Examensarbeit, 2005
95 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Über das Volkslied
1.2 Zum Begriff der „Idee“
1.3 Übertragung auf das Volkslied
2 Das Volkslied
2.1 Abgrenzung zum Kunstlied
2.2 Das Wesen des Volkliedes – Volkslieder vor Herder
2.2.1 Volksliedtexte
2.2.2 Volksliedmelodien
2.2.3 Das Verhältnis zwischen Wort und Ton
2.3 Johann Gottfried Herder
2.4 Volkslied-Sammlungen
2.4.1 Achim von Arnim und Clemens Brentano – „Des Knaben Wunderhorn“
2.4.1.1 Des Antonius von Padua Fischpredigt
2.4.2 August Kretzschmer und Wilhelm von Zuccamaglio – „Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Weisen“
2.4.2.1 Analyse „Schwesterlein“
2.4.3 Ludwig Erk, Wilhelm Irmer und Franz Magnus Böhme – „Die deutschen Volkslieder mit ihren Singweisen“ und „Deutscher Liederhort”
2.5 Das „Lied im Volkston“
2.6 Zusammenfassung
3 Johannes Brahms
3.1 Biographische und kompositorische Bedingungen der Volkslied Bearbeitungen
3.2 Johannes Brahms und die Volkslieder aus der Sammlung von Zuccalmaglio
3.3 „Schwesterlein“ für eine Singstimme und Klavierbegleitung, WoO 33/15
3.3.1 Analyse und Interpretation
3.4 Die „Idee des Volksliedes“ bei Johannes Brahms
3.5 Die „Idee des Volksliedes“ als Ausgangspunkt zur Komposition von „Liedern im Volkston“ – „Wiegenlied“ Op.49/4
3.6 Auswirkungen der „Idee des Volksliedes“ auf die Kunstmusik bei Johannes Brahms
4 Gustav Mahler
4.1 „Natur-“ und „Volkston“ und die Auswirkung auf das kompositorische Schaffen
4.2 Gustav Mahler und sein Verhältnis zu „Des Knaben Wunderhorn“
4.3 Gustav Mahler – Gesänge aus „Des Knaben Wunderhorn“
4.3.1 Das Verhältnis zwischen Klavier- und Orchesterfassung bei Gustav Mahlers Liedern
4.3.2 „Des Antonius von Padua Fischpredigt“ – Entstehung, Analyse, Interpretation, Auswertung
4.4 Die „Idee des Volkliedes in der Kunstmusik“ bei Gustav Mahler
5 Die unterschiedliche Verwendung und Auswirkung der „Idee des Volksliedes in der Kunstmusik“ – Ein Vergleich zwischen Johannes Brahms und Gustav Mahler
Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Bedeutung des Volksliedes für die Kunstmusik des 19. Jahrhunderts und den Übergang zur Moderne. Ausgehend von Herders Konzept einer „Idee des Volksliedes“ wird analysiert, wie Komponisten das Volkslied als Quelle der Natürlichkeit und Einfachheit instrumentalisierten, stilisierten oder in ihr kompositorisches Werk integrierten.
2.4.2.1 Analyse „Schwesterlein“
Als Beispiel soll nun das Lied „Schwesterlein“ näher betrachtet werden. Die Verfasserin hat dieses Lied ausgewählt, weil es als Vertreter für die besonderen, eher unüblichen Volksweisen stehen soll, später aber bei Brahms sogar mehrfach bearbeitet wurde und dort zur Gruppe der häufigsten Bearbeitungsweisen gehört.
Dieses Lied ist im ersten Band „Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Weisen“ in der Abteilung „Ernste Romanzen und Sagen“ als Nr. 68 abgedruckt. (Vgl. Notenbeispiel 1 im Anhang S. III) Zuccalmaglio hat es 1825 in Schlebusch am Niederrhein aufgezeichnet.
