Diplomarbeit, 2005
90 Seiten, Note: 2,0
1. Einführung in den Untersuchungsgegenstand
1.1 Fragestellung und Ziel der Arbeit
1.2 Struktur der Arbeit
2. Theorien und Historie der Entwicklungspolitik
3. Entwicklung der Bedeutung von Privatisierungsmaßnahmen als entwicklungspolitisches Instrument
3.1 Begriffliche Prägung
3.1.1 Die Entwicklung von GATT, WTO, GATS und AKP-Vertrag
3.2 Erhoffte positive Effekte von Privatisierungsmaßnahmen
3.2.1 Erwartungen internationaler Finanz- und Entwicklungsinstitutionen und der Regierungen der Entwicklungsländer
3.2.2 Die Erwartungen der privaten Wirtschaft
3.3 Privatisierung im Wassersektor
3.3.1 Betreibermodelle
3.3.2 Lobbyisten und Konzerne der Wasser- und Abwasserindustrie
3.4 Probleme von Privatisierungen im Wassersektor
4. Theoretischer Teil – das Privatisierungskonzept aus neo-institutionalistischer Sicht
4.1 Forschungsfragen und Annahmen generiert anhand der Theorie des Neo-Institutionalismus
4.1.1 Der world-polity-Ansatz: eine Variante der Globalisierungs- und Weltgesellschaftsdiskussion
4.1.2 Die Mikrofundierung des soziologischen Neo-Institutionalismus
4.2 Die weltweite Verbreitung des Konzeptes der Privatisierung
4.3 Die Weltbank als zentraler Agent der Diffusion
4.3.1 Normenübernahme und Produktion des Privatisierungskonzeptes
4.3.2 Kopiervorgänge bei der Verbreitung von Projekten und Strategien
4.3.3 Implementierung
4.4 Die Wasserkonzerne als Teil des organisationalen Feldes der Weltbank
4.4.1 Konzerne als nach Legitimation strebende Organisationen
4.5 Internationale Handels- und Wirtschaftsabkommen als Beschleuniger der Verbreitung von Privatisierungsmaßnahmen
5. Methode zur Untersuchung der Projekte
5.1 Begründung der Fallauswahl
5.2 Vorgehen
6. Empirischer Teil – Projektanalysen
6.1 Der Privatisierungsprozess in Buenos Aires – Grundlegende Vereinbarungen
6.2 Struktur und Verlauf der Privatisierung
6.2.1 Zugang zu Wasser
6.2.2 Wasserverluste
6.2.3 Investitionen
6.2.4 Wasserpreis
6.2.5 Arbeiter
6.2.6 Effizienz der Regulierung
6.3 Analyse und Bewertung der Privatisierung in Buenos Aires aus neo-institutionalistischer Perspektive
6.4 Die Privatisierung der Wasserversorgung in Manila – Grundlegende Vereinbarungen
6.5 Struktur und Verlauf der Privatisierung
6.5.1 Zugang zu Wasser:
6.5.2 Wasserverluste
6.5.3 Investitionen
6.5.4 Wasserpreis:
6.5.5 Arbeiter
6.5.6 Effizienz der Regulierung:
6.6 Analyse und Bewertung der Privatisierungen in Manila aus neo-institutionalistischer Perspektive
6.7 Synthese der Analysen
6.7.1 Monopolisierungsstrategien
6.7.2 Bietstrategien
6.7.3 Die Unterschätzung von Kosten und die Überschätzung von Einnahmen
6.7.4 Die Schwächung der Regulierungsbehören
6.7.5 Strategien der nachträglichen Rationalisierung
7. Fazit
Die Arbeit untersucht das Paradigma der Privatisierung in der Entwicklungszusammenarbeit, insbesondere die Ursachen und Konsequenzen der Teilnahme der privaten Wirtschaft an Maßnahmen im Wassersektor. Dabei wird analysiert, wie sich dieses Konzept weltweit durchgesetzt hat und welche Rolle internationale Institutionen sowie private Konzerne dabei spielen, wobei die theoretische Basis des soziologischen Neo-Institutionalismus genutzt wird.
3.2.1 Erwartungen internationaler Finanz- und Entwicklungsinstitutionen und der Regierungen der Entwicklungsländer
Auf Seiten der Weltbankgruppe steht einerseits die Weltbank selbst für die Vergabe von Krediten an Staaten zur Verfügung, an die sie Bedingungen wie etwa die Privatisierung der öffentlichen Wasserversorgung knüpfen kann. Zweitens vergibt die Weltbank über die IFC auch Kapital an die privaten Wasserunternehmen selbst. Hierbei kann die Institution den Konzern, wie im Falle der Privatisierung in Buenos Aires (vgl. Kapitel 6.1), zu bestimmten Auflagen verpflichten, wie SUEZ / Maynilad zur Investition von einer Milliarde US-Dollar im ersten Jahr (Barlow / Clarke 2004: 202). Wie in 3.5 näher erläutert wird, waren Kreditvergaben an Staaten insbesondere in den achtziger und neunziger Jahren zum einem großen Teil an die Vorgabe geknüpft, Reformen im Sinne der Strukturanpassungsprogramme (SAP) durchzuführen.
