Diplomarbeit, 2006
172 Seiten, Note: 1,0
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Vorwort
Einleitung: Frühere Versuche Ausländer ins Land zu holen
Die Manifeste von 1762 und 1763
Gründe für die Auswanderung aus Deutschland
Auswanderungsverbote in den Ländern Europas
Soziale Zusammensetzung und Herkunftsgebiete der deutschen Auswanderer
Die Anwerbung der Kolonisten
a.) Die staatliche Anwerbung
b) Die Persönlichkeit und Tätigkeit der privaten Werber
Die Sammelplätze und Überfuhr
Schiffsreise, Ankunft und Weiterreise nach Saratov
Ankunft an der Wolga und erste Einrichtungsarbeiten
Die Planung der Kolonien
Die Architektur
a) Das Haus
b) Die öffentlichen Gebäude
Der Sonderfall Sarepta
a) Vorausgehende Verhandlungen zur Gründung Sareptas
b) Erste Verhandlungen in Herrnhut
Namensgebung der Kolonien
Die Namenslisten
Der Räuberbanden Pugatschjows in den Kolonien
Die Kirgisen in den Kolonien
Das Schulsystem und die Geistlichkeit
Die wirtschaftliche Lage der Kolonien
a) Die Landwirtschaft
b) Das Handwerk
c) Die Finanzierung
Das sittliche Leben und die Willkür der Beamten
Das Verwaltungssystem und die zu bewältigenden Aufgaben
Schluss und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Lebensbedingungen der Wolgadeutschen von Beginn der Einwanderungsmanifeste (1762/1763) bis zur Unterstellung der Kolonien unter die russische Reichsverwaltung im Jahr 1871. Ziel ist es, die sozioökonomischen Rahmenbedingungen, die Einwanderungsmotive sowie die alltäglichen Herausforderungen und administrativen Hürden dieser deutschen Minderheit fundiert aufzuarbeiten.
Die Anwerbung der Kolonisten
So gut die Vorbereitungen für das Kolonisationswerk auf dem Papier auch waren, so schlecht und unprofessionell erfolgte im Großen und Ganzen auch die Abwicklung, angefangen von der Anwerbung bis zur Ansiedlung der Menschen und noch darüber hinaus. Ursprünglich oblag die Anwerbung von Kolonisten ausschließlich den russischen diplomatischen Vertretern in den Hauptstädten der größten Länder des damaligen Europas. Bei diesen handelte es sich in erster Linie um Fürst Dolgorukij in Berlin, Graf Ostermann in Stockholm, Graf Woronzow in London und Graf Gross in Den Haag. Nachdem sie die Manifeste in den Zeitungen veröffentlichen hatten lassen, sollten sie sich im Wesentlichen auf die Annahme der Interessenten, welche sich an sie wendeten, beschränken.
In einer Reihe von Zirkularen, die auf das Manifest gefolgt sind, wurde ihnen aufgetragen, nur den Bedürftigsten Darlehen zu geben, sodass die Empfänger auch nach Russland fahren und nicht zu Hause bleiben. In der Tat kamen solche Misserfolge anfangs noch öfters vor, worüber uns die erfahrenen und für das Kolonisationswerk sehr offenen Gesandten Musin-Puschkin (Hamburg), Smolin (Regensburg) und Graf Woronzow (London) berichteten: „viele von ihnen Angeworbene und mit Fahrtgeld ausgestattete haben gewissenlos gehandelt und sind nach Russland nicht gefahren.“
Vorwort: Einführung in die Thematik der Russlanddeutschen und Erläuterung der Quellenlage sowie der persönlichen Motivation des Autors.
Einleitung: Frühere Versuche Ausländer ins Land zu holen: Historischer Rückblick auf die Versuche russischer Herrscher, ausländische Spezialisten zur Modernisierung des Landes zu gewinnen.
Die Manifeste von 1762 und 1763: Analyse der offiziellen kaiserlichen Aufrufe, die den rechtlichen Rahmen für die Ansiedlung deutscher Kolonisten bildeten.
Gründe für die Auswanderung aus Deutschland: Untersuchung der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Push-Faktoren, die zur Auswanderung führten.
Auswanderungsverbote in den Ländern Europas: Darstellung der staatlichen Widerstände und Maßnahmen gegen das Abwandern der Bevölkerung.
Soziale Zusammensetzung und Herkunftsgebiete der deutschen Auswanderer: Beschreibung der Herkunft und der sozialen Struktur der Siedlergruppen.
