Bachelorarbeit, 2006
81 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Bekennen
2.1 Bekennen als Institution: Geständnis und Beichte
2.1.1 Geständnis
2.1.2 Beichte
2.2 Groß bist Du, Herr: Augustinus’ Confessiones
2.2.1 Bekenntnis als Autobiographie: Das doppelte Ich
2.2.2 Dreifach Bekennen: Augustinus’ Begriff der confessio
2.3 Einzig und allein Ich: Rousseaus Confessions
2.3.1 Bekehrungen: Augustinus und Rousseau
2.3.2 Bekenntnispublikum: Der doppelte Adressat
2.4 Bekenntniskommunikation
2.5 Funktionen des Bekennens
3. Bekennerschreiben
3.1 Die Verbreitung des Terrors
3.1.1 Das Denken besetzen
3.1.2 Zeloten und Assassine
3.1.3 Propaganda der Tat
3.1.4 Terrorismus als Nachrichtenereignis
3.2 RAF: Bekennerschreiben als Kommunikationsangebot
3.2.1 Die RAF als Autor
3.2.2 Das Scheitern der Bekenntniskommunikation
3.3 Ermittlungsbehörden: Bekennerschreiben lesen
3.3.1 Material
3.3.2 Text
3.4 Al Quaida: Bekennerschreiben als Ereignis
3.5 Funktionen des Bekennerschreibens
4. Falsche Bekenntnisse
4.1 Legendenbildung: Die Ripper Briefe
4.2 Bekenntniskaskade: Störungen des Bekennens
5. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bekennerschreiben als spezifische Form des Bekennens und analysiert dessen kommunikationsstiftende Funktionen im Kontext terroristischer Strategien unter Rückgriff auf medienwissenschaftliche und soziologische Theorien.
3.1.1 Das Denken besetzen
Der Begriff Terrorismus hat sehr unterschiedliche Definitionen erfahren, was sich zum Teil aus einem geschichtlichen Bedeutungswandel des Wortes, zum Teil aus unterschiedlichen Ansichten über die Abgrenzung zu benachbarten Phänomenen ergibt. Seinen begrifflichen Ursprung hat der Terror im „régime de la terreur“, das zwischen März 1793 und Juni 1794 unter der Leitung Robespierres Tausende guillotinierte. Als Robespierre und seine Anhänger schließlich vom Nationalkonvent gestürzt wurden, stellte sich heraus, dass seine Gruppe lediglich aus 22 Mitgliedern bestand, die durch geschickte Taktik den Ausschuss für öffentliche Sicherheit der Revolution und damit faktisch ganz Frankreich kontrollierten. Mit der Begriffsbildung von terreur gingen auch einige Konnotationen in das Verständnis von Terror ein. Zunächst war der Begriff Terror positiv besetzt: Als Mittel zur Durchsetzung demokratischer Ideale gegen die Reaktionäre des ancien régime. So bezeichnete Robespierre in einer Rede vor der französischen Nationalversammlung den Terror als "nichts anderes als Gerechtigkeit, prompt, sicher und unbeugsam."
Das Ideal, zu dessen Durchsetzung der Terror führen sollte, war das einer - nicht sehr klar umrissenen - neuen und besseren Gesellschaft anstelle des herrschenden Systems. Das Vorgehen des régime de la terreur war organisiert und systematisch. Es erlaubte, zumindest für etwas mehr als ein Jahr, die Herrschaft von wenigen über ein ganzes Land.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Bekennerschreiben als kommunikative Strategie innerhalb der Terrorismusforschung ein und begründet den Untersuchungsschwerpunkt.
2. Bekennen: Dieses Kapitel erörtert die historischen Wurzeln des Bekennens, insbesondere die institutionelle Beichte und die autobiographischen Formen bei Augustinus und Rousseau.
3. Bekennerschreiben: Hier wird das Bekennerschreiben als moderne Sonderform des Bekennens analysiert, wobei besonders die RAF und Al Quaida als Fallbeispiele fungieren.
4. Falsche Bekenntnisse: Dieses Kapitel untersucht das Phänomen der falschen Bekenntnisse anhand der Ripper-Briefe und analysiert Störungen der Bekenntniskommunikation.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die Erkenntnis, dass Bekennerschreiben als kommunikative Medienereignisse fungieren, die zur Identitätszuschreibung und Steuerung von Diskursen genutzt werden.
Bekenntnis, Bekennerschreiben, Kommunikation, Terrorismus, RAF, Al Quaida, Augustinus, Rousseau, Medienereignis, Propaganda der Tat, Identität, Diskurs, Falsche Bekenntnisse, Jack the Ripper, Luhmann
Die Arbeit untersucht die Struktur und Funktion von Bekennerschreiben und setzt diese in den Kontext der historischen Bekenntnistradition sowie der modernen Terrorismusforschung.
Im Zentrum stehen die Formen des Ich-Sagens, die mediale Vermittlung von Terroranschlägen und die Frage, wie Terroristen ihre Identität durch Bekenntnisse konstruieren.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Bekennerschreiben als Kommunikationsangebot fungiert, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Anschlusskommunikation zu steuern.
Die Autorin/der Autor nutzt medientheoretische Ansätze, insbesondere den Kommunikationsbegriff von Niklas Luhmann, sowie historische und forensisch-linguistische Perspektiven.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse institutionalisierter Bekenntnisformen, die Untersuchung terroristischer Bekennerschreiben (RAF, Al Quaida) und die Erforschung falscher Bekenntnisse.
Schlüsselbegriffe sind Bekenntniskommunikation, Propaganda der Tat, Biographiegenerator, Parasit und Ereignischarakter.
Während Augustinus das Bekenntnis als religiösen Prozess der Selbsterkenntnis und Gotteslobpreisung begreift, nutzt die RAF es instrumentell als Kommunikationsangebot, um politische Forderungen zu stellen.
Falsche Bekenntnisse funktionieren als "Parasiten" oder produktive Störungen, die ebenfalls Ereignischarakter besitzen und daher von Medien als echte Bekenntnisse verarbeitet werden.
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