Die Bluttropfen – Szene
5.6.2 Parzivals Aufnahme in die Tafelrunde
5.6.3 Der Abschied der Freunde
5.6.4 Vergleich der wichtigsten Passagen des VI. Buches mit Chrétien
5.7 Die erste Gawanpartie: Die Bücher VII und VIII. Gawans Funktion als „Katalysator der Menschlichkeit“ innerhalb gestörter Gesellschaften
5.7.1 Buch VII
5.7.1.1 Gawan und Obilot
5.7.1.2 Parzival und Gawan
5.7.1.3 Vergleich mit Chrétien
5.7.2 Buch VIII
5.7.2.1 Das Verhältnis zu Antikonie: Kritik an Gawan?
5.7.2.2 Die Lösung des politischen Konflikts durch Gawan
5.7.2.3 Parzivals Kampf gegen Vergulaht
5.8. Buch IX: Parzivals Umkehr und Selbsterkenntnis durch Trevrizent
5.9. Die zweite Gawanpartie: Buch X – XIII
5.9.1 Buch X: Gawan auf dem Weg nach Schastel Marveile
5.9.1.1 Die Heilung Urjans: Gawans medizinische Fähigkeiten
5.9.1.2 Gawan und Orgeluse
5.9.1.3 Vergleich mit Chrétien
5.9.2 Buch XI: Gawans Kampf auf Schastel Marveile
5.9.3 Buch XII: Gawan ´heilt` Orgeluse
5.9.4 Buch XIII: Die Heilung der Hofgesellschaft
5.9.4.1 Exkurs: Das Freundschaftsgleichnis
5.9.4.2 Vergleich mit Chrétien
5.10 Buch XIV: Der Freundeskampf und seine Folgen
5.10.1 Allgemeines zum Freundes – und Verwandtenkampf
5.10.2 Der Kampf zwischen Parzival und Gawan
5.10.3 Die Situation nach dem Kampf
5.10.4 Die Folgen des Kampfes für Parzival
5.11 Buch XV: Parzivals Berufung zum Gral
5.12 Buch XVI: Die Erlösung der Gralsgesellschaft durch Parzival
5.13 Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse
5.13.1 Parzival
5.13.2 Gawan
5.13.3 Die Freundschaft zwischen Gawan und Parzival
5.14 Sprachliche Untersuchung
Die Arbeit untersucht das Motiv und die Funktion der Freundschaft zwischen dem idealen Artusritter Gawein und den Titelhelden in Hartmanns von Aue "Iwein" sowie Wolframs von Eschenbach "Parzival". Dabei wird analysiert, inwiefern diese höfische Freundschaft als praktische Lebensgemeinschaft oder als disziplinierendes pädagogisches Instrument dient, an dem sich die Protagonisten auf ihrem Weg zur vollen gesellschaftlichen Integration orientieren müssen.
4. Hartmann von Aue: Iwein
Die Freundschaft zwischen Iwein und Gawein wird bei Hartmann teilweise als Steigerung der reinen Kampfgemeinschaft dargestellt, bei der - wie schon erwähnt - zwei der Artusritter enger verbunden sind. Gegenüber der Vorlage bei Chrétien wird das Verhältnis zwischen Iwein und Gawein aber viel wärmer und lebendiger gestaltet. Eine Schlüsselszene für die Freundschaft im ´Iwein` ist die Schilderung des Freundeskampfes, was man unter anderem schon daran sehen kann, dass er rund ein Zehntel des gesamten Werkes ausmacht. Darum wird ein Schwerpunkt im Kapitel zum ´Iwein` auf der Analyse des Freundeskampfes liegen.
Aus diesem Grund baue ich auf Harms den Grundstock dieses Kapitels auf, wobei der Kern der Betrachtung natürlich auf der Gaweinfigur und dessen Funktion und Darstellung als Freund liegen wird. Vor dem Freundeskampf untersuche ich die Freundschaft zwischen Iwein und Parzival genauer. Dabei gehe ich natürlich nicht nur auf Einflüsse der Freundesschilderung nach Duby, Jaeger etc. ein, sondern untersuche sie auch textimmanent, d.h. wo sie sich im besonderen äußert und wie sie dargestellt ist.
1. Einführung: Darstellung der Ausgangslage und Relevanz der Untersuchung des Freundschaftsmotivs in der mittelhochdeutschen Artusepik.
2. Grundlagen: Analyse der wortgeschichtlichen und soziologischen Hintergründe, insbesondere der institutionellen Ausprägung von Freundschaft als "künstliche Verwandtschaft".
3. Das Motiv des Freundes in der Artusliteratur: Theoretische Einordnung der literarischen Freundesfigur als Ratgeber und Vorbild für den noch unvollkommenen Helden.
4. Hartmann von Aue: ´Iwein`: Untersuchung der engen, oft herzlich gestalteten Verbindung zwischen Iwein und Gawein und deren Bewährung im Freundeskampf.
5. Wolfram von Eschenbach: ´Parzival`: Analyse der komplexeren, funktionaleren Beziehung zwischen Parzival und Gawan, die stark durch Verwandtschaftsstrukturen geprägt ist.
Artusliteratur, Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach, Gawein, Iwein, Parzival, höfische Freundschaft, Verwandtschaft, geselle, vriunt, triuwe, dienest, Mittelalter, ritterliche Erziehung, Freundeskampf
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv der Freundschaft zwischen dem idealen Ritter Gawein und den Titelhelden in Hartmanns "Iwein" sowie Wolframs "Parzival" unter Berücksichtigung ihrer Funktion für die Entwicklung der Protagonisten.
Im Zentrum stehen die soziale und historische Bedeutung von Freundschaft im Mittelalter, das Verhältnis von Verwandtschaft und "gemachter" Freundschaft sowie die pädagogische Funktion dieser Bindungen im höfischen Kontext.
Ziel ist es, die spezifische Ausgestaltung der Freundschaft zwischen dem erfahrenen Mentor Gawein und den noch zu reifenden Helden Iwein und Parzival zu klären und zu prüfen, ob diese als emotionale Liebesbeziehung oder als öffentlicher, gesellschaftlicher Code zu deuten ist.
Der Autor verbindet literaturhistorische Analysen mit soziologischen und kulturanthropologischen Ansätzen und ergänzt diese durch eine sprachwissenschaftliche Untersuchung der relevanten Lexeme ("vriunt", "geselle").
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Textanalyse der beiden Romane, wobei besonderes Gewicht auf die Schlüsselszenen, wie den Freundeskampf und die "Erkennensszenen", gelegt wird.
Die Arbeit ist geprägt durch ein Zusammenspiel von Begriffen aus der höfischen Welt (wie "triuwe", "dienest", "êre") und literaturwissenschaftlichen Kategorien der Artusepik.
Während die Freundschaft in "Iwein" als etwas herzlicher und lebendiger wahrgenommen wird, betont Wolfram im "Parzival" stärker die funktionalen Aspekte und die Steigerung der Freundschaft durch die reale Blutsverwandtschaft.
Der Freundeskampf wird als notwendige Schlüsselszene angesehen, in der der Held seine Reife beweisen, den falschen Schein besiegen und durch die Namensnennung ("Gnorisma") die Rückkehr in die Artusgemeinschaft vollziehen muss.
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