Die Anwerbung der Kolonisten: Detaillierte Darstellung des Rekrutierungsprozesses durch Diplomaten und private Werber.
Die Sammelplätze und Überfuhr: Beschreibung der logistischen Abläufe der Reise, insbesondere über Lübeck.
Schiffsreise, Ankunft und Weiterreise nach Saratov: Schilderung der Strapazen der Reise und der ersten Ankunft im russischen Machtbereich.
Ankunft an der Wolga und erste Einrichtungsarbeiten: Bericht über die ersten Schritte beim Aufbau der Ansiedlungen unter schwierigen klimatischen und organisatorischen Bedingungen.
Die Planung der Kolonien: Überblick über die geplante Anlage und Vermessung der neuen Siedlungsgebiete.
Die Architektur: Analyse der Siedlungsstruktur und Bautechniken der Kolonisten.
Der Sonderfall Sarepta: Spezielle Betrachtung der Herrnhuter Siedlung, die sich durch religiöse Motivation von anderen Kolonien abhob.
Namensgebung der Kolonien: Erläuterung der historischen Entwicklung der Ortsbezeichnungen.
Die Namenslisten: Bedeutung und Funktion der administrativen Erfassung der Kolonisten.
Der Räuberbanden Pugatschjows in den Kolonien: Beschreibung der Auswirkungen des Pugatschjow-Aufstandes auf die Siedlungen.
Die Kirgisen in den Kolonien: Bericht über die Bedrohung und Verschleppung durch kirgisische Nomadenstämme.
Das Schulsystem und die Geistlichkeit: Untersuchung der Rolle der Kirche und der kirchennahen Bildungseinrichtungen.
Die wirtschaftliche Lage der Kolonien: Analyse der landwirtschaftlichen Erträge, der Viehhaltung und der Entwicklung von Gewerben wie dem Tabakanbau.
Das sittliche Leben und die Willkür der Beamten: Beschreibung der sozialen Spannungen und der administrativen Unterdrückung.
Das Verwaltungssystem und die zu bewältigenden Aufgaben: Überblick über die Rolle des Kontors und der späteren Verwaltungsorgane.
Schluss und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Entwicklung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und des Schicksals der Wolgadeutschen im 20. Jahrhundert.
Wolgadeutsche, Ansiedlung, Katharina II., Russland, Kolonisten, Landwirtschaft, Herrnhuter, Sarepta, Pugatschjow-Aufstand, Kolonistenkontor, Auswanderung, Siedlungsgeschichte, Sozialgeschichte, Verwaltung, Lebensbedingungen.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Geschichte der deutschen Siedler an der Wolga, beginnend mit ihrer Einwanderung unter Katharina II. bis zum Ende des Kolonistenkontors im Jahr 1871.
Die Arbeit behandelt die Anwerbung, die logistische Durchführung der Umsiedlung, den Aufbau der Siedlungsstruktur, das religiöse Leben, das Schulwesen sowie die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen der Siedler.
Das Ziel ist eine wissenschaftliche Aufarbeitung der ersten hundert Jahre wolgadeutscher Geschichte, basierend auf historischen Manifesten, Archivmaterialien und zeitgenössischen Berichten.
Der Autor verwendet eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Dokumente, Berichte von Kolonisten (wie Christian Gottlob Züge) sowie modernerer russischsprachiger Literatur basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Abschnitte, die Themen wie die Anwerbung, die Schiffsreise, die Architektur, religiöse Sonderfälle (Sarepta), das Verwaltungssystem des Kontors und die Bedrohung durch Aufstände und Nomadenüberfälle behandeln.
Wichtige Begriffe sind Wolgadeutsche, Kolonistenkontor, Katharina II., Migrationsgeschichte, bäuerliches Leben und russische Ansiedlungspolitik.
Das System der periodischen Landumverteilung verhinderte die Bildung eines wohlhabenden Bauerntums und förderte durch die Abhängigkeit von der Familiengröße die Entstehung sehr kinderreicher Haushalte, die unter beengten Verhältnissen lebten.
Sarepta nahm eine Sonderstellung ein, da es von der Herrnhuter Brüdergemeinde gegründet wurde. Es zeichnete sich durch eine organisierte, religiös motivierte Wirtschaftsweise und ein im Vergleich sehr fortschrittliches Bildungssystem aus.
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