Häufig wird von den Staaten selbst die schlechte Haushaltslage von Staaten als der bedeutendste Beweggrund für die Durchführung von Privatisierungen angegeben. Diese kann als Resultat der starken Auslandsverschuldung vieler Entwicklungsländer gesehen werden, die seit Beginn der achtziger Jahre immer akuter wurde. Dies ist unter anderem als Konsequenz der Armutsbekämpfungsstrategie unter Weltbankchef Mc Namara und der damit einhergehenden „massiven Ausweitung des Kreditvolumens der Weltbank“ anzusehen (Ziai, Aram 2004: 1093). Die Schuldenkrise war eine der eigentlichen Hauptanlässe zur Einführung der SAP, die „zunächst als kurzfristige Maßnahmen, zur wirtschaftlichen Konsolidierung und zur Wiederherstellung von Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit“ dienen sollten (Ziai, Aram 2004: 1093).
Mit der Mobilisierung privaten Kapitals zur Investition in öffentliche Aufgaben, erhofft man sich eine Entlastung der finanziellen Situation und sogar einen positiven gesamtwirtschaftlichen Effekt.
1. Einführung in den Untersuchungsgegenstand: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab, stellt die Forschungsfrage und erläutert die Zielsetzung sowie die methodische Herangehensweise.
2. Theorien und Historie der Entwicklungspolitik: Dieses Kapitel skizziert die grundlegenden Theorien und historischen Entwicklungen, die das Handeln entwicklungspolitischer Akteure seit dem Zweiten Weltkrieg geprägt haben.
3. Entwicklung der Bedeutung von Privatisierungsmaßnahmen als entwicklungspolitisches Instrument: Hier wird der Aufstieg des Privatisierungskonzeptes durch internationale Institutionen nachgezeichnet und die Motive der beteiligten Akteure, insbesondere im Wassersektor, dargelegt.
4. Theoretischer Teil – das Privatisierungskonzept aus neo-institutionalistischer Sicht: Der theoretische Kern der Arbeit nutzt den soziologischen Neo-Institutionalismus, um Diffusion, Legitimitätsstreben und organisationale Felder zu erklären.
5. Methode zur Untersuchung der Projekte: Hier wird das methodische Vorgehen der Sekundäranalyse beschrieben, inklusive der Begründung der Fallauswahl von Buenos Aires und Manila.
6. Empirischer Teil – Projektanalysen: In diesem Hauptteil werden die konkreten Privatisierungsprozesse in Buenos Aires und Manila detailliert rekonstruiert, analysiert und bewertet.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Bedeutung des Legitimitätsstrebens und stellt die Effektivität der untersuchten Privatisierungsmodelle in Frage.
Privatisierung, Wassersektor, Weltbank, Entwicklungszusammenarbeit, Neo-Institutionalismus, Strukturanpassungsprogramme, GATS, Wasserkonzerne, Legitimität, Buenos Aires, Manila, ISOMORPHIE, Public Private Partnership, Infrastruktur, Diffusionsprozess.
Die Arbeit analysiert kritisch das Paradigma der Privatisierung von Wasserversorgungssystemen in Entwicklungsländern, wobei die Rolle der Weltbank und die Zusammenarbeit mit privaten Konzernen soziologisch beleuchtet werden.
Zentral sind die Entwicklungspolitik, die Diffusion internationaler Organisationsnormen, die Rolle von Handelsabkommen sowie die empirische Untersuchung von Wasserprivatisierungsprojekten.
Die Arbeit untersucht die Ursachen und Konsequenzen der Beteiligung der Privatwirtschaft an entwicklungspolitischen Maßnahmen, um die Wirksamkeit und die strukturellen Hintergründe dieser Prozesse zu klären.
Die Autorin verwendet eine Sekundäranalyse bereits durchgeführter Projekte in Buenos Aires und Manila, die sie mittels neo-institutionalistischer Theorien bewertet.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Anwendung des Neo-Institutionalismus und einen empirischen Teil, der die Privatisierungsverläufe in Buenos Aires und Manila detailliert rekonstruiert und analysiert.
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Isomorphie (Zwang, Imitation, normativer Druck), das organisationale Feld, Legitimität, Entkopplungsprozesse und der Washington Consensus.
Die "dive bids" beschreiben eine Strategie der Konzerne, bei Ausschreibungen extrem niedrige Angebote zu unterbreiten, um den Zuschlag zu erhalten, mit der festen Absicht, den Vertrag später zu eigenen Gunsten nachzuverhandeln.
Die Weltbank fungiert als maßgebliche Institution, die Privatisierungsnormen und neoliberale Wirtschaftsmodelle weltweit verbreitet, implementiert und über Kreditbedingungen an Entwicklungsländer koppelt.
Die Analysen zeigen, dass es in beiden Fällen zu starken Preisanstiegen und einer Verschlechterung des Zugangs zu Wasser für ärmere Bevölkerungsschichten kam, entgegen den ursprünglichen Versprechungen der Betreiber.
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