Magisterarbeit, 2006
81 Seiten, Note: 1,3
Vorwort
I
1. An der Oberfläche
2. Stil und Sprache
3. Authentizitätsansprüche – Fiktion und Wirklichkeit des Vorworts
II Rückschritte – Der Zerfall des Ich
1. Die Tropen als Tropus oder: Der Dschungel in uns
2. Ästhetik der Gewalt und der Wille zur Lust
3. Identitätsverlust – Ausgelöscht von der Landkarte
III Die Reise zum Neuen Menschen – Reisen, Rassen, Kulturkritik, die Pace und der neue Mensch
IV Das Wesen der Wirklichkeit
1. Paradoxa, Phantoplasma und die fünfte Dimension
2. Spiegelungen und Fiktionsebenen – Die doppelte Person und das doppelte Buch
3. Eine Detektivgeschichte – Der detektivische Leser und der schizoide Ich-Erzähler
V Zusammenfassung und Schlussgedanken
Die Arbeit untersucht die komplexe Fiktionsstruktur und die philosophischen Grundlagen in Robert Müllers expressionistischem Roman „Tropen“ (1915), wobei der Fokus insbesondere auf der erzähltheoretischen Analyse, der Ich-Dissoziation und der Reise als Sinnsuche liegt.
1. An der Oberfläche ...
An der Oberfläche präsentiert sich der Roman ‚Tropen’ als Abenteuerroman, etwa im Karl-May-Stil, und zwar zunächst „in der vertrauten Form der Rahmenerzählung [...], die auf nichts Ungewöhnliches hindeutet.“
Der Roman beginnt mit einem Vorwort, in dem ein Verleger namens Robert Müller als Ich-Erzähler auftritt und schildert, wie er vor einiger Zeit als Lektor der Zeitschrift „Three Worlds“ ein Manuskript erhalten habe von einem unscheinbaren jungen Mann, einem Ingenieur namens Hans Brandlberger, der ihm dieses persönlich übergeben hatte. Das Manuskript war damals abgelehnt worden, da es als für die Zwecke des Verlags unbrauchbar eingestuft wurde. Der Ich-Erzähler Robert Müller erinnert sich an diese Begebenheit und an das Manuskript Brandlbergers, als er einen Zeitungsbericht liest, in dem von einem Ingenieur namens Brandlberger berichtet wird, welcher auf einer Expedition nach Südamerika mit dem Ziel der Errichtung einer sogenannten Freelandkolonie in einem Indianeraufstand ums Leben kommt. Dem Zeitungsbericht zufolge hatte Brandlberger die Pläne zu diesem Projekt, bei dem es um die Erschließung von Urwald und der Verwaltung des kultivierten Gebietes auf kommunistischer Grundlage ging, selbst entworfen und war mit einer Gruppe von sieben Nordamerikanern und drei Deutschen zur „Grenze zwischen Brasilien und Venezuela (ins) [...] Quellgebiet des Rio Taquado“ (S. 7) aufgebrochen. In eben diesem Gebiet ereignet sich „im Jahre 1907“ (S. 7) ein von der Priesterin Zoana angeführter Indianeraufstand und tötet sämtliche Mitglieder der Expedition.
Anlässlich dieser Ereignisse studiert der Ich-Erzähler Robert Müller das Manuskript Brandlbergers erneut und beschließt, es als Buch zu veröffentlichen. Als Verleger dieses Buches – er betitelt es: „Tropen – Der Mythos der Reise – Urkunden eines deutschen Ingenieurs“ – schreibt er das besagte Vorwort, in welchem er ein Charakterbild Brandlbergers entwirft sowie geschichtliche Hintergründe der Ereignisse erläutert. Darauf folgt der Binnenroman Brandlbergers, der als Reisebericht beginnt, dann aber zur philosophischen Abhandlung gerät und überdies eine verwirrende Kriminalgeschichte enthält, in welcher sich der Leser selbst als Detektiv betätigen soll.
I: Dieses Kapitel führt in die Struktur von „Tropen“ ein, thematisiert die erzähltechnischen Rahmenbedingungen und die Problematik der Authentizitätsansprüche innerhalb des Vorworts.
II Rückschritte – Der Zerfall des Ich: Es wird die philosophische Dimension der Reise untersucht, insbesondere wie der Protagonist durch das Eintauchen in die Natur und die "Tropen" einen Prozess der Ich-Auflösung und Regression erlebt.
III Die Reise zum Neuen Menschen: Dieses Kapitel analysiert die kulturkritischen Aspekte und den utopischen Gehalt der Reise, die auf die Entwicklung eines "Neuen Menschen" und die Überwindung europäischer Zivilisationsnormen zielt.
IV Das Wesen der Wirklichkeit: Hier stehen die theoretischen Konzepte wie Paradoxie, Phantoplasma und die "Fünfte Dimension" im Mittelpunkt, sowie die Konstruktion der Realität durch das Denken des Protagonisten.
V Zusammenfassung und Schlussgedanken: Das Fazit fasst die literarische Bedeutung von Müllers Werk zusammen und reflektiert die subjektive Realitätskonzeption des Autors.
Robert Müller, Tropen, Expressionismus, Ich-Dissoziation, Fiktionsstruktur, Brandlberger, Jack Slim, Phantoplasma, Fünfte Dimension, Lebensphilosophie, Kulturkritik, Aktivismus, Modernismus, Narratologie, Exotismus.
Die Magisterarbeit befasst sich mit Robert Müllers Roman „Tropen“ und analysiert dessen komplexe Erzählweise sowie die darin entwickelten philosophischen und kulturkritischen Konzepte.
Zentrale Themen sind die Identitätskrise (Ich-Dissoziation), die Konstruktion von Wirklichkeit, die Kritik an der bürgerlichen Kultur und das Streben nach einer neuen menschlichen Existenz.
Ziel ist es, die "Fiktionsstruktur" des Romans freizulegen und aufzuzeigen, wie Müller das Reisen als Metapher für den Zerfall des Ich und die Entwicklung einer neuen Philosophie nutzt.
Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analyseansätze, um die Verschränkung von Erzählrahmen, Binnenhandlung und philosophischen Reflexionen im Werk zu deuten.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Erzählstruktur (I), den Zerfall des Ich (II), die Reise zum neuen Menschen (III) und die metaphysische Ebene der Wirklichkeit (IV).
Wichtige Begriffe sind insbesondere Ich-Dissoziation, Expressionismus, Phantoplasma, Fünfte Dimension und die Doppelgängerthematik zwischen Brandlberger und Slim.
Das Phantoplasma wird als eine Art "neues Organ" zwischen Gehirn und Eingeweide beschrieben, das für das Erkennen von Lebenswahrheiten und die Antizipation der Zukunft notwendig ist.
Der Leser wird gezwungen, aktiv zur Sinnstiftung beizutragen, da die Handlung widersprüchliche Fiktionsebenen aufweist und die Wahrheitssuche den Leser in ein Labyrinth führt.
Die Mordszene wird als spiegelbildlicher Vorgang im Wasser geschildert, der den Leser an der Realität der berichteten Ereignisse zweifeln lässt und den Charakter des Erzählers als schizoid entlarvt.
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