Der Text gliedert sich in fünf gleich gebaute Strophen, die aus sechs Versen, welche sich zu drei zweizeiligen Abschnitten zusammenfassen lassen, bestehen. Der erste Vers einer jeden Strophe enthält die Anrede „Schwesterlein, Schwesterlein“, der dritte Abschnitt beginnt jeweils mit der Anrede „Brüderlein“ und schließt sich an die Worte der Schwester des zweiten Abschnittes einer jeden Strophe fort; es handelt sich demnach um einen Dialog zwischen Bruder und Schwester.
Der Text dieses Liedes ist zum größten Teil eine Eigenschöpfung Zuccalmaglios. Angeregt wurde er durch zwei Vierzeiler aus dem im Jahre 1810 notierten Volksliede „Laß doch meine Jugend, meine Jugend florieren“.
1 Einleitung: Die Einleitung problematisiert die Trennung von Volkslied und Kunstmusik und stellt die Forschungsfrage, ob eine Übertragung von Volksliedern in den Kunstmusikkontext sinnvoll und möglich ist.
2 Das Volkslied: Dieses Kapitel definiert die "Idee des Volksliedes" nach Herder, beleuchtet historische Sammlungen und diskutiert die Abgrenzung zum Kunstlied sowie die Entstehung des "Liedes im Volkston".
3 Johannes Brahms: Es wird untersucht, wie Brahms auf Basis der Zuccalmaglio-Sammlung das Volkslied als ideales, musikalisches Urbild begreift und dessen "Natürlichkeit" in seine Liedkompositionen überführt.
4 Gustav Mahler: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Mahler volksmusikalische Versatzstücke nicht zur Bewahrung einer Idylle, sondern als semantische "Vokabeln" zur Kommentierung der modernen Lebenswelt verwendet.
5 Die unterschiedliche Verwendung und Auswirkung der „Idee des Volksliedes in der Kunstmusik“ – Ein Vergleich zwischen Johannes Brahms und Gustav Mahler: Der Vergleich verdeutlicht die verschiedenen ästhetischen Ansätze, bei denen das Volkslied für Brahms ein authentisches Ideal, für Mahler hingegen ein verfügbares, künstlich transformiertes Material darstellt.
Volkslied, Kunstmusik, Johann Gottfried Herder, Johannes Brahms, Gustav Mahler, Des Knaben Wunderhorn, Lied im Volkston, Romantik, Moderne, Zuccalmaglio, Volksliedsammlung, Kompositionstechnik, Ästhetik, Musikgeschichte, Kulturgeschichte
Die Arbeit untersucht, wie das Konzept des Volksliedes als ästhetisches Ideal oder kompositorisches Material in der Kunstmusik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts bei Johannes Brahms und Gustav Mahler verwendet wurde.
Die Themenfelder umfassen die Definition des Volksliedes seit Herder, die Bedeutung historischer Volksliedsammlungen, die Rolle des "Liedes im Volkston" sowie den künstlerischen Umgang der Komponisten mit volksmusikalischen Vorlagen.
Das Ziel ist es, den "Weg vom Volkslied zum Kunstlied" nachzuzeichnen und zu klären, wie sich die Funktion des Volksliedideals in den Werken von Brahms und Mahler unterscheidet.
Die Autorin nutzt literatur- und musikwissenschaftliche Analysen, Vergleiche zwischen Textvorlagen und Kompositionen sowie die Auswertung zeitgenössischer Dokumente und Sekundärliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Volksliedbegriffs, die Untersuchung der Praxis bei Brahms (anhand von "Schwesterlein" und dem "Wiegenlied") und bei Mahler (anhand der "Wunderhorn"-Gesänge).
Zentrale Begriffe sind neben den Komponistennamen vor allem "Idee des Volksliedes", "Lied im Volkston", "Romantisierung", "Zivilisationswelt" und "Wunderhorn".
Das Lied dient als Beispiel für eine eher unübliche Volksweise, die von Zuccalmaglio bearbeitet und später von Brahms als Vorlage für eine mehrfache, kunstvolle Vertonung genutzt wurde.
Brahms strebte nach der Wahrung der Authentizität und der "Veredelung" durch schlichte Bearbeitung im Dienst des Volksliedes, während Mahler volksliedhafte Elemente als Mittel zur Kommentierung seiner Umwelt "dienstbar" machte und ironisierte.
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